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20 Jahre metal.de - Die Geschichte des Magazins

Special

20 Jahre metal.de – dieses Jubiläum haben wir auf unseren Seiten ausführlich gewürdigt. Mit Rückblicken, mit skurrilen Interviews, mit Artikeln, die so nie wieder kommen werden. Alles, was jetzt noch zum Glücklichsein fehlt, ist ein Rundumblick über die eigene Historie.

Oder, um es mit einer fiktiven Werbefigur auszudrücken:

Hey, Ihr von metal.de – wie seid Ihr eigentlich zu dem geworden, was Ihr heute seid?

Das ist natürlich unbeschwerter gefragt als geantwortet. Durch harte Arbeit, wahrscheinlich. Durch Leidenschaft, Spaß und Leiden gleichermaßen. (Und wer will letzteren Punkt schon ernsthaft in Frage stellen angesichts auch nur einer rezensierten (und vorher angehörten) STRIBORG-Platte? – Eben.) Und nicht zuletzt durch Geschick, eine Vision und ein kleines, vielleicht auch nur ein klitzekleines bisschen Glück.

Wir erinnern uns: Mitte der 90er war für den damaligen Microsoft-Chef Bill Gates das Internet „nur ein Hype“, knapp 20 Jahre später für die Kanzlerin immerhin noch „Neuland“. In dieser Zeitspanne hat es metal.de geschafft, aus bescheidenen Anfängen zum größten deutschsprachigen Metal-Magazin im Netz zu werden. Und zu bleiben. Und den Leser (also Euch) täglich mit frischen News, Reviews, Interviews, Berichten und Specials zu versorgen.

Die Anfänge: Atombomben und 150 Besucher

Wir blicken also zurück ins Jahr 1996, in die Zeit also, als Frankreich noch Atombomben zündete, Großbritannien von BSE heimgesucht wurde und TAKE THAT sich auflösten… 1996 hat der in Berlin ansässige Programmierer Truhe die pfiffige wie folgenschwere Idee, zusammen mit ein paar Gleichgesinnten ein Musikmagazin ins Leben zu rufen. Und obwohl das Internet, so man denn den führenden Eliten des Computerzeitalters Glauben schenken will, nicht mehr als ein Hype ist, soll das Ganze eben dort, im World Wide Web stattfinden. Ein geschickter Schachzug, denn das als „Dark Site“ an den Start gehende Metalfanzine ist das erste deutschsprachige seiner Art im Netz.

Galerie mit 8 Bildern: 20 Jahre metal.de - die Geschichte von A bis Z

Technisch ist das Magazin auf der Höhe der Zeit: Dafür reichen damals noch autodidaktisch erlernte HTML-Kenntnisse, aber der lange angewendete Code muss rückblickend als für 1996 bahnbrechend angesehen werden. Lediglich ein Datenbanksystem kommt später noch hinzu – bei einer Seite, die mittlerweile zehntausende Unterseiten hat, eine schlichte Notwendigkeit. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten: Bis Ende Oktober 1996 zählt „The Dark Site“ stolze 150 Besucher.

Experimente, Kooperationen und erste Multimedia-Gehversuche

Schon im Jahr darauf (als IN FLAMES ihr letztes ernstzunehmendes Album veröffentlichen) wagen Truhe und Chefredakteur Asmondeus erste Experimente, indem sie mit der deutschen Seite heavy.de kooperieren. Ab sofort ist das Magazin unter der Adresse darksite.heavy.de zu erreichen. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten: „Dark Site“ bietet Real-Audio-Dateien zu den Reviews an – die ersten Multimedia-Gehversuche. Im März 1998 werden die Real-Audio-Dateien durch das gerade neu aufgekommene Format MP3 ersetzt – in damals (be)rauschender 112kbit-Qualität. Und die Seite bekommt noch eine Neuerung spendiert: eine eigene Suchmaschine.

Doch damit nicht genug: 1998 (SLAYER versuchen sich gerade an Nu Metal) kommt noch ein Diskussionsforum, ein Chat sowie ein Newsletter hinzu – alles Features, die jahrelang bestens ihre Funktion erfüllen und erst viel später durch eigene Social-Media-Kanäle abgelöst werden. Im Mai besuchen erstmals über 10.000 Besucher die Seite. Fa-Fa-Fantastisch! Und weil sich Truhe & Co. nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, bekommt das Magazin im Dezember 1998 ein neues Design und eine neue Domain: metal-online.de. „Dark Site“ ist jetzt schneller, schöner und komfortabler.

