Nihilosaur - You Will Never Get The Satisfaction

Review

Die polnischen Nihilosaurier haben sich einige Zeit für zweites Album gelassen, ganze vier Jahre, während derer man zum Trio geschrumpft ist. Ob der etwas modifizierte Bandsound darauf zurückzuführen ist, liegt gar nicht mal so fern. Fakt ist: NIHILOSAUR beackern noch immer ihre groß angelegte Baustelle von Noise-infiziertem und Hardcore-inspirierten Progressive Metal, ohne auch nur einer dieser Ausprägungen einen Vorzug zu geben. Sie sind sperrig und bitter, wie Medizin, die man nicht schnell genug herunterschluckt, entfalten mit ihren musikalischen Facetten aber auch Langzeitwirkung.

Das Debüt „The End Is Within Sight“ war rein gefühlsmäßig ziemlich laut. Offensiv, angriffslustig, immer auf dem Sprung. Auf dem neuen Album scheinen nun die leiseren Töne angeschlagen zu werden. Bands wie THE JESUS LIZARD oder TODAY IS THE DAY werden als Einflüsse zitiert, ohne das die Polen sich deren Sound zu eigen machen würden. Sie sind immer noch Noise, ohne das Trommelfell mit dem Reibeisen zu bearbeiten. Sie sind immer noch Hardcore, ohne in heftigen Breakdowns die Bühnenbretter zu zermalmen. Sie kreieren in mit ihren mäandernden Riffs durchzogenen Songs ihr Gebilde progressiven Metals, halten sich aber geflissentlich von Klischees fern.

Während der Körpertwister auf dem Cover zum zweimaligen Anschauen animiert, müssen die Ohren einiges mehr an Zeit investieren. NIHILOSAUR können bisweilen ganz schön bleiern wirken; auch scheint sich das Album in einem ziemlich engen Kanal zu bewegen. Die Akzente werden nur zart gesetzt, nach den Details muss man mitunter ganz schön graben. Das heißt nicht, dass NIHILOSAUR auch ihre Vielseitigkeit versteckt haben, aber vielmehr wirkt das Album wie ein dichtes, organisches Geflecht im Wildwuchs, durch dass man sich als Hörer erstmal durchkämpfen muss. Doch nach einiger Zeit entwirren sich die Fäden dieses Gewebes und offenbaren ihr Potential. Genußmenschen sind gefragt – wer hier nicht um drei Ecken hören kann, wird es mit NIHILOSAUR ziemlich schwer haben.

21.06.2012
Exit mobile version