Special Providence - Essence Of Change

Review

SPECIAL PROVIDENCE sind knapp ein Jahr zu spät. Zu spät? Wofür? Für die Überraschung in meinen Prog-Ohren, die ihnen mit „Essence Of Change“ hätte gelingen können… hätte… können. Wäre da nicht ART AGAINST AGONYs „Three Short Stories“ gewesen, das nicht nur in eine vergleichbare musikalische Kerbe stößt (sofern man bei stilistisch derart breit aufgestellter Musik nicht eher von einem ganzen Kerbholz sprechen müsste), sondern dabei auch insgesamt souveräner, im positiven Sinn wahnsinniger und damit auch begeisternder ist.

Das ändert natürlich nichts daran, dass „Essence Of Change“ eine gelungene Platte voller spannender Ideen zwischen Djent, Prog Metal, Jazz, Art Rock und vielen weiteren stilistischen Versatzstücken ist; es gibt instrumentale Frickeleien, die jedem Vollblut-Progger das Herz öffnen werden, es gibt eine Menge Groove, es gibt aber auch polyrhythmische Ansätze und klangliche Freiräume. Es gibt dagegen keinen Gesang – SPECIAL PROVIDENCE verzichten auf sämtliche stimmliche Beiträge, sind damit allerdings auch gut beraten, denn musikalische Dichte erzeugen die Ungarn wirklich allein durch ihre instrumentalen Aktivitäten.

Diese sind übrigens sehr souverän, technisch einwandfrei und auch gekonnt in Klang gegossen. Wer also anspruchsvollen… Instrumental-Prog im weitesten Sinne sucht, wird mit „Essence Of Change“ ohne Zweifel eine sehr kurzweilige knappe Dreiviertelstunde erleben dürfen. Ich persönlich muss jedoch zugeben, dass ich für solcherlei Musik dann doch lieber zu den oben genannten ART AGAINST AGONY greife. Warum? Weil SPECIAL PROVIDENCE ein wenig die Leichtigkeit abgeht; dadurch wirken die neun Songs insgesamt zu konstruiert, sie können den Geruch des Kalküls nicht ganz abstreifen – und leider ist gerade das bei solch visionärer und experimenteller Musik eher hinderlich. Wer sich daran nicht stört, wird mit SPECIAL PROVIDENCE sehr viel Freude haben.

10.05.2015
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