Sybreed - Slave Design

Review

Vorletzten Sommer meinte ein Kumpel von mir, sofort meinen CD-Spieler in Beschlag nehmen zu müssen als er bei mir war, weil er mir unbedingt was vorspielen wollte. „Das MUSST du hören, es wird dich umhauen!“ Da mich so schnell nichts vom Stuhl reißt, war ich zunächst skeptisch. Doch dann meldeten sich die Boxen. Atmosphärische Synth-Klänge, die schon nach wenigen Sekunden von einem Stakkato-Riff-Gewitter zerfetzt wurden. Nanu? Ist das eine aufpolierte Version von FEAR FACTORYs „Demanufacture“?, fragte ich mich. Einstieg gelungen, würde ich sagen, da schien ein Killer im Laufwerk zu rotieren.
Dass es kein unbekanntes Album aus der Angstfabrik war, wurde schnell beim Gesang klar, denn der war weitaus variabler als die Pro-Tools-Stimme von Burton C. Bell, halt bloß mit jüngeren Eiern, die trotzdem dick in der Hose schaukeln. Hossa! Aggressive Shouts, aber vor allem melodischer und klarer Gesang, bei dem Bell in einem Battle eindeutig den Kürzeren ziehen würde.
Es ging Schlag auf Schlag, ein Granatensong nach dem anderen und mein Kopf kam aus dem Bangen nicht mehr raus. In den kurzen Erholungspausen konnte man nur den typischen Blick von meinen Augen ablesen: „GEIL!“.

„WER und WAS ist das??“ brüllte ich meinen Kumpel im fast zwecklosen Versuch die Boxen zu übertönen an. Wortlos überreichte er mir die Hülle. „Synthetic Breed“ – SYBREED.

Mit dem Schweizer Quartett haben wir einen mehr als vielversprechenden Anwärter im Neo-Thrash und Cyber-Metal (wobei das immer nach Plastikmetal klingt…), wogegen selbst andere hochgelobte Newcomer á la THREAT SIGNAL und alte Hasen gleichermaßen ziemlich alt aussehen. SYBREED spielen eine wilde Mixtur von FEAR FACTORY, STRAPPING YOUNG LAD, MESHUGGAH, die darüber hinaus mit Einflüssen aus der Ecke FRONT LINE ASSEMBLY und auch NINE INCH NAILS erweitert wird. Brachial-Metal, wie er im Buch der Genre-Väter steht, mit den typischen Zutaten: Stakkato-Drumming, Powerchords, atmosphärische Synths und Industrial Sounds. Aus denen kann man gewiß bekannte Leckereien backen, deshalb legen SYBREED auch besonderen Wert auf einen eigenständigen Stil beim Songwriting, der so frisch klingt, wie die Band jung ist. Denn SYBREED existieren erst seit 2003 und bereits 2004 erschien das Debütalbum „Slave Design“. Mit Drop haben die vier ihren persönlichen Bandgott, der sich für die gesamte Musik und auch die Produktion verantwortlich zeichnet. Dieses Talentpotential schreit geradezu nach Aufmerksamkeit.

In den wohl strukturierten Sounds kommen nebst der erwähnten Grundstoffe auch zahlreiche Effekte und Samples zum Einsatz wie z.B. Break-Beats und Drum’n’Bass Loops. Wuchtige Härte zeichnet sie ebenso aus wie eingängige Melodien und Refrains – alles verpackt in einer mehr als fetten aber nicht überladenen Produktion. Schon der Opener „Bioactive“ gibt eine klare Marschrichtung vor, und ein Song wie „Machine Gun Messiah“ klingt genau so, wie man es sich bei einem solchen Titel vorstellt – auf die FRESSE!!

„Slave Design“ ist ein überzeugendes, voll ausgereiftes Debütalbum, wie man es nicht oft von einer so jungen Band zu hören bekommt, und war neben SCARVEs „Irradiant“ eins meiner persönlichen Favoriten für 2004 im Zerdreschflegelmetallsektor.

09.10.2007
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