Nagelfar - Hünengrab Im Herbst (Re-Release)

Review

Im Jahr 1997 erschien mit „Hünengrab im Herbst“ das Debütalbum von NAGELFAR, einer Band, deren Diskografie viel zu kurz war, deren Geschichte viel zu früh endete. Nachdem Ván Records bereits vor zwei Jahren „Virus West“ wieder veröffentlicht haben, ist nun mit dem Re-Release von „Hünengrab im Herbst“ eine weitere wichtige und wegweisende Scheibe des deutschen Black Metals wieder erhältlich.

Optisch hat sich hier einiges getan, so gibt es ein neues Cover, welches zwar auch gut aussieht, das Originalgemälde von Caspar David Friedrich gefiel mir aber doch besser.

Schon das Debüt, welches gleich mal ein Konzeptalbum darstellte, zeigte eindruckvoll, welche großes Potenzial in NAGELFAR steckte. Mystisch, grimmig, ungeschliffen, nachdenklich und wütend zugleich ist der Black Metal, dabei äußerst innovativ und packend. Die majestätischen, erhabenen Keyboard-Melodien, die vehement sägenden Riffs, die akustischen Passagen, das akzentuierte Schlagzeugspiel, die innbrünstigen, heiseren und manchmal fast schon hysterisch wirkenden Schreie sowie der von Trauer und Sehnsucht geschwängerte Klargesang sorgen für Gänsehaut pur. Damals waren der klare, charismatische und manchmal etwas schräge Gesang und die Sprechparts sicherlich noch gewöhnungsbedürftiger, als sie es heute sind.

Das Abwechslungsreichtum in den dynamischen und teils überlangen Stücken ist enorm, wie es die Stimmungen sind, „Hünengrab im Herbst“ bietet viele Facetten schwarzmetallischer Tonkunst, die Extreme werden ausgependelt, die Wechsel sind rasant und dabei trotzdem stets nachvollziehbar. Nordische Raserei voller Wut bis zur (blutigen) Ekstase, aber auch eingängiges Midtempo-Gestampfe mit klarem Gesang, stimmungsdienliche Samples oder experimentelle Keyboard-Passagen. NAGELFAR waren schon mit ihrem Erstlingswerk Grenzgänger eines auch damals teils erzkonservativ und angestaubt geltenden Genres, das vor selbsternannten Szenepolizisten aus allen Nähten platzte.

Durch und durch böse, traurig, zornig, sehnsuchtsvoll, nachdenklich, melancholisch, hymnisch, der musikalischen und lyrischen Reize zu entdecken und erfahren gibt es viele. Angereichert wurde der Re-Release noch um den Bonustrack „Fressen der Raben“ vom Demo „Als die Tore sich öffnen“ aus dem Jahr 1995, dessen Sound natürlich nicht mit der gelungenen, transparenten und druckvollen Albumproduktion vom Stage One Studio mithalten kann.

„Hünengrab im Herbst“ war und ist über jeden Zweifel erhaben.

21.03.2009

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

Exit mobile version