X-Y - Flying

Review

Verwirrend: Die Credits listen drei Bandmitglieder auf und erwähnen zwei Gastmusiker an Bass und Keyboards. Dafür zeigt das Bandfoto auf dem Backcover fünf scheinbar gleichrangige Musiker, darunter zwei Gitarristen aber keinen Keyboarder. Die ausgesprochen knappe Band-Biographie auf der Homepage schließt sich dieser zweiten Variante an, geizt darüber hinaus aber mit Informationen, wann die beiden neuen tatsächlich zur Band gestoßen sind.

Sei es wie es sei, wer auch immer alles an den Aufnahmen zu „Flying“ beteiligt war, hat jedenfalls einen ziemlich guten Job abgeliefert. Insbesondere die Gitarren-Riffs und der Gesang von William Morabito wissen zu gefallen. Stilistisch bewegt man sich weitestgehend im alternativen Rock, schreckt aber auch nicht vor kleinen Experimenten zurück. Da werden schonmal dezente Electro-Beats unter die Stücke gelegt, dem Funk gehuldigt („9 Lives“) oder leicht progressive Frickel-Parts eingebaut. Den krassesten Ausreißer stellt aber „What We Like“ dar, das vom straighten Gute-Laune-Rocker zum entspannten Reggae-Groove hin und her wechselt. Erstaunlicherweise funktioniert dies so gut, dass sich das Stück zum absoluten Album-Highlight entwickelt, dem der geschickte Rückgriff auf die französische Muttersprache des Quintetts (oder doch Trios?) zudem die Krone aufgesetzt wird. Chapeau, die Herrschaften!

Die Texte sind angenehm tiefgründig und wechseln zwischen gesellschaftskritischen und persönlichen Motiven hin und her. Da werden schon mal die Reaktorkatastrophe in Fukushime („From Ashes & Dust“) und die Sterbehilfe-Debatte („Locked-In Syndrome“) angerissen oder über Schizophrenie („Blacked Out“) und im Selbstmord gipfelnde Beziehungsdramen („I Miss You“) gesungen. Für meinen Geschmack sind die Texte aber oftmals arg prosaisch gehalten und verlieren sich gelegentlich sogar in offensichtlichen Banalitäten, was mir unter anderem den Opener und Titeltrack „Flying“ verleidet. Nichtsdestotrotz – oder gerade deshalb? – bringen X-Y aber auch stets ihre Message sehr deutlich und nachvollziehbar rüber.

Musikalisch überzeugt das Songwriting mit klaren Strukturen, starken Melodien und vielen guten Ideen, die für Spannung und Abwechslung sorgen. Nicht alle Songs können jedoch mit dem eingängig-poppigen Titeltrack, der melancholischen Ballade „Letter To My Friends“ oder gar dem Über-Song „What We Like“ mithalten. Das macht „Flying“ zu einem starken und auch nach mehreren Durchläufen noch mitreißenden Album, das für die Zukunft von X-Y noch einiges an Entwicklungspotential erwarten lässt und neugierig auf zukünftige Veröffentlichung der Franzosen macht.

20.11.2011
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