Retribution (ES) - Corpus Antichristi Y3K

Review

Symphonischer Black Metal ist ja immer so eine Sache – bedarf es schon beim „normalen“ Black Metal Könner mit einem gewissen Händchen, um nicht in Düsterkitsch abzudriften, ist der Grat zwischen gekonnt und peinlich im Symphonic Black Metal sicherlich nochmal ein wenig schmaler. RETRIBUTION aus Spanien springen auf ihrem Debütalbum „Corpus Antichristi Y3K“ auf eben diesem Grat munter hin und her, mal zeigen sie durchaus Talent, mal gleitet ihnen das eigene Material aus der Hand und sorgt für unfreiwillige Komik.

Stilistisch ordnen sich RETRIBUTION dort ein, wo Bands wie DIMMU BORGIR (auf deren jüngeren Alben) und Bands wie EPICA ihre Überschneidungspunkte haben, also im bombastischen Symphonic Metal, ergänzt durch Elemente, die früher mal Black Metal gewesen sein könnten. Allein bei dieser Beschreibung biegen sich so manchem Schwarzwurzler wohl die Zehennägel um, allerdings ist „Corpus Antichristi Y3K“ grundsätzlich zu ertragen. Schlimm wird es nämlich erst, wenn sich in Anlehnung an die Female-Fronted-Symphonic-Metal-Seite des Bandkonzepts eine Dame mit opernhaftem Gesang dazukommt – nicht, weil das grundlegend eine schlechte Idee wäre, sondern weil sich die Stimme einfach nicht in RETRIBUTIONs Kompositionen eingliedern will, gegen die statt mit den anderen Musikern arbeitet und dadurch schlicht und ergreifend ganz, ganz schnell zu einer nervtötenden Angelegenheit wird.

Ansonsten können RETRIBUTION zeitweise durchaus gefallen, ein paar der Songs auf „Corpus Antichristi Y3K“ haben ihre Momente, wenngleich die Spanier weder solchen Bands wie den jüngeren DIMMU BORGIR noch solchen Bands wie EPICA das Wasser reichen können – dafür fehlt es dann eben doch an Bombast, an epischen Momenten und an eingängigen Refrains. Und an weniger nervigem Gesang. Also quasi an allem, was diese(s) Genre(s) ansonsten reizvoll macht. Ergo: Sie sind zwar nicht grundlegend schlecht, aber warum man nicht gleich zu den Größen und Klassikern greifen sollte, darauf liefern RETRIBUTION keine Antwort. Ein Album, das letztlich keiner braucht, auch wenn es theoretisch noch schlimmer ginge.

06.05.2014
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