Fantasy Filmfets Nights 2026
Drei Filme in drei Tagen
Special
Nach dem Fantasy Filmfest ist vor dem Fantasy Filmfest. Über vier Tage und sieben Städte hinweg präsentiert das Fantasy Filmfest mit den Fantasy Filmfest Nights 2026 wieder einen (dunkel-)bunten Blumenstrauß aus dem Düsteren, Schrägen und Künstlerischen. Unter den Hauptdarstellern in diesem Jahr finden sich unter anderem norwegische Baumtrolle, japanische Geistermädchen und Vampire über diverse Genres hinweg.
Wir sind für 2 der insgesamt 18 Filme im Savoy in Hamburg vor Ort und schauen einen weiteren mit privatem Streaming-Link zu Hause auf der Couch. Und wie schon im letzten Jahr können sich die Fantasy Filmfest Nights 2026 wieder mehr als sehen lassen. Hier geht’s zu den Berichten unserer diesjährigen Filmauswahl – natürlich spoilerfrei:
Freitag, 17.04.: „mārama“
Samstag, 18.04.: „Nightborn“
Sonntag, 19.04.: „Imposters“
Ausblick
17.04.2026: „mārama“
Darum geht’s: Die junge Māori Mary (Ariāna Osborne) bekommt einen mysteriösen Brief aus England. Sie tritt die weite Reise aus Neuseeland an, um, in England angekommen, hoffentlich etwas über ihre Familie zu lernen, von der sie als Kind getrennt wurde. Als sie in einem düsteren Anwesen eine Anstellung findet, überkommen sie immer wieder blutige Visionen, die sie von ihrer Suche ablenken – oder steckt doch mehr dahinter?
Gothic Horror meets Māori
Im Savoy in Hamburg läuft mārama eigentlich erst am Samstag, den 18. April, aber wir machen es uns mit Streaminglink und zugezogenen Vorhängen auf der Couch bequem. Bei den Fantasy Filmfest Nights 2026 wird der Film in englischer Originalsprache mit Stellen auf Māori jeweils mit Untertitel gezeigt. Wie es von einem Gothic-Horror zu erwarten ist, ist mārama von der ersten Sekunde an düster und bedrückend, wirkt durch die modernen Texturen des Anwesens und der Kostüme aber gleichzeitig wie ein Fiebertraum. Düster ist nicht nur die Optik, sondern auch die Stimmung, die sich viel Zeit dabei lässt, sich langsam aufzubauen und zu intesivieren.
Der eigentliche Horror von mārama findet sich allerdings nicht unbedingt in der Handlung, sondern in den Anspielungen und Reflexionen über die Kolonialgeschichte Englands und der Faszination des Hausherrn mit der Māori-Sprache und -Kultur. Diese stehen im Film durchgehend im Vordergrund und bringen eine neue, spannende Perspektive zum oft etwas generischen Genre des Gothic Horrors ohne die Kernelemente des Genres zu verändern oder die Grenzen zu überschreiten.
Obwohl es immer wieder kurze Emotionsausbrüche von unterschiedlichen Charakteren gibt, bleibt mārama die gesamte Spieldauer über sehr langsam und ruhig. Außerdem ist der ganze Film farblich sehr dunkel und wirkt auf einer Kinoleinwand sicher deutlich stimmungs- und eindrucksvoller als zu Hause. Auch das große Finale des Films bringt nicht den erhofften Pay-off und die Entladung der über den Film hinweg angestauten Emotionen, sondern bleibt direkt, einseitig und ultimativ antiklimaktisch. Die Stärke von mārama liegt klar in einer fürs Genre neuen und relevanten Perspektive, Spannung, Atmosphäre und Umsetzung stehen dabei eher hintenan.
18.04.2026: „Nightborn“
Darum geht’s: Jon (Rupert Grint) und Saga (Seidi Haarla) haben die perfekte Beziehung. Das einzige, das zu ihrem Glück noch fehlt, sind Kinder. Damit diese in der Natur aufwachsen können, zieht das Paar in Sagas Elternhaus in den finnischen Wäldern. Nach der Geburt ihres Sohnes, merkt Saga sofort, dass mit ihm etwas nicht stimmt, doch ihr Umfeld und Ehemann Jon sind sich sicher, dass sie einfach überfordert ist. Was ist die Wahrheit?
Nichts ist gruseliger als die Realität
„Nightborn“ beginnt mit einer kurzen Botschaft von Regisseurin Hanna Bergholm, die unter anderem für den Film „Hatching“ bekannt ist. Ihr neuer Film ist nicht nur Fiktion, sondern auch von Bergholms eigenen Erfahrungen des Mutter-Seins geprägt und befasst sich hauptsächlich mit diesem Thema. Der Film kommt dabei völlig ohne Jumpscares aus und erschafft mit dunklen Bildern eine düstere, wilde Atmosphäre, die den ungezähmten finnischen Wäldern in nichts nachsteht. Ohne Jumpscares heißt aber natürlich nicht ohne Body Horror, der bei „Nightborn“ im Vordergrund steht.
