Tarja - Frisson Noir

Review

Dass die Symphonic-Metal-Diva TARJA Turunen mit ihrer Musik mehr als nur reine Unterhaltung bietet, sondern die geneigte Zuhörerschaft auch emotional berühren möchte, ist weder neu noch überraschend. Das Resultat ihrer Bestrebungen waren immer wieder Alben mit Ecken und Kanten, die zwar nicht jedem gefielen, dabei aber nie in musikalische Belanglosigkeit abdrifteten. Mit „Frisson Noir“ erscheint nun der neueste Streich der Finnin und bringt alle TARJA-Trademarks zu neuer Perfektion.

Mit „Frisson Noir“ veröffentlicht TARJA ihr düster-erhabenes Meisterwerk

Unter „Frisson“ (abgeleitet vom französischen Wort für „Schauer“) versteht man jenen Moment wohliger Gänsehaut, der den ganzen Körper erfüllt, wenn man von einem Kunstwerk (oder auch einem anderen Stimulus) emotional tief berührt wird. Mit „Frisson Noir“ möchte TARJA also ein dunkles Abbild dieser körperlichen Reaktion schaffen und deutet somit bereits im Titel an, dass es sich um ein extrem kraftvolles Werk voller düsterer Erhabenheit handelt. Nichtsdestoweniger sorgt die konsequente Ausrichtung für ein hohes Maß an Zugänglichkeit ohne dabei an Tiefgang einzubüßen.

Technisch und kompositorisch bewegen sich die zehn Stücke auf „Frisson Noir“ durchgängig auf höchstem Niveau und vereinen virtuose Instrumentalkapriolen, epische Orchesterarrangements und gezielt eingestreute Ruhepole mit TARJAs unvergleichlicher Stimme zu einem facettenreichen Ritt über die gesamte Klaviatur menschlicher Gefühlswelten. Der transparente und dynamische Mix von Neal Avron hüllt die Stücke dabei in ein modernes Metalgewand, das alle Nuancen hervorragend zur Geltung bringt.

Ein illustrer Gästereigen sorgt für Abwechslung

Nachdem sich TARJA in den vergangenen Jahren ihrem ex-NIGHTWISH-Kollegen Marko Hietala bis hin zu gemeinsamen Liveshows immer weiter annäherte, ist es nur folgerichtig, dass er bei „Leap of Faith“ als Gastsänger mitwirken darf. Der Kontrast zwischen seiner dreckigen Rockröhre und TARJAs lieblichem Sopran funktioniert hervorragend und macht das Stück zu einem absoluten Highlight auf „Frisson Noir“. In ähnlicher Weise, wenn auch nicht ganz so nahtlos, gestaltet sich auch das Duett mit CRADLE OF FILTH-Giftzwerg Dani Filth in „I Don’t Care“.

Zu den weiteren Gästen zählen APOCALYPTICA, die mit akzentuierten Cello-Leads das Tanzbein zum „Tango“ auffordern, und RED HOT CHILI PEPPERS-Drummer Chad Smith, der das Album mit dem Abschlussstück „Against The Odds“ über die Ziellinie treibt. Unter dem Strich ist TARJA mit „Frisson Noir“ ein nahezu perfektes Symphonic-Metal-Album ohne überbordenden Pop-Kitsch, dafür aber mit viel Biss und Power gelungen, das sich mühelos an der Spitze ihrer bisherigen Diskografie einreiht.

07.06.2026
Exit mobile version