Sergeant Steel - Lovers & Maniacs

Review

Für mich war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Burschen aus der oberösterreichischen „Stahlstadt“(!) Linz über einen Deal freuen dürften. Und nur knapp ein Jahr, nachdem „Lovers & Maniacs“ als Eigenproduktion in Umlauf gebracht wurde und jede Menge an euphorischer Resonanz (unter anderem durfte man sich über die Auszeichnung zum „Demo des Monats“ im „Metal Hammer“ freuen und ebenso über mehr als nur positive Kritiken im „HEAVY“, sowie zahlreichen anderen Mags und Zines jeglicher Art) einfahren konnte, steht das Werk nun auch „hochoffiziell“ über ein Label in den Läden.

Inwiefern sich dieser Erfolgslauf fortsetzen lassen kann, bleibt zwar vorerst einmal abzuwarten, verdient wäre es auf jeden Fall. In erster Linie deshalb, weil die schmissigen Tracks des Sechsers sofort ins Gehör gehen, mehr noch, es entsteht fast der Eindruck, als würden Hooks im Proberaum dieser Burschen in einem Ausmaß wachsen, wie anderenorts maximal der Schimmel.

Ebenso positiv fällt auf, dass es sich bei SERGEANT STEEL um eine Band handelt, die sich einen feuchten Kehricht um „Zeitgeist“ und Trends oder dergleichen schert, sondern sich hier schlicht sechs junge Burschen zusammengefunden haben, denen es um das Erschaffen von eigenen Songs geht. Diese entstehen scheinbar durch die gemeinsame Vorliebe für Sounds, wie man sie vor langer Zeit vorwiegend dem fernen L.A. zuordnete. Von meiner Seite aus sei auch den verantwortlichen Erziehungsberechtigten hiermit gesondertes Lob zugesprochen, denn „live“ erleben konnte wohl keiner der Jungspunde diese Ära wirklich – oder macht es etwa doch stilechtes Make-Up, dass die Musiker soooo verdammt jung aussehen?

Woher die Inspiration für ihren Sound nun tatsächlich stammen mag, und wie auch immer man den schmissigen Mix aus Hard-, Glam-, Sleaze-, Stadion- und Schwanz- (das Intro verlangt diese Bezeichnung regelrecht…) Rock, der durchwegs mit Elementen des melodischen Heavy Metal ausgestattet wurde, zu bezeichnen pflegt, ist völlig egal, in erster Linie ist es die immense Spielfreude die sich auf „Lovers & Maniacs“ auswirkt und diese ist zu jeder Sekunde zu verspüren.

Auf besonders filigrane Technik wurde dagegen kaum Augenmerk gelegt, wozu auch, auf diesem Album wird geROCKt, und zwar auf eine Weise, die jedem Zuhörer Spaß bereiten wird und obendrein auch noch nicht gerade unerheblichen Durst erzeugt… ähem. Eher unerheblich erscheint auch der Umstand, dass die Einflüsse mitunter fast schon zum Greifen nahe liegen, wie beispielsweise bei „Looking For An Angel“, das nach den GUNNERS zur besten Zeit klingt. Da der gute Axl W. aber ohnehin nicht mehr dazu im Stande scheint derlei knackige Kamellen zu verfassen, sollte sich dessen Klientel kurzentschlossen zu den „SERGEANTS“ hin orientieren. Aber auch MÖTLEY CRÜE-Fans erhalten im Laufe der Spielzeit die Chance, ihr Methadon zu ergattern, und zwar gleich mehrfach.

Wenn bis zum nächsten Mal noch die kleinen Schwachstellen – der Gesang klingt im balladesken Bereich noch ein wenig zu dünn und auch etwas schief, der Gitarrensound kommt zu „unfett“ aus den Boxen – ausgebügelt werden können, würde es mich nicht wundern, wenn SERGEANT STEEL in Bälde als „österreichische Ausgabe“ von KISSIN‘ DYNAMITE durchgehen würden und ähnlich durchstarten könnten.

05.06.2011
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