The Intersphere - Relations In The Unseen

Review

Bevor es an die inhaltliche Betrachtung der neuen Scheibe aus dem Hause THE INTERSPHERE geht, soll zunächst die rein physische Gestalt von „Relations In The Unseen“ ihre Würdigung erfahren. Denn das Artwork des mittlerweile vierten Studioalbums der Mannheimer ist ein echter Blickfänger: Für die surrealistische Collage auf mintgrünem Grund, die das Cover ziert, zeichnete der Berliner Künstler Drømsjel (alias Pierre Schmidt) verantwortlich. Wird das Booklet entfaltet, offenbart sich schließlich das beeindruckende Gesamtwerk. Immer wieder schön, wenn sich Leidenschaft und Liebe zum Detail nicht nur in der Musik, sondern auch in der Optik eines Albums niederschlagen.

Mit dem starken „Hold on, Liberty!“ ließ die Band um Frontmann Christoph Hessler vor zwei Jahren aufhorchen. Klar – Insidern waren die HESSLERS natürlich schon länger ein Begriff. Wirklich nationale Beachtung erfuhr der Vierer aber erst nach der Umbenennung und mit eben genanntem dritten Studioalbum. Darauf präsentierte man eine frische Interpretation zeitgemäßer Rockmusik mit experimentellem Einschlag, mit der man bei Fans von Formationen wie DREDG, MUSE und BLACKMAIL vielerorts offene Türen einrannte und zudem zahlreiche Kritiker zu Lobesstürmen veranlasste.

Nun also legen die Mannheimer ihren vierten Langspieler vor – und servieren darauf erneut eine sehr ausgereifte und filigrane Spielart modernen Rocks. Insgesamt ist „Relations In The Unseen“ dabei im Vergleich zum Vorgängerwerk wesentlich zurückhaltender und sparsamer inszeniert – wobei „sparsam“ nicht zwangsweise bedeutet, dass weniger Spuren verwendet wurden, sondern dass beispielsweise die noch in der Vergangenheit hinreichend eingesetzten, prägnanten Delay-Gitarren und ausladenden Arrangements etwas zurückgenommen wurden. So gibt es auf der Platte diverse sehr aufgeräumt anmutende Strophenparts, bei denen anfänglich meist nur Frontmann Christoph Hessler auf Drum- und Bass-Fundament zu hören ist, bevor um dessen markantes Organ ein behutsamer Gitarren-Teppich gesponnen wird („Panic Waves“, „Origin: Unknown“). Oder aber die Sechssaitigen übernehmen – wie unter anderem im griffigen Titeltrack oder dem leichtfüßigen „Tonight“ – vorwiegend die Rolle des Rhythmus-Instruments.

Ja, man könnte sagen: THE INTERSPHERE sind massentauglicher geworden. Das wirklich Bemerkenswerte dabei ist aber, wie sie es angestellt haben. Denn die Mannheimer haben eine Platte geschrieben, die auf den ersten Blick schlüssig ist, bei längerer Betrachtung aber eine unglaubliche Anzahl von versteckten Details preisgibt. So ist es beispielsweise höchstspannend, was tonal in Songs wie dem bereits angesprochenen „Origin: Unknown“ oder im eigenwilligen „… Like It Is“ abgeht. Und dann ist da noch dieses ominöse Rascheln im Refrain von „Walk On Broken Glass“, dessen Beschaffenheit ich bislang nicht entschlüsseln kann.

Dies sind allerdings nur wenige Beispiele für die Vielschichtigkeit der Scheibe – „Relations In The Unseen“ kommt diesbezüglich wahrhaftig dem oft bemühten Fass ohne Boden gleich. Ein absolutes Highlights ist zudem noch das düstere „Out Of Phase“ mit seinem großartigen Drive, dem wunderbare post-rockigen Zwischenteil und seiner interessanten Melodieführung sowie dem erstaunlich wuchtigen Schlusspart.

Dass die Herren um Frontmann Hessler Herr ihrer Instrumente sind, wusste man bereits vorher. Insbesondere Schlagzeuger Moritz Müller zeigt wieder einmal, warum er zu den respektiertesten Drummern in Deutschland gehört – sein variables Spiel deckt sowohl schwere Grooves, explosives Rock-Drumming als auch verspielte Dance-Beats ab. Und natürlich ist es nicht zuletzt dem herausragenden Sound von Co-Produzent Moritz Enders (KRAFTKLUB, DREDG, MADSEN) zu verdanken, dass am Ende jedes der zahlreichen Instrumente (unter anderem kommen hier und da „echte“ Streicher zum Einsatz) zur Geltung kommt. Ernsthaft: Die Abmischung der Platte ist das Beste, was ich seit langem im Rock-Bereich gehört habe.

Anlass zur Kritik? Gibt es. In manchem Momenten ist mir „Relations In The Unseen“ dann doch etwas zu glatt und harmlos – beispielsweise im abschließenden „Golden Mean“, dem etwas eintönigen „The Ones We Never Knew“ oder phasenweise auch im insgesamt dennoch überzeugenden „Thanks For Nothing“. Trotzdem muss man festhalten, dass THE INTERSPHERE eine richtig starke Scheibe mit vielen Facetten und Stimmungen vorgelegt haben, der man als aufgeschlossener Hörer sicher eine Menge abgewinnen kann. Ganz heißer Tipp für Fans oben genannter Formationen sowie Liebhaber intelligenter Rockmusik.

07.03.2014
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