No Innocent Victim - To Burn Again

Review

Lange war Funkstille bei NO INNOCENT VICTIM. Nach dem letzten Album „Tipping The Scales“ aus dem Jahr 2001 tourten sich die Jungs noch ein knappes Jahr lang den Arsch ab und entschieden dann, die Band ad acta zu legen. Nun sind die Christen-Coreler wieder da, und der Titel dieses Vorschlaghammers könnte gar nicht treffender gewählt sein. Denn der Fünfer steht dermaßen in Flammen, dass ich meine, ein leichtes Glühen in meinen Boxen gesehen zu haben. Das hier ist Old-School-New-York-Hardcore vom Allerfeinsten. Es wird geballert und gemosht, dass der Metalcore-Gemeinde vor Schreck der Eyeliner ins Klo fällt. Und wenn man sich High-Class-Geschosse wie ‚Bring Them Back‘, ‚Ready To Fight‘, ‚Paid In Full‘ und den Titeltrack anhört, muss man nüchtern feststellen, dass diese Songs zum Besten gehören, was die Szene in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Und aktuell gibt es in diesem Sektor ganz wenige Bands, die einem mit solcher Wucht in die Fresse treten.
NO INNOCENT VICTIM bringen es dabei fertig, nicht eine Sekunde vorhersehbar zu klingen. Sie schrauben sich immer genau an den richtigen Stellen fetteste Grooves raus, dass man unmöglich Kopf und Haxen stillhalten kann (hört nur mal die massiven ‚To The Death‘ und ‚Set Apart‘).
Gekrönt wird diese Hardcore-Lehrstunde von dem total geilen Gekläffe von Shouter Jason Moody. Stimmlich eine Mischung aus Lou Koller (SICK OF IT ALL) und PRO-PAINs Gary Meskil bellt sich der Fronter seine Eingeweide komplett nach draußen. Und selbst eingefleischteste Atheisten werden sich nach zwei, drei Durchläufen dabei ertappen, wie sie in ‚Stand‘ die Textzeile „Stand up for your maker!“ mitbrüllen.
Angesichts dieser Aggro-Keulenschwünge verwundert es doch ein bisschen, dass die Jungs die ausgeglichensten Typen überhaupt sind und zudem niemals behaupten würden, dass ihnen die Musik zum Abbau irgendwelcher aufgestauter Wut dient. Ob die Amis privat Schaum vorm Mund haben oder nicht, ist letztlich aber auch völlig egal, wenn sie dafür im Studio so Gas geben.
Wer auch nur ansatzweise was mit Hardcore anfangen kann, muss „To Burn Again“ besitzen. Da führt gar kein Weg dran vorbei. Interessierte Neueinsteiger checken mal testweise ‚Life Debt‘, den absoluten Überhit der Platte, und werden süchtig. Mann, dieser Dreher geht ganz stark auf neun Punkte zu. Absoluter Knaller!

08.02.2006
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