Scar The Martyr - Scar The Martyr

Review

SCAR THE MARTYR veröffentlichen ihr gleichnamiges Debüt und haben unter anderem das Drumtier Joey Jordison an Bord. Die Erwartungen sind also entsprechend hoch. Trotz der Veröffentlichung von zwei hervorragenden Songs, machen es SCAR THE MARTYR einem sehr leicht sie einfach nicht zu  mögen. Das fängt schon bei der enormen Spielzeit von fast 75 Minuten an. Eine Band, die den Hörer mit ihrem Debüt deart beansprucht, sollte schon einiges auf dem Kasten haben und leider sieht es auf den ersten Durchgang gar nicht so aus, denn vieles klingt erstmal unnötig ausgewalzt und aufgeblasen.

„Scar The Martyr“ ist also definitiv eine Platte, die mehrere Durchgänge braucht und erst dann Chance lässt, sich auf die Feinheiten einzulassen. Die Verpflichtung des bis dato unbekannten Henry Derek am Mikro war ein wahrer Glücksgriff, denn der Herr hat einiges zu bieten und kann mühelos zwischen räudig-böse und rockig-melodiös wechseln. Ebenso verhält es sich mit den Songs der Amerikaner. Während einige Momente mühelos im Radio laufen könnten und auch Nicht-Rocker überzeugen, werden aber auch plötzlich wahre Klatschen verteilt und es gibt unvermittelt und böse richtig auf die Mütze. „Prayer For Prey“ ist eines dieser Lieder, die dem Hörer alles liefern. Ein großer Kritikpunkt am Debüt ist allerdings, dass es nicht wirklich locker und gelöst klingt, sondern häufig wohl überlegt und konstruiert. Über die Beherrschung der Instrumente braucht man bei dieser Besetzung nicht zu diskutieren, denn SCAR THE MARTYR besteht durchweg aus Profis. Wer wie Chris Vrenna bei NINE INCH NAILS und MARILYN MANSON für Sounds zuständig war, der konnte nur eine Bereicherung an den Tasten sein. (Leider ist er aber nicht mehr dabei…). Gleiches gilt für die Saitenfraktion, die brachiale wie eingängige Riffs liefert, während der Bassist mit Joey an den Drums spielend eine eisenharte Rhythmusbasis bildet. Grundsätzlich merkt man also: Wer kann, der kann und somit gibt es zahlreiche zwingende Momente, bei denen man sich als Hörer vergisst und mitbangt, mitsingt oder mitwippt. Das Finale von „White Nights In A Day Room“, das kantige und extrem cool kratzige „My Retribution“,das mit Hammerrefrain und grandiosen Gesangslinien gekrönte „Cruel Ocean“ oder das apokalyptische „Last Night On Earth“ (inklusive Drumming der Extraklasse!) könnten, neben zahlreichen sehr guten Passagen in den anderen Stücken, doch vollends überzeugen.

Zurück bleibt also die Tatsache, dass man einige Stücke deutlich hätte kürzen können und auch müssen. Trotzdem bleibt, nach Abzug aller Füllmomente, noch ein kurzweiliges, überdurchschnittliches Album mit zahlreichen Höhepunkten, welches man mit „etwas lieblos, aber doch höllisch gut“ auf den Punkt bringen könnte.

06.10.2013
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