Der Name metal.de kreuzt den Weg …

Jetzt steht also die Technik, das Design, der Inhalt, und auch die Leser sind da… was fehlt da noch zum vollendeten Glück? Natürlich: Der Name. Im November 1999 (ENTOMBED veröffentlichen gerade ihre von einigen unverbesserlichen Nerds gefeierte „Black Juju“-EP) sichern sich die Betreiber die noch freie Domain metal.de, die allerdings erst über fünf Jahre später zum Namensgeber der Seite wird. Dennoch: Einen geileren Namen kann man sich doch einfach nicht wünschen. Das rockt wirklich hart und ist einfach nur der Hammer, Mädels! Im April 2000 (DESTRUCTION verkünden „All Hell Breaks Loose“) folgt als weitere Domain wavegothic.de, die dieselben Inhalte in einem anderen Layout anbietet. Was übrigens auch erklärt, warum wir eine Vorliebe für die schwarze Gothic-Szene haben. (Auch wenn BLUTENGEL und ihre Fans das vermutlich anders sehen werden.)

Im Jahr darauf (der Maskenstadel SLIPKNOT veröffentlicht gerade sein bahnbrechendes „Iowa“-Album) stehen erstmals größere personelle Veränderungen an: Azazel ersetzt Chefredakteur Asmondeus, und Pro wird stellvertretender Chef. 2002 wiederum geht als das Jahr in die Metalgeschichte ein, das metal.de und METALLICA im Geiste eng zusammenschweißt: Lars Ulrich wird bei den Aufnahmen zu „St. Anger“ gerade die Snare sabotiert, als Hackerkids aus den USA den gesamten Bestand an Interviews des Magazins löschen. Unter anderem. Danke für nichts übrigens. In beide Richtungen. Immerhin geht das Magazin unbeirrt auf Review Nummer 3.000 zu.

… und bleibt

Zwei Jahre später (ENSIFERUM lassen just ihr zweites heißes Eisen auf die Metallerschaft los) steigen die Kollegen Norman, Thomas, Endres und Audaron ein, die teilweise bis heute dem Magazin erhalten bleiben. Im Juli 2005 (BLACK SABBATH-Riffmeister Tony Iommi hat mit seinem Soloalbum „Fused“ ein überraschend starkes Werk am Start) wird aus „Dark Site“, ganz passend zur Domain, nach langen Diskussionen das Magazin metal.de. Passt doch gleich auch viel besser zum mittlerweile wenig düsteren Outfit der Seite – auch wenn wir uns natürlich weiterhin finsterer Musik verflichtet fühlen. Unter anderem.

„2005 zuckt noch, und wir schlachten schon den Kadaver aus!“ So steht es rund um Weihnachten 2005 auf metal.de. Außerdem mit am Start: Der Jahresrückblick „Metal, Bier & Emotionen“. Und METALLICA spielen live für lau. Das waren noch Zeiten!

Mitte 2006 (NAPALM DEATH lassen gerade „Smear Campaign“ von der Kette) erfährt die Redaktion eine Rundumerneuerung, und Alboin übernimmt den Chefredakteursposten von Azazel.

Ende der 2000er-Jahre beginnt auch unser Engagement auf Festivals. Den Anfang macht hierbei unsere eigene Jubiläumssause in der Rockfabrik Ludwigshafen – zehn Jahre metal.de sind schließlich ein Grund zu feiern. Noch mehr zu feiern haben wir aber mit unserem Engagement auf dem Summer Breeze Open Air – mit eigenem Autogrammstundenstand und jeder Menge Spaß in den Backen. Wir hatten sie alle da: von AMON AMARTH über TARJA bis ENSIFERUM, von KNORKATOR bis zu einem der seltenen Auftritte von Chris Barnes und SIX FEET UNDER im direkten Publikumskontakt. Auch die AS I LAY DYING-Nummer haben wir unbeschadet überstanden. Außerdem leeren die Jungs von DER WEG EINER FREIHEIT seit Anbeginn unseren Zapfhahn. Das macht so viel Spaß, dass wir seit 2011 auch auf dem Rockharz Open Air mit einem eigenen Stand vor Ort sind. Für Euch.

