H.P. Lovecraft
Die zehn hingebungsvollsten H.P. Lovecraft - Projekte: Teil 2

Special

Im vergangenen Monat Oktober haben wir euch bereits fünf Bands vorgestellt, die sich hingebungsvoll und umfassend mit den Werken H.P. Lovecrafts auseinandergesetzt haben – die ersten Projekte des Specials „Die zehn hingebungsvollsten H.P. Lovecraft-Projekte“.

Nun ist es Zeit für die angekündigten fünf weiteren Projekte, die sich in der Welt des richtungsweisenden Horror-Autors bewegen und seine Geschichten in (mehr oder weniger) harte Musik umsetzen. Aber wie schon beim letzten Mal zunächst eine kleine Einstimmung in Form von Titeln, die sich mit dem Thema ebenfalls beschäftigen.

DEATH BREATH – „Cthulhu Fhtagn“

Ein oldschooliges Death Metal-Album und Kleinod ist DEATH BREATHs „Stinking Up The Night“. Kein Wunder, ist mit Nicke Andersson (ENTOMBED) doch ein erfahrener Recke dieser Spielart mit von der Partie. Natürlich muss man sich neben Satan, Splatter und Horrofilmen dann auch dem Thema „Cthulhu“ widmen. Ladies and Gentlemen, „Cthulhu Fhtagn“:

ARKHAM WITCH – „And What Man Knows Kadath“

Die Engländer ARKHAM WITCH tummeln sich im klassichen, NWoBHM-geschwängerten Heavy Metal. Und in H.P. Lovecrafts Universum, selbstredend. Dies beweist nicht nur sehr offensichtlich ihr Album „Legions Of The Deep“, sondern auch der Nachfolger „I Am Providence“, von dem der Titel „And What Man Knows Kadath“ stammt.

BLUE OYSTER CULT – „The Old Gods Return“

Auch in musikalisch seichteren Gefilden findet sich H.P. Lovecraft-Verehrung. Beispiel? Die großartigen BLUE OYSTER CULT. Diese nehmen das Thema wiederholt auf, sei es „In The Presence Of Another World“ oder im famosen „The Old Gods Return“.

CRADLE OF FILTH – „Babalon AD (So Glad For The Madness)“

Die theatralischen Black Metaller CRADLE OF FILTH dürfen natürlich an dieser Stelle nicht fehlen. Neben Veröffentlichenungen wie „Lovecraft & Witch Hearts“ oder dem wunderbaren „Cthulu Dawn“ vom „Midian“-Album. Man kann Herrn Dani Filth einfach eine Affinität zu Lovecrafts Werken nicht absprechen…

So, aber nun genug Vorgeplänkel. Weiter geht es mit der zweiten Hälfte der zehn hingebungsvollsten H.P. Lovecraft-Projekte“!

MORBID ANGEL

Völlig zu Recht wurde die Frage gestellt, wo MORBID ANGEL denn in der bisherigen Aufzählung bleiben. Aber da man ja nicht immer gleich mit der Tür ins Haus fallen soll, haben wir uns die legendäre Death Metal-Band aus Florida für den zweiten Teil aufgespart – aber NATÜRLICH gehört MORBID ANGEL in dieses Special!

Maßgeblich hierfür ist nicht nur, dass sich Gitarrist George Emanuel III nach dem Äußeren Gott Azathoth, der in Lovecrafts Universum das ursprüngliche Chaos repräsentiert, benannt hat. Nein, die Band arbeitet auch sonst in ihren Werken häufig mit dem lovecraft’schen Universum. Sei es auf dem Meilenstein-Debüt „Altars Of Madness“, wo in „Lord Of All Fevers And Plague“ der Schlangengott Ninnghizhidda angerufen wird, oder in „Unholy Blapshemies“ vom Album „Blessed Are The Sick“ – die Referenzen sind vielfältig.

Dass „Altars Of Madness“ natürlich zu jenen Alben gehört, die man auch ohne Cthulhu-Bezug als Metaller kennen sollte, da es einfach zu den großartigsten Death Metal-Alben dieser Galaxie gehört, steht völlig außer Frage…

MORBID ANGEL – „Altars Of Madness“ (Albumcover)

„Als das Alter die Welt traf und das Staunen das Gemüt der Menschen verließ; als graue Städte dem verrauchten Himmel ebenso grimmige wie häßliche Riesentürme entgegenstreckten, in deren Schatten niemand von der Sonne oder blühende Frühlingswiesen träumte; als das Wissen die Erde ihres schönen Kleises breaubte und die Dichter nurmehr von verzerrten Phantomen sangen, die sie mit trüben und nach innen gewendeten Augen erblickten; als es zu alle dem gekommen war und die kindischen Hoffnungen auf ewig vergangen waren, da gab es einen Mann, der aus dem Leben aufbrach zu einer Suchfahrt in die Räume, in welche die Träume der Welt entwichen waren.“

(H.P. Lovecraft, „Azathoth“ – Fragmente, ca. 1922)

SULPHUR AEON

Noch mehr Death Metal: SULPHUR AEON, die als ihre eigene Herkunft R’lyeh anführen – jene versunkene Stadt, die das Gefängnis für den Großen Alten Cthulhu selbst darstellt. Trotzdem sei hier verraten, dass die Truppe eigentlich aus Nordrhein-Westfalen stammt.

