Turbo's Tribunal - Mills Of Tribunal

Review

TURBO’S TRIBUNAL bedeutet keine Abrechnung mit den 80er-Synthesizern bei JUDAS PRIEST, sondern leitet sich vermutlich von Andreas Thunbo ab. Das ist der Name des Dänen, der hinter „Mills Of Tribunal“ steht.

Dessen Werk gießt kein Wasser auf die Mühlen von Menschen, die einer One-Man-Army generell skeptisch gegenüber stehen – oder jedenfalls nur im dünnen Strahl. Das Debüt seines Projekts TURBO’S TRIBUNAL ist vielmehr ein grundsätzlich erbauliches Metal-Album. Hochmelodisch in der Anlage und mit teils galoppierendem Rhythmus weist es vor allem IRON MAIDEN bzw. deren Epigonen als Antrieb aus. Gesanglich erinnert Thunbo von seinem Timbre her bisweilen an Mark „The Shark“ Shelton von MANILLA ROAD.

TURBO’S TRIBUNAL fehlt das Besondere

Allerdings, so viel gehört zur echtmetallenen Wahrheit, sind die oben genannten Vergleiche deutlich zu relativieren: Mark Sheltons vokalischer Auftritt changiert zwischen durchgeknalltem Ruler der Twilight Zone und kauzigem Propheten-Wizard, während Andreas Thunbo einfach ein manierlicher, technisch nicht perfekter Metalsänger ist.

Und instrumental besitzt „Mills Of Tribunal“ eine starke Underground-Kante, die man MAIDEN seit den Achtzigern nicht mehr direkt attestieren darf. Inwieweit diese dem Budget geschuldet ist, wäre unerheblich – wenn denn die Songs selbst mitreißend wären. Dann nämlich landete man bei WARLORD, vielleicht auch HEAVY LOAD oder eben MANILLA ROAD (in deren jeweils besseren Phasen). So allerdings fehlen schlicht die Hits und auch die Abwechslung.

Seien es das recht flotte „Draw The Line“, das getragene „The Sky Comes Alive“ mit Keyboards für den Epic-Touch oder das offensive „Men Of The World“ inklusive „Ohohoho“, memorabel sind alle letztlich nicht. Schlecht allerdings ebenso wenig.

Aber die „Mills Of Tribunal“ unterhalten steelecht

Was bedeutet das jetzt? Würden TURBO’S TRIBUNAL mit solider Live-Band auf dem Headbangers Open Air und seinesgleichen um 14:30 Uhr überzeugen? Natürlich! Würde man Andreas Thunbo nach dem Gig aufrichtig gratulieren und sich vielleicht sogar einen limitierten Patch mitnehmen? Auch nicht ausgeschlossen.

Sind die „Mills Of Tribunal“ jedoch ein potenzieller emotionaler Rettungsanker? Würde man (s. „Seventh Son“ oder „Crystal Logic“) den eigenen Dackel, eine Handvoll IQ-Punkte oder ein liebgewonnenes Körperteil für die Erstauflage als Lösegeld zahlen? Eher nicht.

Sollte man als Teil der Zielgruppe ein Ohr riskieren? Klaro.

16.01.2026
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