Wandar - Tiefe Erde

Review

Mit „Tiefe Erde“ schließen WANDAR den Kreis, den sie mit ihren Vorgängeralben „Landlose Ufer“ und „Zyklus“ begonnen haben und wagen sich tief hinab. Nicht nur im klassisch-atmosphärischen Sinne in die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche und des eigenen Selbst, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes in die „Tiefe Erde“ bis zur Unterwelt. Wie in Dantes Inferno – und auch von Zitaten daraus begleitet – folgen die Hörer:innen WANDAR durch neun Songs bzw. Zirkel. Die wichtige Frage ist nur: Hinauf oder herab?

„Tiefe Erde“ ist WANDARs Inferno

Das Thema schreit geradezu nach einer schweren, düsteren Atmosphäre. Darum lassen WANDAR sich nicht zweimal bitten und schreien aus dem Abgrund zurück. Bevor es allerdings zu den ersten Schreien kommt, malt der instrumentale Intro-Song „Bedrängnis“ eine düstere, beklemmende Atmosphäre. Auch die weiteren Instrumental-Songs des Albums „…Nächtlich“ und „Irrlicht“ sorgen dafür, die Stimmung wieder in den Vordergrund zu rücken, Raum für Reflexion zu schaffen und das mit einer Stunde Spielzeit recht lange Album etwas aufzubrechen.

Auch klanglich zeigen WANDAR sich auf „Tiefe Erde“ organischer und erdiger als auf ihren Vorgängern und priorisieren Kontrolle über rohe Gewalt, wobei vor allem „Visol-Bolvis“ durch abwechslungsreiche Elemente und einen gelungenen Wechsel aus aggressiven und introvertierten Passagen hervorsticht. Einzig auf „Erden“ lassen die Black Metaller sich zu einer etwas plumpen Einladung zum Mitgrölen hinreißen und integrieren mit Tempowechseln und einem „Tiefe Erde“-Chor eine eingängige Hook.

Herzstück und emotionaler Höhe- (oder Tief-)punkt des Albums ist das fast 13-minütige „Gestirne“, das die Hörer:innen ans Ende der neun Zirkel bringt – und die Frage aufwirft, ob der Weg nun nach oben oder nach unten geführt hat. Für die einen endet der Aufstieg mit dem Durchbruch durch die Erde an die Oberfläche, für die anderen endet die Reise im Kern ihrer selbst, in dem sie sich zusammenrollen und dem Feuer ergeben.

Alle Wege führen in die Hölle

WANDAR sind auf „Tiefe Erde“ nicht eingängig oder bahnbrechend, wollen es aber auch nicht sein. Mit ihrem neuen Album schließen sie nicht nur den Zyklus, den sie vor fast 15 Jahren begonnen haben, sondern zeigen, wie viel Nuance und Kontrolle sie im Laufe der Zeit dazugewonnen haben. Für Fans der Band gibt es auf „Tiefe Erde“ viel zu entdecken, als Erstkontakt mit der Band ist das Album eher nicht geeignet.

25.04.2026

"Es ist gut, aber es gefällt mir nicht." - Johann Wolfgang von Goethe

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