Warning - Rituals Of Shame

Review

Zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung von „Watching From A Distance“ hat sich Patrick Walker erneut seinem Projekt WARNING gewidmet. Obwohl der Hauptsongwriter das Projekt als abgeschlossen betrachtete, gab es im Jahr 2025 Impulse, es erneut zum Leben zu erwecken. Es scheint auf eine innere Kehrtwende des Denkens zurückzuführen zu sein, dass das Album 2025 in kurzer, aber intensiver Arbeit fertiggestellt und im The Arch Studio in einer alten Kirche in Southport unter der Regie von Chris Fullard (SUNN O))), ULVER) aufgenommen wurde.

Rückkehr nach zwei Jahrzehnten

Musikalisch knüpft „Rituals Of Shame“ nahtlos an das an, was Walker 2006 begonnen hat. Wer den Künstler live erleben durfte, kennt seine eigenwillige, leicht kauzige und durchweg offene Art. Genauso erlebt man seine Musik und mit WARNING setzt er genau da an, wo die Musik, die er schreibt, ihren Ursprung hat. Die überlangen Kompositionen sind weiterhin zurückhaltend und weniger monumental als die vieler Doom-Bands. Walkers Art des Songwritings ist unaufdringlich, geerdet und intuitiv.

Dabei gibt sich Walker stets der absoluten Schwere und Melancholie hin. Die Songs bleiben durchweg spannungsgeladen, ohne große Breaks oder musikalische Wendungen. Im Vergleich zur letzten Veröffentlichung wirkt „Rituals Of Shame“ wie ein Konzeptwerk, das sich mit seiner Detailverliebtheit sofort in die Gehörgänge brennt. Das Songwriting fühlt sich gewollt bodenständig an und hält die düstere Grundstimmung stets aufrecht. Die subtile Arbeit mit Variationen, die sich während der Songs entwickeln, steht im klaren Gegensatz zu lauten Ausbrüchen, die man hier umsonst sucht. Walkers Stimme ist dabei ebenso essenziell für das Projekt: Seine fragilen und sehr emotionalen Vocals wirken authentisch und verletzlich.

Ein dichtes, emotionales Album voller Schwere und Intensität.

Die Tracks sind allesamt erdrückend und fast simpel gestaltet. Was sich in der Vergangenheit manifestierte, ist hier erneut Quintessenz. Schon die erste Single „Stations“ überzeugt mit griffigen, minimalistischen Gitarrenlinien, die sich im Laufe des Songs verdichten und stellenweise weniger trist klingen. Überwältigend geht es auch auf dem Rest der Scheibe zu, und obgleich das Grundkonzept klar zusammenhält, gibt jeder Song eigene Stimmungsmomente preis, die zusammenwirken.

Vom Titeltrack über das elegisch ausladende „Night Comes Down“ und das niederschmetternde „Landing Light“ bis zum abschließenden „Teacher“, das trotz seiner Auftaktstimmung wie ein schmerzlicher Niedergang in Erkenntnis und Bewusstwerdung wirkt, gibt es eine perfekte Inszenierung in Text und Musik. Kleine Dinge, Momentaufnahmen, Verlust – all das fängt Walker in seinen Texten und in den Songs ein. Die authentische Art der Tracks umfasst den Grundtenor seines Ausdrucks perfekt.

Die Produktion ist zeitgemäß: nicht aufgesetzt, nicht zu modern; das dunkle Artwork stammt erneut von Tekla Vály und rundet das Album ab. Es gilt weiterhin: Was WARNING einem gibt, das verlangt es einem ab. Wer die Band bisher mochte, wird von diesem Album nicht enttäuscht sein.

Melancholische Kontinuität statt musikalischer Richtungsänderung.

„Rituals Of Shame“ ist keine Kehrtwende, sondern eine klare Fortsetzung von WARNINGs Werk. Insgesamt ist das Album sehr dicht und emotional, eindringlich und erschütternd. Wer also den Gesamtwert des introspektiven Albums aufsaugen will, sollte auf viel lyrisches Pathos, gedankliche Schwere und musikalische Trauerdurchdringung vorbereitet sein.

12.06.2026

- perfection is the end of everything -

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