Tragic Cause - Dead Man Walking

Review

Damals in der Grundschule, genauer gesagt in der ersten und zweiten Klasse, berichteten die Kinder in den sogenannten „Montagsgeschichten“ mittels einiger weniger, unbeholfener Sätze und eines selbstgemalten Bildes – auf das selbstverständlich der Großteil der Zeit verwendet wurde – von den Erlebnissen des Wochenendes. Im vorliegenden Fall hätte sich das vielleicht folgendermaßen lesen lassen: „Am Sonntagnachmittag habe ich eine CD gehört. Sie hieß „Dead Man Walking“ und war von der Gruppe TRAGIC CAUSE. Die Männer wollen harte Musik zu machen, aber ich habe mich schnell gelangweilt. Dann habe ich andere Musik angemacht und mit He-Man-Figuren gespielt. Das hat viel mehr Spaß gemacht.“

Wenn man die Sache heutzutage auch etwas differenzierter betrachten muss, ändert sich letztlich am Fazit wenig. Das Hamburger Trio hat sich zwar die „Alte Schule“ dick auf’s Fähnchen gepinselt, doch „Dead Man Walking“ ist wie das Debüt „To Reign Supreme“ alles andere als nach dem Reinheitsgebot von 1986 gebraut, mischt Old-School-Gitarren mit Neo-Thrash à la PANTERA und MACHINE HEAD sowie einem Schuss Death Metal – besser wird die meist bemüht brutale („Brutalized“), überwiegend farblose Angelegenheit dadurch nicht. Vieles ist lediglich grauer Standard – seien es vorhersehbare Grooves, nichtssagende, Widerhaken-lose Riffs oder monotoner Brüll-Gesang, der abgedroschene Refrains überstrapaziert („Doomed To Metal“). Nur selten gelingt es den Nordlichtern, tatsächlich einmal eine nennenswerte Menge Energie zu transportieren und einigermaßen wuchtig zu agieren („I Know“), während einzig das beschwingte „Planet Thrash“ mit seinem Live-Anstrich – „Are You Ready To Thrash ‚N‘ Roll?“ – ein wenig dringend benötigte Frische versprüht.      

Nahezu jeder, der die Referenzwerke der 80er-Helden, jene der ein knappes Jahrzehnt später folgenden Neo-Thrasher oder ein paar halbwegs taugende Death/Thrash-Platten kennt, winkt bei „Dead Man Walking“ dankend ab. Die Chose klingt bis auf zwei, drei positivere Ausnahmen einfach nicht nach einer jungen, hungrigen Truppe – TRAGIC CAUSE lärmen erst seit 2009 –, sondern eher nach gealterten Genre-Größen, die vergeblich versuchen, ihre Ideenlosigkeit, ihre jeden Anflug von Lebendigkeit erstickende Routine hinter dem Schleier der Pseudo-Brachialität zu verbergen.

28.09.2012
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