Social Distortion - Born To Kill

Review

Wer hat Lust auf das ganz große USA-Roadtrippin´-Gefühl? Den passenden Soundtrack dazu liefern (wie immer) SOCIAL DISTORTION. Die Kalifornier sind seit Ende der 1970er ein fester Bestandteil der US-Rockabilly- und Punkszene und gehen – speziell was ihre frühe Schaffensperiode angeht, als „THE CLASH aus Übersee“ durch.

Mit geöffnetem Cabrio über die Route 66

„Born To Kill“ ist erst das achte Studioalbum, was, wenn wir auf die stilistische und kreative Entwicklung der Band blicken, Bände spricht. Chef und Ikone Mike Ness hat sich einst die Haare nach hinten gegelt, die Hemdsärmel hochgekrempelt und die Les Paul Classic umgehängt. In dieser Pose scheint der Mann seit knapp 45 Jahren verharrt zu sein, musikalisch gab es ebenfalls kaum eine Regung.

„Born To Kill“ beerbt die Diskographie

Das ist aber beileibe nicht so negativ, wie es sich beim ersten Lesen vielleicht anfühlt. Immerhin lieben wir Menschen Konstanten und da kommt es manchmal genau richtig, wenn SOCIAL DISTORTION ein Album mit dem Titeltrack „Born To Kill“ beginnen, der einen seeehr ähnlichen Auftakt besitzt, wie „Road Zombie“, der Opener vom Vorgänger-Album „Hard Times And Nursery Rhymes“. Sofort beginnen die Tagträumereien und wir sehen uns vor dem inneren Auge über einen staubigen Highway in Arizona an Kakteen vorbei und gen Sonnenuntergang sausen.

SOCIAL DISTORTION sind Gewohnheitstiere

Ähnlich wie der Leopard, der das Cover von „Born To Kill“ ziert, verlassen SOCIAL DISTORTION ihr Revier auch weiterhin kaum. Das ist vor allem bei Tracks wie „No Way Out“, mit seinem simplen Arrangement und dem flirrenden, von jeder Pentatonik fernbleibenden Solo zu bemerken. Aber auch „Tonight“ ist ein Song, der auf jedem SD-Album mindestens einmal schon zu hören gewesen ist und dadurch die ganz große Sehnsucht und Melancholie hervorruft. Sehnsucht nach alten, unbeschwerten Zeiten, in denen es zwar auch Kriege, Armut und Hungersnöte gab, wir das alles im jugendlichen Übermut nicht mitbekommen haben. Zu beschäftigt waren wir damit unsere eigenen Probleme zu lösen (Pickel auf der Nase, das erste Date, das erste Mal besoffen sein, die erste Rauferei).

Mike Ness & The Mellon Collie Boys

Und so prasselt „Born To Kill“ gar nicht mal so gut gelaunt vor sich hin, fesselt immer wieder mit pathetischen Gesten und einem guten Gespür für Melodien, die zwar nicht immer taufrisch sind, aber trotzdem schön. Selbst das Cover zu „Wicked Game“ (CHRIS ISAAK) verendet nicht zu einem belanglosen Pseudo-Schmachtfetzen, weil Ness wie kein anderer schmachten kann. Gute Platte. Punkt.

19.05.2026

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