Rusty Cooley - Rusty Cooley

Review

Wer ist der siebtschnellste Gitarrist der Welt? Laut dem Guitar One Magazine heißt er Rusty Cooley. Genau genommen sogar siebtschnellster Gitarrist aller Zeiten. Diese Auszeichnung schließt also verstorbene und inaktive Gitarreros mit ein.

Mir ist Mr. Cooley trotzdem bislang nicht bekannt, ebensowenig die Bands REVOLUTION und OUTWORLD, bei denen er spielt(e). Darüberhinaus arbeitet der Texaner als Gitarrenlehrer und veröffentlich Gitarren-Lern-CDs. Hier präsentiert er uns jetzt sein selbstbetitltes Solo-Album. Es handelt sich um ein Instrumentalalbum mit extremer Leadgitarren-Dominanz.

Es mag zwar teilweise beeindruckend sein, was Rusty Cooley da auf den sechs Saiten fabriziert, viel Abwechslung gibt es auf den zehn Tracks des Albums aber nicht zu hören. Trotz aller technischen Raffinessen hat man sich spätestens nach Song Nummer fünf sattgehört und das Werk beginnt zu langweilen und sogar zu nerven. Die Leadgitarre wird dermaßen in den Vordergrund gerückt, dass sie einfach zu mächtig und aufdringlich ist. Wenn mir jemals der Ausdruck „Griffbrettgewichse“ in den Sinn kam, dann hier. Ein gewisses Profilierungsbedürfnis von Herrn Cooley kommt sicherlich auch zum Vorschein.

Dass Rusty sein Intrument beherrscht, kann man ihm nicht absprechen. Das Songwriting kann mich dagegen gar nicht überzeugen. Auf solch einem Werk braucht man einfach auch mal Tracks, die den anderen Instrumenten mehr Freiraum lassen um so eine abwechslungsreichere Atmosphäre aufbauen können. So hat nur das Schlagzeug manchmal einige Lichtblicke. Die Rhythmusgitarre ist zur Hintergrundarbeit verdammt, während der Bass allgemein kaum zu vernehmen ist.

Wenn man das Album in Sachen Stil und Härtegrad auf einen Punkt bringen müsste, wäre (abgesehen von Instrumental natürlich) wohl Melodic Progressive Metal die passende Bezeichnung. Dennoch kann ich auch Freunden dieser Spielart nicht zu einer Anschaffung raten.
„Rusty Cooley“ ist höchstens etwas für Instrumental-Fanatiker und Lead-Gitarren-Fetischisten. Doch vor einem Kauf unbedingt eine Hörprobe machen. Denn mit einer kompositorischen Leistung, wie sie beispielsweise Marty Friedman abliefert, kann man das hier nicht vergleichen.

07.09.2008
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