Devil You Know - Killer Be Killed
Der Vergleich

Special

Devil You Know - Killer Be Killed

Zwei neue Supergroups –  DEVIL YOU KNOW und KILLER BE KILLED

Mütter sperren ihre Töchter weg, laute Fanfaren ertönen, ein imposantes Feuerwerk erleuchtet den Himmel, schlaflose Nächte eilen dem Spektakel voraus und  zügellose Vorfreude macht sich im ganzen Land breit! Nichtsnutzige Nachwuchsbands wälzen sich unterwürfig im Staub –  denn gleich zwei neue Supergroups machen sich auf den Weg und blasen zum Angriff!

Nüchtern betrachtet haben wir doch eigentlich nur eine neue Band, zusammengestellt aus Musikern, die schon mit anderen Gruppen bemerkenswerte Erfolge gefeiert haben. Das heißt, dass sie die Instrumente auf jeden Fall richtig halten können, Erfahrung im Studio haben und schon den ein oder anderen guten Song fabriziert haben. Eigentliche keine unschlagbaren Kriterien für den Pflichtkauf der Platte und doch erhalten solche „gierigen Möchtegern-Frischlinge“ deutlich mehr Aufmerksamkeit. Nuclear Blast lässt jüngst gleich zwei dieser Supergroups von der Kette. Wir checken, welche Band für was taugt und ob dieses ganze Supergroup-Gehabe eigentlich irgendjemanden interessieren muss oder eher in die mäßig brisante Kategorie „Sack Reis und China“ gehört.

Die Fakten – wer ist dabei und wer hat schon wo gespielt?

DEVIL YOU KNOW – bestehend aus Howard Jones (Ex-KILLSWITCH ENGAGE, Ex-BLOOD HAS BEEN SHAD), Francesco Artusato (solo erfolgreich und ALL SHALL PERISH) und John Sankey (DEVOLVED, tätig für FEAR FACTORY und DIVINE HERESY). Damit hätten wir die ursprüngliche Truppe eruiert, kurzfristig wurde aber aufgestockt und somit dürfen noch folgende Menschen addiert werden: Ryan Wombacher (BLEEDING THROUGH) und Roy Lev-Ari. Schon ein wahrer Bandnamen-Overkill und damit wäre erst die erste Supergroup vorgestellt (und garantiert noch die Hälfte vergessen…).

Dem gegenüber stehen KILLER BE KILLED – bestehend aus Max Cavalera (SOULFLY, SEPULTURA, CAVALERA CONSPIRACY, NAILBOMB), Troy Sanders (MASTODON), Greg Puciato (THE DILLINGER ESCAPE PLAN) und David Elitch (Ex-THE MARS VOLTA, tätig für M83, JUSTIN TIMBERLAKE, MILEY CIRUS, JULIETTE LEWIS…). Klingt wild zusammengewürfelt – ist es auch.

Je nachdem was den Hörer interessiert, werden sich hier schon die Geister scheiden. Die possierlichste Vita (und die schönsten Locken) hat sicherlich David Elitch, der Typ lässt echt nichts aus und sein Herz schlägt definitiv für die Musik an sich und nicht für ein Genre. Aber wo sich KILLER BE KILLED gleich drei Sängern vor die Mikros stellen (müssen?), deckt Howard Jones ganz lässig alles alleine ab. Rein faktisch nach Verkaufszahlen gerechnet, haben KILLER BE KILLED sicherlich die Nase vorne, aber DEVIL YOU KNOW können (Stand Anfang April 2014) deutlich mehr Facebook-Fans vorweisen, was auf mehr Interesse im Vorfeld schließen lässt.

International zusammengestellt sind beide Supergroups. DEVIL YOU KNOW beherbergt Mitglieder geboren in Amerika, Afrika, Italien und Australien, während die Mitglieder von KILLER BE KILLED aus Brasilien, Amerika und Australien stammen.

Was gibt’s denn eigentlich? Neuer Sound oder zusammengepappter Scheiß?

DEVIL YOU KNOW-Gitarrist Francesco Artusato deutete im Vorfeld an, dass er noch niemals so songdienlich gespielt habe, wie bei DEVIL YOU KNOW. Nicht nur richtig, sondern auch sehr lohnenswert, denn „The Beauty Of Destruction“ hat glanzvolle Gitarrenparts, die optimiert wurden und tatsächlich keinen Ton zu viel dudeln.

