Various Artists - Video Kings

Review

Mit deutschen Filmen und speziell deutschen Komödien kann ich für gewöhnlich wenig anfangen, trotzdem war ich auf die DVD von „Video Kings“ gespannt, da sich die Story interessant anhörte und an den US-Kultstreifen „Clerks“ erinnerte. In dem Streifen, der letztes Jahr im Kino lief, dreht sich fast alles um die beiden Vollblutloser und Berufsvideothekare Flo (gespielt von Fabian Busch) und Hotte (Wotan Wilke Möhring), die ihre „Arbeit“ in der Neuköllner Videothek „Video König“ verrichten und dabei mit allerhand skurrilen Charakteren in Berührung kommen. Während Hotte den schwarzarbeitenden, von Filmen keinen blassen Schimmer habenden und die Frau vom Chef beglückenden Volltrottel gibt (inklusive kultigem Vokuhilaschnitt), ist Flo der typische, ständig in finanziellen Nöten steckende Tagträumer, der sich prompt in die neue Nachbarin Ramona verknallt, die lange Zeit für eine Nutte gehalten wird, letztlich aber doch „nur“ Telefonsex betreibt. Doch bis er ihr seine Zunge in den Hals stecken darf, gibt es noch einige Hürden zu überwinden. Da wäre zum Beispiel Bösewicht Bernhardt, der den Laden übernehmen möchte und den naiven Flo mehrfach übers Ohr haut oder der Dieb Tommy (gespielt von ÄRZTE-Drummer Bela B.), der eine gestohlene Flasche im „Video König“ hinterlässt, für die sich ein Trio von Schlägern brennend interessiert.

Bei „Video Kings“ handelt es sich um einen Film, der mit geringen finanziellen Mitteln gedreht wurde (die Schlagworte „Low-Budget“ und „punkig“ werden im Bonusmaterial so ziemlich in jedem zweiten Satz stolz untergebracht), der überwiegende Teil des Streifens spielt sich in der Videothek ab, Außenaufnahmen sind rar gesät. Trotzdem kann sich die Riege an Schauspielern sehen lassen: Neben den beiden, zumindest in Deutschland etablierten, Protagonisten, spielen weitere bekannte Gesichter wie Oliver Korittke, Til Schweiger oder Steffen Wink mit, allerdings nur in Nebenrollen. Bela B. gibt wie gesagt den in Lederklamotten gehüllten Langfinger, während Bernde von den BEATSTEAKS einen Kunden spielt. Die Verlinkung zur Musik wird nicht nur durch diese Besetzungen deutlich, nein, der Soundtrack nimmt eine recht wichtige Position ein. Bei den beteiligten Bands handelt es sich nahezu komplett um eher unbekannte deutsche Gruppen, die musikalisch alles zwischen Pop, Rock und Punk abdecken. Doch trotz der permanenten Dröhnung will der musikalische Part nicht so wirklich auffallen. Als Untermalung für die jeweiligen Szenen sind die Songs okay, aber man hat nach Einfuhr des Films nicht wirklich das Verlangen, sich den Soundtrack einmal näher anzuhören. Doch zurück zum Film: Wie oben erwähnt erinnerte mich die Geschichte an „Clerks“, entfernt könnte man noch von „High Fidelity“ sprechen, doch qualitativ hinkt „Video Kings“ meilenweit hinterher. Wenn man einen Film mit nahezu nur einer Kulisse dreht, müssen zwei Dinge stimmen: 1. Die Charaktere und 2. Das Drehbuch. Und beides verdient sich das Prädikat „mangelhaft“. Nahezu sämtliche Charaktere bleiben blass und entwickeln kaum Profil (vor allem Fabian Busch enttäuscht), einzig Wotan Wilke Möhring wirkt halbwegs interessant, auch wenn man ihm sein Image zu keiner Sekunde abnimmt. Vor Bösewicht Bernhardt muss sich keiner wirklich fürchten, Bela B. wirkt in seiner Rolle wie ein Fremdkörper, selbst Schönheit Ramona bleibt irgendwie nichtssagend. Noch schlimmer verhält es sich mit dem Drehbuch: Die Dialoge wirken bemüht, nach den rund 90 Minuten blieb zumindest bei mir kein einziger guter Gag hängen und mancher Handlungsstrang wird gar nicht erst aufgelöst. In manchen Ansätzen steckt durchaus Potential, die Ausführung bleibt größtenteils enttäuschend. Die Szene am Schluss mit Til Schweiger als Werbefigur „Captain Red“ und dem Komikerduo Badesalz als Flo’s Schutzengel, die dem Protagonisten weise Ratschläge zur Eroberung seiner Angehimmelten geben wollen, ist ein typisches Beispiel, da die Szene unterm Strich alles ist – nur nicht witzig. Gleiches gilt für die ganzen Anspielungen und Verweise auf Filme. Wenn man sich selbst schon so permanent als Independentfilm rühmt, würde ich Verweise auf kultige, eher unbekannte Filme erwarten und nicht auf Blockbuster ala „Titanic“. Mal abgesehen davon sind diese Anspielungen meistens plump und mächtig unlustig.

Ein wenig Lob darf man der Bonus-DVD mit den Extras aussprechen. Zwar sind die zahlreichen herausgeschnittenen bzw. zusätzlichen Szenen genauso dünn wie der Hauptfilm, aber wenigstens bekommt der Freund deutscher Pop-/Punk-/Rockmusik mit den zwanzig „Ramona“-Musikvideos (alle von unterschiedlichen Bands) noch etwas für die Ohren geboten. Und auch die Interviews mit einigen der Beteiligten sind zumindest ganz kurzweilig.

Independent-Movie, Low-Budget, alles schön und gut – Unterhaltung kann man auch mit wenigen Mitteln schaffen, bei „Video Kings“ ist das allerdings gründlich misslungen. Ein Film, der das unrühmliche Image des deutschen Films leider vollauf bestätigt. Hier wäre viel, viel mehr drin gewesen.

08.06.2008

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