Simple Existenz - Das Leben Vor Dem Tod

Review

Was für eine Erwartungshaltung hat man an Musiker, welche man bereits von anderen Bands her kennen und schätzen gelernt hat? Den Totalausfall? Wohl kaum. Dass er seinen anderen Bands nacheifert und kopiert? Möglich, aber dass eine gewisse Qualität gewahrt bleibt, in jedem Fall. Dass Zorn (Ex-NAGELFAR, EGO NOIR) mit seinem Alleingang SIMPLE EXISTENZ aber so eine dermaßene Überraschung abliefert, hätte ich nach der Ankündigung und selbst nach der gewöhnungsbedürftigen, eben so gar nicht schwarzmetallischen, Kostprobe nicht erwartet.

„Das Leben Vor Dem Tod“ entpuppt sich als Reise, nicht nur musikalisch, sondern auch textlich, wandert dabei über beinahe jegliche menschliche Gefühlsregung und Gedankengänge, verbindet Stile und zerstört sicher so manche Illusion von einem NAGELFAR-Nachfolgeprojekt, wobei, hatte die ernsthaft jemand? Andererseits hatte auch ich mit einem größeren Black Metal-Anteil gerechnet, aber dafür kann ich der vorhandenen Mixtur umso mehr abgewinnen. Da trifft Gothic auf Rock, Dark Metal auf Black Metal und alles führt trotz seinen im Grunde eher gegensätzlichen Naturen zu einer harmonischen Symbiose, welche „Das Leben Vor Dem Tod“ ausmacht. Allen voran an den Texten geht es vorbei an depressiven Klängen wie in „Helden Dieser Welt“, welches gleichzeitig berührt, wie auch auffordert, über ein fast schon partytaugliches Lied wie „Mein Licht“ bis hin zum wütenden und absolut fetten Abschluss „Schaben“. Um mal eben bei „Schaben“ zu verweilen, es stellt mit das besonderste Stück auf „Das Leben Vor Dem Tod“ dar, denn immerhin gibt sich Ex-NAGELFAR Sänger Jander seit Jahren mal wieder die Ehre und veredelt das Stück mit seiner unvergleichbaren Stimme – ganz, ganz großes Kino! Ansonsten sind neben der musikalischen Wandelbarkeit noch mehr stimmliche Experimente zu vernehmen, dabe ist von Schreien bis hin zum Prollogesang alles recht gewesen und zu Jander gesellen sich noch Sturm (WELTENBRAND) und eine Jasmin, die im Duett mit Zorn fast schon ins Bett hüpft (rein musikalisch versteht sich).

Wie man sicherlich herauslesen wird, werden auf „Das Leben Vor Dem Tod“ viele den Menschen betreffende Thematiken behandelt, von Selbstüberschätzung bis zur schönsten Sache der Welt. Dass sich mancher an der musikalischen Untermalung stören könnte, mag sein, doch ich halte das Album mit seinen fetten Gitarren, den häufigen Tempo- und Stilwechseln und selbst mit dem poppigen Charme für mehr als nur gelungen und würde es zu einem der heißesten und spannendsten Geheimtipps in diesem Jahr zählen. Lasst euch mit auf eine Reise voller Emotionen und guter Musik nehmen, die zum Fallen lassen genauso anregt, wie zum Mitgröhlen. Starkes Werk, das trotz seiner unerwarteten Stilvielfalt nie enttäuscht.

01.03.2010

Chefredakteur

Exit mobile version