Bei Songtitel wie „Into The Court Of Azathoth“ und „Onwards… Towards Kadath!“  nehmen die Herren direkten Bezug zu Charakteren und Orten des Cthulhu-Mythos. Ihre Geschichten verpacken SULPHUR AEON in melodischen, schweren Death Metal. Kollege Olbrich stellte zum aktuellen Werk „Gateway To The Antisphere“ passend fest: “ Eigentlich strahlt hier ganz und gar nichts, viel mehr verschlingt die Platte gleich einem schwarzen Loch ungefähr alles Umgebende. Ohne Gnade, ohne Hoffnung. Düster. Brutal.“ Word.

Als Besonderheit von SULPHUR AEON kommt ein stets ausgefeiltes und stimmungsvolles Artwork hinzu – insbesondere das Cover des Debütalbums „Swallowed By The Oceans Tide“ ist schon  eine Klasse für sich.

SULPHUR AEON – „Swallowed By The Ocean’s Tide“ (Coverartwork)

„Ein Überleben jener großen Mächte oder Wesen ist durchaus vorstellbar, ein Überleben aus einer fernen Zeit, als das Bewusstsein sich vielleicht in Formen offenbarte, die vor dem Heraufdämmern der Menschheit wieder verschwunden sind, Formen, von welchen allein Dichtung und Sage eine flüchtige Erinnerung bewahrt haben, und die von ihnen Götter, Monstren, mythische Wesen genannt wurden. Algernon Blackwood“

(H.P. Lovecraft, „Cthulhus Ruf“ („The Call Of Cthulhu“) – 1928)

THE GREAT OLD ONES

THE GREAT OLD ONES aus Frankreich haben sich nicht nur nach den Großen Alten des lovecraftschen Cthulhu-Mythos benannt, die gesamte Bandphilosophie ist an den Geschichten des Autors ausgerichtet. Das Debütalbum „Al Azif“  (2012) bezeichnet ein Kernelement des Cthulhu-Mythos: Das Kitab Al’Azif („Das Buch vom Summen“), das vom wahnsinnigen Araber Abdul Alhazred angefertigt wurde und Berühmtheit unter der Bezeichnung „Necronomicon“ erlangt.

Das zweite Album der Band „Tekeli-Li“  hingegen bezieht sich auf den Ausruf der dämonischen Shoggothen, die in der Geschichte „Berge des Wahnsinns“ („At The Mountains Of Madness“) Erwähnung finden, dessen Bedeutung jedoch ungeklärt bleibt.

THE GREAT OLD ONES – „Tekeli-Li“ (Albumcover)

Sowohl in der Gestaltung ihres Artworks, als auch der Präsenz auf der Bühne, legen die fünf Herren, die sich einem schmissigen Post-Black Metal verschrieben haben, einen besonders guten Geschmack an den Tag.

THE GREAT OLD ONES – Live in Münster

Das dritte Werk, „EOD – A Tale Of Dark Legacy“, das sich inhaltlich mit H.P. Lovecrafts Werk „Der Schatten über Innsmouth“ befasst, steht im Januar 2017 bereit, auf die Menschheit losgelassen zu werden.

„Mehrere nicht aus Innsmouth gebürtige Einwohner hätten von Zeit zu Zeit über monströse Dinge berichtet, die sie gesehen haben wollten, aber es sein kein Wuner, daß Leute, die zwischen Geschichten des alten Zadok und den mißgestalteten Einheimischen leben mußten, solchen Sinnenstäuschungen erlägen. Von den Nicht.Einheimischen bleibe keiner jemals bis spät in die Nacht draußen, weil sie es nicht für ratsam hielten. “

(H.P. Lovecraft, „Schatten über Innsmouth“ – 1936)

SEPTIC FLESH

Auch die Griechen SEPTIC FLESH sind eifrig im Universum von H.P. Lovecraft unterwegs. Der symphonische Death Metal der Band  beschäftigt sich insgesamt mit einer Bandbreite von Okkultismus bis Fantasy, aber besonders auch mit der Arbeit von H.P. Lovecraft.

Allen voran ist das 2008er-Album „Communion“ zu nennen, das mit dem Opener „Lovecrafts Death“ eine Hymne an den Autor enthält, heißt es hier doch:

Lovecraft in the realm of the dead
Obsessed with Necronomicon
The Arab’s wicked dream
You found a path to Azathoth
And walked the Dagon’s realm

Im Verlauf dieser musikalischen Hommage werden weitere Werke des Autors aufgenommen, von der Geschichte des Erich Zann, über „Die Ratten im Gemäuer“ bis zu „Der Fall Charles Dexter Ward“ – eine wunderbare musikalische Collage und Zusammenstellung der Arbeiten von H.P. Lovecraft.

