Urisk - Call
Review
Folklore gehört im Black Metal lange zum etablierten Themenfundus. Die Bonner URISK – mit Sängerin Marleen Bügener und Gitarrist Benedikt Brixius als Nukleus – beschäftigen sich auf ihrem zweiten Album „Call“ allerdings weniger mit romantischen Naturbildern als mit schottisch-gälischer Kultur, verschwindender Wildnis sowie ökologischem und kulturellem Verlust. Schon der Titel weist subtil darauf hin: Im Englischen steht das Wort für den Ruf, das gälische „call“ hingegen bedeutet Verlust.
Vor knapp einem Jahr hinterließen URISK beim Schattenfest IX bereits einen starken Eindruck. Damals standen neben dem bekannten Material auch zwei unveröffentlichte Stücke auf der Setlist. Das Fazit damals lautete: „Mit der richtigen Produktion kündigt sich da Großes an.“ Nach dem ersten Vorgeschmack „The Hauled And The Waif“ lässt sich nun überprüfen, ob „Call“ dieses Versprechen einlöst.
URISK lassen „Call“ scheppern
Nach dem kurzen, unbegleiteten Intro „Ro-Ràdh: Air Chall ‚S Gruama“ macht „Uprooting“ schnell deutlich, dass das lyrische Konzept nicht in überladenen Folk Metal mündet. Stattdessen lassen URISK ihre Black-Metal-Wurzeln sprechen: Das Schlagzeug scheppert, die Gitarren sägen und Bügener keift und schreit sich mit hörbarer Wut durch das Stück. Schon beim Schattenfest fiel auf, dass die Bonner die Black-Metal-Standards beherrschen, aber keinen Standard-Black-Metal spielen. Das gilt auch auf „Call“.
Rasende Passagen wechseln mit schwerem Midtempo, melodischen Gitarren, Post-Rock-Anklängen und ruhigen Momenten. Dazu setzt Bügener neben ihrem harschen Gesang immer wieder ihre klare Stimme ein. Die Wechsel wirken dabei nicht wie möglichst demonstrativ ausgestellte Stilbrüche, sondern ergeben sich aus den Songs.
Trotz der folkloristischen Grundlage hält sich das Duo mit entsprechenden Instrumenten zurück. Umso stärker wirkt das Akkordeon in „Night Call: To You Who Lie Buried Face To The Ground“. Dass dieses Instrument im Atmospheric Black Metal hervorragend funktionieren kann, haben beispielsweise FEMINAZGUL auf „No Dawn For Men“ (2020) vorgeführt. Auch URISK erzeugen damit einen wunderbaren Kontrast zur übrigen Instrumentierung.
„Call“ changiert zwischen Raserei und Ruhe
Zurückhaltung ist eine Stärke des Albums. Die Stücke nehmen sich Zeit und entwickeln ihre eigene Dramaturgie, ohne jeden Gedanken bis zum Äußersten auszuwalzen. Trotz atmosphärischer Passagen und längerer Kompositionen bleibt „Call“ vergleichsweise direkt. Härte und Melancholie, Raserei und Ruhe stehen nebeneinander, ohne dass URISK daraus einen überladenen Genre-Baukasten machen.
Besonders deutlich wird die inhaltliche Konsequenz bei „Fògrach // Spirit Flight“. Hier gipfelt die Beschäftigung mit der schottisch-gälischen Kultur in einem vollständig in dieser Sprache geschriebenen Text. Auch musikalisch zählt das Stück zu den Höhepunkten des Albums.
Was bereits live auffiel, gilt auch vom Band: Bügeners Vortrag besitzt dieselbe Mischung aus Weltschmerz und Wut, die beim Schattenfest hängen blieb. „Call“ klingt dadurch nicht wie eine bloße Übung mit folkloristischen Elementen, sondern wie ein Album, dessen Themen seinen Urhebern tatsächlich etwas bedeuten.
URISK lösen ihr Versprechen ein
In sich wirkt „Call“ erfreulich geschlossen. URISK verbinden rohen Black Metal, Atmosphäre, Melodik und einzelne Folk-Elemente, ohne eine dieser Zutaten überzustrapazieren. Ein vollkommen eigenes Klanguniversum haben die Bonner damit noch nicht erschaffen. Eigenständig genug, um zwischen anderen folkloristisch grundierten Black-Metal-Veröffentlichungen aufzufallen, klingt „Call“ aber allemal.
Vor einem Jahr hieß es nach dem Schattenfest: Mit der richtigen Produktion kündigt sich da Großes an. „Call“ löst dieses Versprechen ein.
Urisk - Call
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Atmospheric Black Metal |
| Anzahl Songs | 7 |
| Spieldauer | 55:57 |
| Release | 02.10.2026 |
| Label | Vendetta Records |
| Trackliste | 1. Ro-Ràdh: Air Chall 's Gruama 2. Uprooting 3. Jaws of Dawn 4. The Hauled and the Waif 5. Night Call: To You Who Lie Buried Face to the Ground 6. A' Choille Ghruamach 7. Fògrach // Spirit Flight |
