Pantera - Reinventing Hell - The Best Of

Review

Ende 1991: Klein Peter M. (Name vom Redakteur geändert) sitzt auf dem Rücksitz des Fiats von seinem Vater. Familienurlaub in der Schweiz, sie überqueren gerade einen Bergpass. Mutter besteht darauf, dass ihre Musik (Al Bano & Romina Power) im Auto läuft. Also muss der Walkman rausgekramt werden, damit der tags zuvor von einem fünf Jahre älteren Tennistrainingskumpel kopierte Kerrang-Sampler gehört werden kann. Klein Peter M. hat noch nicht viel Ahnung von härterer Musik, kennt nur GUNS N‘ ROSES, METALLICA, SCORPIONS, AC/DC und IRON MAIDEN. PANTERA? Nie gehört. Doch schon der Einstieg in den Song „Cowboys From Hell“ haut den damals Zehnjährigen direkt in den vollgepackten Kofferraum. Endlich in der Schweiz angekommen, bekniet er seinen Vater, mit ihm in den nächsten CD-Laden zu stiefeln und gleichnamige Platte zu kaufen. Zwei Stunden später hält er „Cowboys From Hell“ in den Händen, vier Stunden später ist er vom Titeltrack, „Domination“ und „Cemetary Gates“ mehr als begeistert. Klein Peter M. hat eine neue Lieblingsband. Anfang 1992: PANTERAs Zweitling steht in den Läden. Das Faustschlag-Cover beschreibt perfekt dessen Titel: „Vulgar Display Of Power“. Die Musik = das Härteste, was Klein Peter M. jemals gehört hat. Songs wie „Mouth For War“, „Walk“, „This Love“ (DEEER Übersong!) oder „Fucking Hostile“ machen ihn mit elf Jahren schon zum Headbanger. Anfang 1994: „Far Beyond Driven“ wird veröffentlicht. Peter M. ist gerade mit seiner ersten Freundin im Einkaufszentrum. Natürlich wird besagte CD eingetütet. Abends weitet seine erste große Liebe nach dem Genuss von „Becoming“, „I’m Broken“ und „5 Minutes Alone“ entsetzt die Augen. Einzig „Planet Caravan“ eignet sich zum Kuscheln. Mitte 1996: Peter M. ist wieder solo und freut sich deswegen umso mehr auf „The Great Southern Trendkill“, dessen vollkommen übersteigerter Härtegrad perfekt in sein damaliges, zerrissenes Leben passt. Trotz allem stoßen ihn neben anderen Dingen auch einige der PANTERA-Experimente vor den Kopf. Einzig „Drag the Waters“ läuft direkt in sein arbeitendes Hirn. Peter M. hat PANTERA immer noch nicht in concert erleben dürfen. So kommt ihm kurz darauf „Official Live: 101 Proof“ gerade recht. Sogar ein neuer Studiotrack namens „Where We Come From“ ist an Bord. Cool! Anfang 2000: „Reinventing The Steel“ geht in den Verkauf. Peter M. steht kurz vor dem Abitur, nimmt sich aber dennoch „Revolution Is My Name“ zu Herzen und schafft es so, es sich kurz Ende noch mit dem Direktor zu verscherzen. Egal! Ende 2003: Peter M. steht mit einem kleinen Tränchen im Auge an der Kasse einer großen Marktkette. Er hat sich gerade in Form von „Reinventing Hell – The Best Of Pantera“ das Vermächtnis einer seiner prägenden (leider mittlerweile aufgelösten) Lieblingsbands gekauft. Er hat sie nie live gesehen. Aber schon zehn Minuten später, als er im Auto sitzt, sich eine Kippe anzündet und „Cowboys From Hell“ aus den Boxen ballert, grinst er wieder. Er denkt an einen Schweizer Bergpass. P.S.: Die Bonus-DVD mit allen Videos ihrer Karriere und zwei Liveaufnahmen („Domination“, „Primal Concrete Sledge“) ist auch nicht von schlechten Eltern. 🙂

29.12.2003
Exit mobile version