SEPTIC FLESH – „Communion“ (Albumcover)

„Er weiß nur von gespenstischen Wirbeln durch die Strudel der Unendlichkeit, von schwindendenerregenden Ritten auf Kometenschweifen durch schwankende Welten und von hyterischen Stürzen vom Mond in die höllischen Abgründe und zurück aus den Tiefen auf den Mond; all das begleitet vom brüllenden Gelächter der ausgelassenen Alten Götter und der grünen fledermausflügeligen spottenden Teufel des Tautarus.“

(H.P.Lovecraft, „Cthulhus Ruf“ („The Call Of Cthulhu“), 1928)

MEKONG DELTA

Eine ganze Lovecraft-Geschichte über Musik? Daraus muss man doch ein Album machen! Das dachten wohl auch MEKONG DELTA aus Nordrhein-Westfalen – und haben dies Anno 1988 auch getan: „The Music Of Eric Zann“. Das Projekt  gründete sich bereits 1985, seinerzeit noch unter Beteiligung von RAGEs Peavy Wagner, und bringt es seither auf bereits elf Veröffentlichungen. MEKONG DELTA hat sich dem progressiven Thrash verschrieben, der zunehmend auch orchestral aufgebaut und unterstützt wird.

MEKONG DELTA – „The Music Of Erich Zann“ (Albumcover)

„Immer  lauter  und  immer  wilder  stieg  das  Kreischen  und Wimmern  der  rasenden  Violine  an.  Der  Musiker  war  auf unheimliche Weise in Schweiß gebadet und zuckte wie ein Affe, wobei er stets panische Blicke auf das verhangene Fenster warf. In  seinen  irren  Melodien  sah  ich  geradezu  Satyrn  und Bacchantinnen, wie sie wahnsinnig durch brodelnde Abgründe voller Wolken und Rauch und Blitze tanzten und wirbelten. Und dann  glaubte  ich,  einen  schrilleren,  stetigeren  Ton  zu  hören, der nicht von der Violine herrührte; ein ruhiger, besonnener, entschlossener, höhnischer Ton von weit her aus dem Westen.“

(H.P. Lovecraft, „Die Musik des Erich Zann“ („The Music of Erich Zann“), 1922)

Und nun mal was anderes zum Abschluß und als kleiner Bonus – quasi als elftes Projekt:

NYARLATHOTHEP – „A Cyro Chamber Collaboration“

Kein Metal, aber trotzdem ein faszinierendes Stück Musik: Die „A Cyro Chamber Collaboration“-Compilation zur Vertonung des Lovecraftschen Universum – „verstaubte Bänder aus vergessenen Archiven“, wie es so schön heißt. Ein tiefsinniger und düsterer Einblick in die Welt des schwarzen Pharaos Nyarlathotep.

Beteiligt an diesem Projekt sind insgesamt 25 Dark Ambient-Künstler, unter anderem auch der in Metalkreisen bekannte SVARTSINN.

So, das war unsere Reise durch das metallische H.P. Lovecraft-Universum. Bei bloß zehn auszuwählenden Projekten musste leider irgendwo die Grenze gezogen werden, auch wenn einige Klassiker dadurch nicht berücksichtigt werden konnten.

Wer fehlt denn besonders? Natürlich die wunderbaren, verfrickelten PORTAL, die Heavy Metal-Ikonen MERCYFUL FATE und die düsteren Gothic-Rocker THE FIELDS OF THE NEPHILIM. CELTIC FROST mit „Morbid Tales“, SENTENCEDs „Beyond The Wall Of Sleep“ und nicht zuletzt natürlich HYPOCRISY mit „Necronomicon“. Und VADER, TIAMAT und DEICIDE…. undundund.

Aber vielleicht hat dieses Special ja dazu motiviert, sich einmal näher mit den Werken von H.P. Lovecraft zu befassen und etwas genauer auf die Texte und Konzepte einiger Künstler zu schauen, ob sich nicht auch dort etwas Cthulhu-uesqes in ihren Werken versteckt hat. Und wenn wenn euch ein Projekt ganz besonders gefehlt hat, dann lasst einfach einen Kommentar da – eine Fortsetzung dieses Themas ist zumindest nicht ausgeschlossen…

Das letzte Wort in diesem Beitrag hat jedoch eine unmetallische Cthulhu-Referenz: VANGELIS, der griechische Soundtüftler, der nicht nur den wegweisenden Soundtrack zu BLADE RUNNER erschaffen hat, war in seinen Anfangstagen sehr krautrockig-psychedelisch unterwegs. Das Ergebnis: THE DRAGON (1971), dessen Coverartwork den Bezug zu diesen Zeilen schnell herstellt.

In diesem Sinne: Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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14.11.2016

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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