The Oath - The Oath

Review

Was ist ein Schwur heute noch wert? Das hängt meines Erachtens nicht unerheblich von der jeweils bürgenden Instanz ab. Ehre/Mama/Schalke 04 mögen gängig sein – sicher sind sie nicht, das hat die Geschichte (leider) wiederholt bewiesen. Der einzig wirklich verlässliche Schwur zielt natürlich auf den Leibhaftigen; einen solchen mephistophelischen Eid zu brechen, empfiehlt sich absolut nicht. Und ist das Schicksal dir gnädig, kommst du auch nicht in Versuchung. Vielmehr gibst du dich brennenden Herzens der Dunkelheit hin und münzt die hieraus gezogene Energie in Kreativität um.

THE OATH haben das getan und nach der allseits geschätzten ersten Single auf ihrem LP-Debüt neun dunkle Oden des Okkulten schweren Rocks versammelt, die sich dem Belzebub als würdig erweisen. Die Schwedin Linnea Olsson an der Gitarre beherrscht sowohl das auf den Punkt gespielte Retro-Riff als auch die atmosphärische Lead-Melodie. Die deutsche Sängerin Johanna Sadonis reiht sich mit ihrer klaren, dennoch kraftvollen und damit hinreichend glaubhaft beschwörenden Stimme in den unheiligen Reigen ihrer Kolleginnen ein. Und die Songs sind versiert komponiert.

Der erste hält nach energischem Einstieg gekonnt inne und nimmt um das einzelne Riff herum langsam wieder Anlauf, um dann (gefühlt) umso dynamischer voranzuschreiten. Mittels dieses wiederholt eingesetzten Kniffs kann die Spannung über die gesamten fast sieben Minuten von „All Must Die“ gehalten werden. Ein kleines Schmuckstück des Genres haben die Damen mit prominenter männlicher Unterstützung, Simon Bouteloup (Kadavar/ex-Aqua Nebula Oscillator) am Bass und Andrew Prestidge (Angel Witch/Winters) am Schlagzeug, da fabriziert. Und auch die übrigen Stücke haben ihre Momente. Wenn Sadonis zum Beispiel in „Leaving Together“ „Demon! I’ve seen the darkness“ ruft, wird es regelrecht hymnisch. Und der Wechsel zwischen Epik und Galopp im Abschließenden „Psalm 7“, das zudem dezent das Hauptriff von „N.I.B.“ zitiert, ist grandios. „The Oath“ macht schon ganz gut diabolisch Laune.

Allerdings liegt der Teufel im Detail. Denn nach wiederholtem genauen Hinhören in verschiedenen Situationen komme ich über Respekt und Anerkennung dann doch nicht hinaus. Zur wirklichen (durchgängigen) Begeisterung fehlt angesichts der Legionen musikalisch und inhaltlich ähnlich ausgerichteter Bands, die aktuell zum dunklen Stelldichein laden, etwas wirklich Eigenes. THE DEVIL’S BLOOD hatten diese latente Bedrohlichkeit, JEX TOTH haben eine hypnotische Psychedelic-Schlagseite, die sie heraushebt und den Puls beschleunigt. THE OATH fehlt bei allem Können, vor allem aufseiten von Gitarristin Olsson, in meinen Ohren ein solches besonderes Element. Ich habe mich bemüht, es zu finden – ich schwör! Und die im Info neben den einschlägigen Bezugsgrößen bemühten Vergleiche mit den STOOGES oder gar POISON IDEA entbehren meiner Meinung nach auch der Grundlage.

Da es sich aber wie gesagt um keine grundsätzliche Kritik handelt, empfehle ich der Zielgruppe in jedem Fall ein bis zwei Durchgänge von „The Oath“. Bei der eben meist an Details hängenden Unterscheidung zwischen „gut“ und „richtig geil“ fällt der subjektive Aspekt nun mal enorm ins Gewicht.

16.03.2014
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