Shaded Enmity - Hijo Perdido

Review

Es ist nicht zu fassen: Auch zwei Jahre nach dem phänomenal großartigen „Like Prayers On Deaf Ears“ stehen SHADED ENMITY ohne Plattenvertrag da. Obwohl der MeloDeath-Boom nicht abebben will, ist eine der besten und eigenständigsten Bands des Genres auf sich allein gestellt. Zugegeben, das Thema ist ein alter Hut, der mich immer wieder provoziert, aber mal ehrlich: Ich kann mir bei aller Misanthropie nicht vorstellen, dass die Fangemeinde so geschmacklos und verblödet ist, dass es sich für eine Plattenfirma nicht lohnen würde, zur Abwechslung auch mal etwas anzubieten, was nicht klingt wie noch weiter weichgespülter SOILWORK-Pop („Modern Metal“ my ass) oder die xte stromlinienförmige Totalverharmlosung (bzw. Verballhornung) von „Slaughter Of The Soul“.

Glücklicherweise offenbart „Hijo Perdido“, das neue Album von SHADED ENMITY, keinerlei Anzeichen, dass sich die Truppe aus dem amerikanischen Nordwesten der trostlosen Situation anpassen wollte. Nein, im Grunde hat sich stilistisch im Vergleich zum Vorgänger kaum etwas getan. Und warum sollte es auch? Die Band macht ihr ganz eigenes Ding, spielt einen MeloDeath, wie ihn keine andere Formation zu bieten hat. Der Hass von „If Emotions Still Burn“, die Energie von „With Fear I Kiss The Burning Darkness“, nur eben noch ein paar Briketts dazu: aggressiver, frenetischer und überdrehter, gleichzeitig aber auch eingängiger und melodischer als die genannten schwedischen Vorbilder. Die Scheibe ist eine wilde Jagd durch acht hochexplosive Hits, die nur gelegentlich durch semi-akustische Einschübe, elegische Leads oder treibend-walzende Passagen aufgelockert werden. In der Hauptsache bietet „Hijo Perdido“ wahnwitziges Getrommel, hektisch flirrende Gitarren und geiferndes Kreischgrunzgebrüll. Ein erbarmungslos zermürbender Angriff auf die Trommelfelle, der beim ersten Kennenlernen unter Umständen überwältigt oder gar überfordert, aber auf längere Sicht süchtigt machen kann.

Aufgrund der Labelsituation wird man dieses atemlose und -beraubende Stück Metal voraussichtlich weder im Media Markt noch bei Amazon bekommen. Ich weiß, das ist für viele ein schier unüberwindbares Hindernis, aber wer das beste MeloTod-Scheibchen des Jahres sein eigen nennen möchte, muss wohl in den sauren Apfel beißen und direkt bei der Band bestellen. Der Spaß kostet dank anhaltender Dollarschwäche lediglich elf gar nicht mal so Teuro (inkl. Versand), die Ihr besser kaum anlegen könntet.

14.08.2011
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