Solstice (US) - Casting The Die

Review

Das Quartett treibt eigentlich schon seit 1990 sein Unwesen im Fahrwasser US-amerikanischer Thrash-Metal-Acts. Für Szenekenner waren die Hardcore-lastigen Wut-Hymnen der Band stets liebgewonnene Anspieltipps für den DJ in der Metal-Disco. Entsprechend groß war die Freude, als SOLSTICE sich 2009 mit “To Dust” nach dreizehnjähriger Abstinenz zurückmeldeten. Und nun hat es wieder zwölf Jahre gedauert, bis Mastermind Dennis Muñoz die Musiker für ein neues Album zusammengebracht hat.

Pure Aggression auf “Cast The Die”

Die Platte legt mit “The Altruist” allerdings nicht sofort den sechsten Gang ein. Nach einem sehr minimalistischen und bescheidenen Auftakt, beginnt die Groove-Maschine aber mit dem bedingungslosen und altbewährten Einhämmern der Rhythmen in die Ohrmuscheln der Hörerschaft. Begleitet wird dieses Ungetüm von Aggression von Christian Rudes bissigem Gezeter. Während die Gitarren teilweise in Blitzgewitter-Riffs aufgehen, schreit der Mann sich die Seele aus dem Leib.

SOLSTICE bewegen sich zwischen großer Kunst und verlorenem Charisma

Als die Band 1992 ihr selbst betiteltes Debüt veröffentlichte, war man von der Power und der druckvollen Ungestümheit der Songs wie weggeblasen. Knappe dreißig Jahre später fehlt der Band aber offensichtlich der entscheidende Schritt nach vorne. Das Durchhören von “Casting The Die” fühlt sich ein bisschen wie ein Hangover an. Man wird ständig an die unvergesslichen Momente der Nacht erinnert, während scheinbar wichtige Details mit dem Filmriss unwiderruflich verloren gegangen sind.

Filmriss?

An den Instrumenten wird den Musikern kaum jemand etwas vormachen können, eine gewisse Finesse beim Songwriting fehlt dieses Mal allerdings. Vergleiche zu MALEVOLENT CREATION lassen sich dabei durchaus finden. Einige Ex-Mitglieder von SOLSTICE verdingten sich dort mit ähnlich überschaubaren Erfolgen, obwohl die Band großartige Musik produzierte.

Am Ende pendelt sich “Casting The Die” irgendwo zwischen “tut nicht weh” und “tausend Mal gehört” ein. Dieses harsche Urteil sagt natürlich nichts über die Qualität der Platte als Endprodukt aus. Freunde von DEMOLITION HAMMER und SADUS werden entzückt über den hier gebotenen Klang der 1990er sein. Aber letztlich wäre nach einer derart langen Verschnaufpause mehr möglich gewesen. Der rote Faden in den Arrangements ist zu aufdringlich, der Hörgenuss zu eindimensional.

14.04.2021

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