Plume - Saferooms & Healing Frequencies

Review

Schrille Paradiesvögel sind die Münchener PLUME, die uns bereits beim diesjährigen Summer Breeze ins Auge gestochen sind und nun ihr gleichermaßen schillerndes Debütalbum vorlegen. Alternativ, modern und mit einer zwingenden Poppigkeit fängt „Saferooms & Healing Frequencies“ den Spirit einer jungen Generation gekonnt ein, die sich um traditionelle Rollenbilder genauso wenig schert wie um etablierte Genre-Schubladen.

PLUME setzen auf Poppigkeit und Pathos

Dem Boomer in mir rollen sich bereits angesichts der teils vogelwilden Schreibweise der Liedtitel die Zehennägel auf, bei der man sich fragt, wo grammatikalisch/orthografisches Unvermögen beginnt und absichtsvoller Konventionsbruch endet. Hinter Meme-verdächtigen Wortgetümen wie „!REAL SPIRIT! Caught On Tape“ verbergen PLUME jedoch catchy Ohrwürmer, die in triefenden Zuckersirup getauchte Teenage Angst zu mundgerechten und wohlbekömmlichen Happen verarbeiten – Herzschmerz und psychische Probleme gibt’s natürlich gratis mit dazu.

Der Gesang von Frontmann Pascal Pashaee und die durchdachten Songaufbauten erinnern mal an ANGELS & AIRWAVES, mal wieder an MUSE – und zwischendurch blitzt dann jener überbordende Pathos auf, den man gar von DEVIN TOWNSEND kennen und lieben mag. Die sich immer wieder in den Vordergrund mischenden Synthie-Spielereien und der etwas zu cleane Autotune-Sound dürften dagegen eher kontrovers aufgenommen werden. Alle, die „Pop“ nicht als Schimpfwort verstehen, bekommen mit „Digital Waterboarding“, „Frankincense“ oder „A Cure For A Knife’s Blade“ gleich mehrere echte Hits, die den Sweetspot zwischen Harmonie und Härte zielsicher erwischen.

„Saferooms & Healing Frequencies“ bildet ein funktionierendes Gesamtwerk

Für ein Debütalbum fällt „Saferooms & Healing Frequencies“ angenehm routiniert. Dabei streuen PLUME immer wieder kurze Zwischenspiele und abrupte Breaks ein, wo die schlichte Aneinanderreihung der Songs alleine keinen tragfähigen Spannungsbogen ergibt. Der Zeitgeist fokuissiert sich zwar aktuell immer stärker auf Singles, von denen PLUME im letzten halben Jahr gleich sieben Stück ausgekoppelt und mit Musikvideos versehen haben. Dennoch gehen die Münchener die Extrameile und machen „Saferooms & Healing Frequencies“ zu einem echten Album, das als Gesamtwerk funktioniert und damit mehr als die bloße Summe seiner Einzelstücke bildet. This is the new shit – get used to it!

29.09.2026
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