Venomous Maximus - No Warning

Review

Der aufgerissene Mund eines Raubtieres, in welchem vermummte Personen eine düstere Messe zelebrieren, umrandet von Totenköpfen und Frauen mit drei Brüsten. Dies ist der erste, leicht verstörende optische Eindruck von „No Warning“, dem dritten Album des texanischen Dark-Metal-Quartetts VENOMOUS MAXIMUS. Doch welche musikalischen Eindrücke hinterlässt der Longplayer?

Die erste Hälfte von „No Warning“ weiß zu überzeugen…

Nach einem kurzen instrumentalen Intro, welches mit dem simplen Titel „I“ versehen ist, präsentieren VENOMOUS MAXIMUS gleich den griffigsten Song auf „No Warning“. „Spellbound“ vereint sämtliche Trademarks, die die Band auszeichnen: Frontmann Gregg Higgins charakteristische Stimme, ein kräftiges Riffing und groovende Drums. Vor allem der Refrain zieht den Hörer in seinen Bann und bohrt sich dank seiner Prägnanz gewaltig in den Gehörgang. Auch die darauffolgenden drei Songs bieten doomig angehauchten Metal mit stellenweise sogar psychedelischen Einflüssen.

…die zweite Hälfte hingegen weniger.

Dann ertönt „II“ – ein Zwischenstück, welches die zweite Hälfte von „No Warning“ einläutet. Doch diese Hälfte ist bei weitem nicht mehr so eigenständig und mitreißend, wie es noch die ersten fünf Tracks waren. Vor allem die Gesanglinien von Higgins doppeln sich und erscheinen aufgrund ihrer klagenden Tonalität zuweilen fast schon nervig. Hatte das Wiederholen von Lyrics bei „Spellbound“ noch für zusätzlichen Charme und Ohrwurmfaktor gesorgt, so wirkt es bei „Blood For Blood“ wie eine langweilige Selbstkopie. Ähnlich gestrickt sind auch die beiden akustischen Songs „All Of My Dreams“ und „Endless“. Während bei „All Of My Dreams“ die Gitarre noch von Gesang unterstützt wird, entfallen die Vocals bei „Endless“ komplett und lassen den zweieinhalb Minüter überflüssig erscheinen – vor allem vor dem Hintergrund, dass sich bereits zwei weitere instrumentale Zwischenstücke auf dem Album befinden. Den Abschluss bildet „Sea Of Sleep“: Auf den ersten Blick ein klassischer Longtrack, auf den zweiten Blick jedoch ein Longtrack mit Abstrichen. Denn immerhin scheint der See in diesem Song tatsächlich dreieinhalb Minuten zu schlafen. Kein Ton, kein Mucks, einfach nur Stille.

Die vorliegenden zehn Songs, verteilt auf 41 Minuten, reduzieren sich also auf sieben Titel, sofern man die Zwischenstücke abzieht und der Longtrack ist auch nicht wirklich das, was der Name erwarten lässt. Somit ist „No Warning“ unterm Strich ein Album, welches vor allem in der ersten Hälfte mit groovenden Nummern wie „Spellbound“ oder „Pray For Me“ überrascht, dann aber „ohne (Vor-)Warnung“ nachlässt.

 

21.07.2017
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