Obwohl auch externe Faktoren (und Kreaturen) ihren Weg in „Nightborn“ finden, ist der wahre Horror des Films die Erfahrung von Saga als Mutter. Dabei wird nicht nur thematisiert, was Schwangerschaft und Geburt für körperliche Auswirkungen auf sie haben, sondern auch, wie ihr Umfeld sie mit ungebetenen Meinungen und Observationen zu ihrem Sohn und ihrem Umgang mit ihm überschütten. Auch ihr eigener Mann Jon, der sich bemüht, Saga zu unterstützen, aber sich einfach nicht in sie hineinversetzen kann, denkt, er wüsste es besser und dass seine Frau einfach überfordert ist.
Gerade deswegen ist „Nightborn“ ein wertvoller Film für alle Arten von Zuschauer:innen. Die einen können sich mit Sagas Erlebnissen identifizieren, die anderen verstehen durch die Perspektive hoffentlich ein kleines bisschen mehr – was es heißt, Mutter zu sein, wie vielschichtig die Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind ist und vor allem wie viel eine Mutter bereit ist, für ihr Kind zu opfern. Als kleinen Bonus enthüllt der Abspann, dass die Growls im Film von Max Cavalera stammen. „Was für Growls“, fragt ihr euch? Das findet ihr am besten selbst heraus.
19.04.2026: „Imposters“
Darum geht’s: Marie (Jessica Rothe) und Paul (Charlie Barnett) ziehen mit Baby Theo für einen Neuanfang aufs Land. Bemüht, sich in die Gemeinde zu integrieren, schmeißen sie eine kleine Party – doch auf einmal verschwindet Theo spurlos. Die Suche nach ihm bringt Risse in der Beziehung zum Vorschein, die das Paar eigentlich heilen wollte. Auch als Marie Theo tatsächlich in einer mysteriösen Höhle findet und nach Hause bringt, entspannt sich die Situation nicht. Viel mehr stellt sich die Frage: Ist dieses Baby wirklich ihr Sohn?
Nicht die Mama(?)
„Imposters“ läuft in Hamburg am letzten Tag des Fantasy Filmfests und beweist wieder einmal, dass es nicht umsonst heißt: „Das beste kommt zum Schluss.“ Dabei sind nicht nur die Buchstaben im Filmtitel verdreht, sondern auch in der Handlung lauern Twists und Turns an jeder Ecke. Darauf liegt auch der Fokus – obwohl es einige Horror-Elemente und spannungsvolle Momente gibt, hat „Imposters“, das bei den Fantasy Filmfest Nights 2026 als Horror Mystery angekündigt wird, mehr Thriller-Charakter und widmet sich tiefgehenden Fragestellungen von unterschiedlichen Perspektiven.
Das klingt sehr vage, aber es ist schwer möglich, die Handlung von „Imposters“ zu beschreiben, ohne zu spoilern. Je weniger Zuschauer:innen vorher über ihn wissen, desto besser wird der Film sein volles Potenzial entfalten können. Neben Plot-Twists und großen Reveals sind Jessica Rothe und Charlie Barnett aber die großen Stars der Leinwand. In zahlreichen Close Ups sehen wir jedes Wimpernzucken und jede Emotion aus nächster Nähe – und davon gibt es mehr als genug.
Einzig das Erzähltempo könnte bei „Imposters“ noch etwas verbessert werden. Nach einem mysteriösen und faszinierend Start ist der Film bis zum großen Reveal sehr kurzweilig. Doch auch wenn es durchaus zum Film passt, sich stellenweise leicht repetitiv durch ein Labyrinth zu winden, zieht sich der Teil nach der ersten Auflösung ein bisschen zu lang und versucht, die Adrenalinausschüttung über einen zu langen Zeitraum zu maximieren. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. „Imposters“ betrachtet bekannte Motive von weniger bekannten Blickwinkeln und bietet mehr als genug Raum zum Mitfiebern, Philosophieren und gelegentlichen Gruseln.
Wer nach den Fantasy Filmfest Nights 2026 hungrig auf mehr ist, kann sich jetzt bereits auf das 40. Jubiläum des „großen“ Fantasy Filmfests freuen. Festivalpässe – wie gewohnt in Kombination mit dem dazugehörigen T-Shirt – für die 40. Ausgabe des Fantasy Filmfests sind bereits hier verfügbar. Stattfinden wird es im September in sieben verschiedenen Städten, die Termine seht ihr hier:
Berlin: 02. – 09.09.2026
Hamburg: 02. – 09.09.2026
München: 09. – 16.09.2026
Köln: 09. – 16.09.2026
Stuttgart: 09. – 16.09.2026
Nürnberg: 16. – 23.09.2026
Frankfurt: 23. – 30.09.2026
