Wormed - Exodromos

Review

Auf Anhieb fallen dem geneigten Hörer gleich mehrere potenzielle Faktoren ein, warum die Spanier WORMED einen derart hoch geschätzten Status in der Brutal-Death-Metal-Szene genießen. Viele sprechen vom Alleinstellungsmerkmal des saugenden Gerüssels von Sänger Phlegeton, andere wiederum markieren den wahnsinnigen technischen Anspruch als maßgeblich. Auf dem zweiten Album der Band, ganze zehn Jahre nach dem Erscheinen von “Planisphaerium“, spielt hingegen der dritte, noch nicht genannte, Aspekt die vermutlich entscheidende Rolle. Schließlich röchelt sich der Fronter nach wie vor immerhin in vergleichsweise vielen variablen Lagen die Kehle aus dem Hals und die Instrumentalfraktion scheint noch eine Nummer wahnwitziger zu agieren, doch vor allen Dingen ist “Exodromos“ eine mächtige atmosphärische Darbietung geworden.

Noch auf dem Vorgänger hat sich die Verknüpfung zwischen brutalem Gehämmer, verbindender Elemente und ewig weiter Space-Atmosphäre nicht immer erschlossen, doch an dieser Stelle haben WORMED einen enormen Sprung hingelegt. Nochmals geradliniger gesagt, sind mir in den letzten Jahren im Todesbleibereich nur verdammt wenige Alben untergekommen, die eine solch schiere Brutalität noch mit einer dermaßen dichten Aura verweben. Hier scheint jedes Riff, jeder Querschläger und jede konterkarierende Dissonanz absolut für Songdienlichkeit zu stehen. Dies verleiht der Platte eine verquere Stimmung, die eine Geschichte erzählt, in die man mit menschlichem Verstand bedingungslos abtauchen, entsprechende aber nicht nachvollziehen kann.

“Exodromos“ bleibt in seiner Grundessenz ein fragendes, stets verwirrendes Werk, das allerdings auch abseits seiner fesselnden Stimmung ein extrem starkes Bild abgibt. So fungieren Intermezzi wie “Solar Neutrinos“ oder “Darkflow Quadrivium“ lediglich als Intensivierer der unendlichen Weiten des musikalisch dargestellten Weltraums, doch die restlichen, außerordentlich bündig gehaltenen, Stücke gehen, trotz ihres fordernden Charakters, sofort prächtig ins Ohr und zwacken sich dort fest. Ein Schnittstellenvergleich zwischen BENIGHTED und ORIGIN erscheint hier durchaus gerechtfertigt – auch qualitativ.

Spätestens mit ihrem zweiten Album kann man WORMED ohne wenn und aber attestieren, eine besondere Rolle im Brutal Death Metal einzunehmen. Wem in diesem Sektor im Jahr 2013 nachvollziehbarerweise ein wenig die Extravaganz fehlt, der kommt um “Exodromos“ definitiv nicht herum. Lasst euch umwuchten, in das tiefe schwarze Loch fallen oder staunt einfach über das Musterbeispiel, wie gut Technik und Eingängigkeit doch überlagerbar sind.

31.03.2013
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