Nicht weniger aufregend: Da MySpace jeden Tag an Popularität gewinnt, hat auch metal.de bald ein Profil im bis dato größten sozialen Netzwerk. Im März 2009 (STRIBORGs Sin Nanna hat mit „Perceiving The World With Hate“ wahrscheinlich sein Magnum Opus am Start), wir sehen den Erfolg des späteren Präsidenten der U.S.A. vorher, richten wir einen eigenen Twitter-Kanal ein. Terrific! Noch besser ist allerdings der Launch des Facebook-Kanals knapp ein Jahr später – mit demnächst 20.000 Followern. It’s great!

Redesign(s) und echte Namen

In der Zwischenzeit bemühen sich hinter den Kulissen gute Kräfte um ein Redesign der Seite. Das Ergebnis kommt im Dezember 2009, wenn auch anders als gedacht – doch auch wenn sich technisch nicht viel ändert und die Seite intern den Namen ‚metal.de 1.5‘ trägt, ist das Marshall-Amp-Design doch nicht von schlechten Eltern, oder? Komplett neu wird metal.de dann im März 2011 (AMON AMARTH bringen zeitgleich das feurig betitelte „Surtur Rising“ in die Plattenläden) – mit einem im Grunde zeitlosen ‚grungy‘ Aussehen, das wir seitdem nur moderat modifizieren mussten. Mit diesem Redesign legen unsere Redakteure übrigens auch die bis dahin teilweise noch üblichen Pseudonyme ab – FAKE NAMES – und aus Death Angel, The.Beaver, Xeledon, Audaron und Norman werden… nun ja, Namen sind eh nur Schall und Rauch, und wer wer ist, könnt Ihr auf der Teamseite sehen.

VOMITORY gehen immer. Das wussten wir schon damals, und eigentlich hat sich seitdem nichts geändert. Abgesehen davon, dass sich die Band aufgelöst hat und metal.de mittlerweile etwas anders aussieht. Okay, dann also: Fast nichts geändert.

Personell steuert metal.de allerdings auf sein eigenes 1888 zu und wechselt zwischen 2010 und 2013 gleich viermal den Posten des Chefredakteurs, bis im Oktober 2013 meine Wenigkeit zusammen mit Jan und Stephan wieder für Kontinuität sorgen. Gleichzeitig verpasst sich metal.de eine inhaltliche Rundumerneuerung und führt neue Formate ein: den Monatsrückblick, „Die 10…“, Diskografiechecks (anfangs noch mit „ph“), „Individual Thought Patterns“, Einblicke in den Büroalltag von metal.de sowie abwechslungsreiche Diskussionsformate.

metal.de 3.0

Und jetzt? metal.de hat seit Mai 2016 wiederum eine neue Seite, die unser geschätzter Kollege Thomas in unzähligen Stunden im metal.de-Büro selbst programmiert hat. metal.de 3.0 ist optisch ansprechend, technisch auf der Höhe der Zeit, inhaltlich selbstverständlich immer vorne mit dabei. Mittlerweile sind wir bei weit über 28.000 Reviews angekommen und haben über 2.700 Interviews mit den Stars und Sternchen der Szene geführt. Zugleich sind wir mit eigenen Ständen auf den Open-Air-Festivals Summer Breeze und Rockharz vertreten und präsentieren Euch zahlreiche Tourneen, Konzerte und Festivals. Und wir – das sind derzeit knapp 40 Redakteure, Fotografen und Mitarbeiter – sind mit viel Herzblut und Idealismus dabei, wenn es darum geht, Euch jeden Tag aufs Neue zu überraschen. Jedenfalls ist das unser Anspruch. True story!

Fragen an den Seitengründer Truhe

Wann warst Du im Magazin tätig und was waren Deine Aufgaben?

Ich habe metal.de 1996 gestartet und war bis 2002 mit dabei. Anfangs habe ich dabei natürlich auch alles gemacht: Layout, Technik, Artikel, Kommunikation. Asmondeus und Pro waren ebenfalls schnell dabei. Wir haben die Arbeiten dann aufgeteilt. Die Label-Kommunikation ging zügig an andere Personen, sodass ich hauptsächlich mit der technischen Weiterentwicklung, Erweiterung der Funktionalität und dem Rezensieren von CDs und Konzerten beschäftigt war.

