The Black Lantern - We Know The Future

Review

Oft kopiert, nie erreicht, beschworen, belächelt, gejagt – die Geschichte des „echten“ organischen Live-Sounds für die Platte hat in der Rockmusik mehr Kapitel, als es MOTÖRHEAD-Alben gibt. Was die einen als „roh und garagig“ bezeichnen (FOO FIGHTERS – „Wasting Light“), ist für andere schon Hochglanz, und wo die Grenze zwischen Low-Fi-Ästhetik und Käuferverarschung liegt, da könnte man höchstens mal im Black Metal nachfragen.

Was THE BLACK LANTERN auf „We Know The Future“ fabrizieren, kann man allerdings auch unter Hinzunahme aller gängigen Standards guten Gewissens als naturbelassen oder halt auf roh getrimmt bezeichnen. Fakt ist: es klappt. Anders würde die Musik, die das US-Quartett mit „We Know The Future“ vorlegt, auch einfach nicht wirken. Über den kaputten, meist von simplen Punk-Strukturen dominierten Songs thront die Stimme von Sängerin Wendy Faraone. Etwas weniger aggressiv, aber phasenweise ähnlich gelangweilt und/oder lasziv erinnert die Gute an die BRODY DALLE aus den guten, alten DISTILLERS-Tagen. Auch die frühen GUANO APES könnten als Referenz herhalten.

Hinzu kommt aber eine gehörige Note Anarchie und ein unverkennbarer Jam-Charakter, vermutlich aus den „many recorded practices“ resultierend. „A Black Light“ und „On Your Knees“ sind nicht direkt experimentell, aber auch alles andere als konventionell. In den nur zwei Minuten von „5 Alarm“ passiert so allerhand, der mit 4:44 Minuten längste Albumtrack „Bleed It Out“ legt hingegen erst zur Mitte hin richtig los.

Irgendwo zwischen REFUSED, den angesprochenen Punk-Kapellen mit weiblichem Gesang und versetzt mit einer guten Portion Indie-Verschrobenheit ist „We Know The Future“ ein ziemlich cooles Album geworden. Man höre sich nur an, was THE BLACK LANTERN aus „I Want A New Drug“ von HUEY LEWIS AND THE NEWS gemacht haben. So darf und soll gecovert werden, der hier entstandene Song steht und wirkt für sich und lässt sich eigentlich nur noch mithilfe der Lyrics identifizieren. Aber hey, die 80er sind vorbei und neue Drogen = neuer Sound.

09.04.2015
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