Nachtmystium - Resilient

Review

In den letzten Jahren ging es im Zusammenhang mit NACHTMYSTIUM, Blake Judd und dessen eigenes Label Ascension Media Records leider viel zu wenig um Musik, als um Drogenprobleme, er war abhängig von Heroin, sowie auch Betrügereien, wo insbesondere direkt bei ihm bestellende Fans ihre bezahlten Tonträger oder Merchandise nicht erhalten hatten. Die Band war quasi schon so gut wie fertig, die Plattenfirma Century Media kündigte die Zusammenarbeit und entschädigte die geprellten Fans mit den Tonträgern. Es folgte dann aber der Rücktritt vom Rücktritt. Nun sind die reformierten NACHTMYSTIUM bei Prophecy Productions / Lupus Lounge unter Vertrag genommen worden. Erstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine neue EP namens „Resilient“. Und Blake Judd selbst soll auch wieder clean sein, eine doppelte Wiedergeburt sozusagen.

Die Rückkehr von NACHTMYSTIUM – „Resilient“

NACHTMYSTIUM, das sind nun neben Blake noch Keyboarder Job „Phenex“ Bos (DARK FORTRESS, Live bei SATYRICON, Live bei THE RUINS OF BEVERAST), Bassist Martin van Valkenstijn (Live u. a. bei EMPYRIUM, SUN OF THE SLEEPLESS, THE VISION BLEAK) und Schlagzeuger Jean Graffio (SUMERIA). Der Neuanfang beginnt mit „Conversion“, ein atmosphärisches Intro, recht typisch und vorhersehbar. Aber dann der Titelsong „Resilient“: Die Stimmung pendelt zwischen Trauer und Verzweiflung, der fragil wirkende Song selbst schleppend ruhig, selbst wenn das Schlagzeug Doublebass spielt. Nachdenkliche Synthie-Streicher sorgen für getragene Atmosphäre, das melancholische Riffing zieht in den Bann. Ganz groß! „Silver Lanterns“ ist noch etwas mehr Depressive Black Metal. Verwaschene Distortion- und Clean-Gitarren, Half-Blasts, Tremolo-Riffs, traurige Lead-Melodie, verhallter Gesang, dazu Keyboard-Kontraste. Das Stück pendelt zwischen eisig-klirrender Black Metal-Raserei und melancholisch-spaciger Atmosphäre. Das abschließende, epische „Desert Illumination“ ist schleppend, progressiv verspielt, mit eingewobenen psychedelischen Elementen, lässig Desert-lockerem Gitarrenspiel, Clean-Gitarren, Singsang-Melodie. Man will schon fast meinen, NACHTMYSTIUM drehen die Stimmung, aber dem ist nicht so. In der zweiten Hälfte des Stücks kehren Blake Judd und seine Mitstreiter zurück zum Black Metal mit bösartigem Finale, hat etwas von BETHLEHEM.

Auffällig ist, dass sich der Gitarrensound von Song zu Song unterscheidet, was die verschiedenen spannungsgeladenen Stücke noch etwas weiter voneinander trennt. Gemeinsam ist den Stücken, dass NACHTMYSTIUM auf „Resilient“ sehr intensiv, sehr melancholisch klingen. In der Grundstruktur eigentlich recht simpel gehalten, mit emotionaler Tiefe hypnotisch fesselnd. Mit einer überstrahlenden Innovationskraft, wie es aber beispielsweise seinerzeit „Assassins – Black Meddle Part I“ (Wiederveröffentlichung ebenfalls über Prophecy Productions) oder „Addicts: Black Meddle Pt. II“ waren, ist das gutklassige „Resilient“ allerdings nicht gesegnet. Willkommen zurück!

17.12.2018

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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