Warum und mit welchem Ziel hast Du metal.de bzw. „Dark Site“ gegründet?

Die Motivation war eine simple: So etwas fehlte, ich wollte schreiben und mit der Technik spielen. Die Gründung war 1996. Der erste Start war im Fidonet als Begleitmagazin zu einem dortigen Echo – das war quasi ein Forum. Das hatte natürlich überhaupt keine Sichtbarkeit. 1996 bekam ich dann meinen Internetzugang und stellte die Nullausgabe auf eine HTML-Seite um.

Schnell kristallisierte sich heraus, dass das ein echtes Fanzine werden konnte, nur online und nicht auf Papier. Der Gedanke eines rein online existierenden Magazins war damals in Deutschland noch ziemlich neu: Blogs gab es noch nicht, GeoCities war gerade am Entstehen, und selbst Content Management Systeme kamen erst später auf. Das war alles Handarbeit und echtes Neuland. Es war allerdings eine ziemlich organische Entwicklung. Es gab keinen Masterplan, nach dem wir vorgegangen sind. Letztlich wollten wir nur im Internet über Musik schreiben.

metal.de anno 2000: Damals noch als ‚Dark Site‘ unter der Domain metal-online.de abrufbar. Schon damals beliebt: Gewinnspiele. Schon damals präsent vertreten: EISREGEN. Schon damals der letzte Schrei: MP3s von DIMMU BORGIR.

Wie lief anfangs die Zusammenarbeit mit den Labels ab – wurdet Ihr von Beginn an freigiebig bemustert oder musstet Ihr Platten selbst kaufen?

Die Erinnerungen daran sind sehr nebelig. (lacht) Klar haben wir auch unsere eigenen Scheiben rezensiert. Die meisten Plattenfirmen haben durchaus freudig bemustert. Das war damals ja eine große Hype-Welle. Wir sprechen von 1996-2000, somit also vor dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase. Alles war neu, aufregend, besonders und natürlich DIE Zukunft. Online-Magazine gab es außerdem nicht sehr viele. Rockscene (mittlerweile tot) und Vampster (die gibt es noch) kamen etwas später. metal.de war also durchaus etwas Besonderes. Der Domainname war natürlich ebenfalls nicht ganz schlecht. (lacht)

2002 wurde die Seite gehackt und Inhalte gelöscht, die nicht mehr rekonstruiert werden konnten. Gibt es einen Artikel, dessen Verlust Du mehr als den anderen nachtrauerst?

Nö. (lacht) Da hätten gerne viele alte Reviews von mir verschwinden können, die jetzt immer noch online sind und in denen ich wirklich viel Blödsinn geschrieben habe – ich war jung und dumm, hahaha!

Unfug – wenn, dann haben die Reviews eher Kultcharakter. Wie kamst Du eigentlich zum Nickname Truhe?

„Truhe“ ist die knuffige kleine Truhe aus den Büchern von Terry Pratchett. Diese hatte ich mit 13 angefangen zu lesen, so wurde es mein Nickname in Mailboxen und später blieb es dabei.

Was verbindest Du heute mit metal.de?

Die Zeit mit metal.de war eine wahnsinnig schöne und sehr prägende Zeit. Meine erste und zweite Freundin lernte ich auf Veranstaltungen kennen, die metal.de – damals hieß es ja noch anders – organisierte. Zusammen mit Pro auf dem Summermania-Festival den Hangar als DJ zu befeuern, war sehr genial. Genauso wie die etlichen Konzertbesuche, bei denen man per Gästeliste rein kam, inklusive Fotograben, sowie der direkte Kontakt zu den Bands in Form von Interviews. Gleichzeitig konnte ich mich voll und ganz einem technischen Thema widmen, mich einarbeiten und basteln. Im späteren Chat in Statistiken sehen zu können, welche immense Zeit die Leute in etwas verbracht haben, was ich geschaffen hatte, war ebenfalls sehr besonders. Es war eine intensive Zeit, die kaum hätte besser sein können.

Dass diese Website nach 20 Jahren immer noch aktiv und lebendig ist freut mich sehr, genauso wie wenn ich auf Konzerttickets das Logo sehe oder die großen Banner auf den Türmen des Summer Breeze. Ich bin stolz darauf, was metal.de alles erreicht hat. Mein Baby. (lacht)

20.02.2017

- Dreaming in Red -

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