Auch bei KILLER BE KILLED ist spürbar, dass sich die einzelnen Bandmitglieder zwar mit ihren prägnanten Trademarks einbringen, aber doch ausreichend zurücknehmen, um dem neuen Sound Raum zum Atmen zu lassen. Manchmal gelingt es auch sehr gut und in diesen Momenten sind KILLER BE KILLED einfach nur unschlagbar – killermäßig sozusagen. Aber es gibt auch die weniger guten Momente, in denen sich ein SOULFLY-Moment an einen MASTODON-Part und dann wieder an eine THE DILLINGER ESCAPE PLAN-Szene reiht. Gibt schlimmere Dinge im Leben, stört aber trotzdem, da KILLER BE KILLED ja ein neues Projekt ist. Besonders der vielseitige David Elitch steuert aber ganz unbemerkt hinter dem Drums die eigentlichen Highlights bei, einfach mal aufmerksam lauschen – wie er, wenn man die offensichtliche Show im Vordergrund beiseite schiebt, den Songs massiven Punch und Eigenständigkeit gibt.

Dieser Punkt geht trotzdem deutlich an DEVIL YOU KNOW, denn die Musiker verschmelzen mehr zu einer homogenen Band, was aber daran liegt dass sie auf genremäßig enger beieinander liegen und im Vergleich zu KILLER BE KILLED deutlich weniger schillernde Alpha-Tierchen unter einen Hut bringen mussten.

Kreativer Ansatz

Beide Supergroups präsentieren erfreulicherweise nicht genau das Ergebnis, das man aufgrund der Zusammenstellung erwarten würde. DEVIL YOU KNOW liefern auf „The Beauty Of Destruction“ keinen puren 08/15-Metalcore, sondern auch düstere Black Metal-Szenen, radiotaugliche Refrains und einige herbe Momente. Dass Howard Jones ein begnadeter Sänger mit einer traumhaften Range ist, ist nichts Neues. Bei DEVIL YOU KNOW bietet er allerdings derart umfassende variable Vocals an, dass jede andere Band heulend daneben steht – dieser Posten ist unrückbar effektiv besetzt.

KILLER BE KILLED sind extremer und sperriger, was letztendlich auch in längere Haltbarkeit und ein spannenderes Hörvergnügen mündet. Allerdings erdreiste ich mir anzubieten, jedes einzelne eingebrachte kreative Idee von Max Cavalera erkennen zu können. Fairerweise muss man doch sagen, dass seine Dominanz stimmlich und riffmäßig gesehen vorhanden ist und von ihm ganz sicher nicht wesentlich weiter abgeschwächt werden kann.

Bezüglich der Gestaltung liegen DEVIL YOU KNOW deutlich vorne, das von Travis Smith gestaltet Cover ist detailliert, passend und kreativ. KILLER BE KILLED liefern im Gegenzug ein Cover, was zuerst nach einem lustigen Gag und diverse Pannen am Kopierer aussieht. Passt zwar letztendlich zu den spröden Charakteren und der Musik, sorgt aber nicht für Begeisterungsstürme und weckt auch nicht den Entdeckerdrang bzw. die Freude der Interpretation. Auch wenn die Message letztendlich natürlich klar ist.

Rein als Debüt gesehen – was taugt das Album?

Natürlich darf man ein Debüt in dieser Liga nicht mit einer pickeligen Schülerband vergleichen, die ihre erste Platte im D.I.Y.-Verfahren reinkloppt. Man sollte davon ausgehen können, dass alle beteiligten Musiker diesen Schritt machen, um endlich mal wieder vollkommen unvoreingenommen Musik machen zu können. Kaum einer der Mitglieder von DEVIL YOU KNOW oder KILLER BE KILLED scheint derart in akuter Geldnot zu sein, dass ein derartiger Aufwand betrieben werden müsste, um die Kassen zu füllen. Rein als Debüt gesehen wären beide Alben sicherlich auch aufgefallen, wenn sie von Unbekannten eingespielt worden wären und hätten innerhalb der Szene für Aussehen gesorgt.

„Nachschlag!“ oder „Ach ne, lass mal…“

Für beide Bands gilt- Nachschlag! KILLER BE KILLED müssen an der eigentlichen Fusion arbeiten, während DEVIL YOU KNOW ihren gefundenen Sound sublimieren können. Beides aber sehr spannende Projekte mit Musikern, die musikalisch und inhaltlich etwas zu sagen haben.

„The Beauty Of Destruction“ von DEVIL YOU KNOW ist genauso lohnenswert wie das „s/t“-Album von KILLER BE KILLED. Letzteres lohnt sich für Fans der härteren, extremeren Töne, die zwar auf progressive Spitzen hoffen, aber schon vordergründig „verprügelt“ werden wollen. Fans von Metalcore und kompakten, griffigen Songs, werden DEVIL YOU KNOW lieben.

07.05.2014
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