Backstabbed und Boundaries Breaking Hardcore mit Herz und Humor
Special
Im zweiten Teil des „Metal Minds“-Podcast-Specials zum Family & Friends Fest sind BACKSTABBED zu Gast. Sänger Maxi und Rhythmusgitarrist Patrik sprechen über Hardcore ohne Schubladendenken, den Stellenwert von Mental Health und darüber, warum Humor und Ernsthaftigkeit bei dieser Band kein Widerspruch sind.
BACKSTABBED: Hardcore mit Haltung und Augenzwinkern
„Germany’s heaviest Boy Group“ nennen sich BACKSTABBED selbst. Ein Label, das weniger als Größenbehauptung funktioniert, sondern vielmehr als ziemlich treffende Selbstbeschreibung. Die Band aus dem Süden nimmt ihre Musik ernst, sich selbst aber nicht zu sehr. Der Begriff ist entstanden aus einem augenzwinkernden Spiel mit dem eigenen Namen, einem Backstreet-Boys-Intro und der Erkenntnis, dass ein guter Spruch manchmal mehr über eine Band verrät als jede Genrebezeichnung.
Musikalisch bewegen sich BACKSTABBED im Hardcore, ohne sich dort allzu brav einzurichten. Rap-Parts, Funk-Grooves, tanzbare Momente und massive Breakdowns stehen nebeneinander, ohne dass die Band daraus ein Konzeptalbum über Grenzüberschreitung machen müsste. Es geht weniger um kalkulierten Stilbruch als um ein pragmatisches „Wir machen, worauf wir Bock haben“. Gerade in einer Szene, in der Genregrenzen und Codes bisweilen sehr ernst genommen werden, wirkt das angenehm unverkrampft.
Zwischen Quatsch und Klartext: BACKSTABBED
Der Kern von BACKSTABBED liegt dabei nicht allein in der musikalischen Offenheit, sondern in einer Haltung, die Maxi und Patrik im Gespräch sehr klar benennen. Mental Health ist für die Band kein beiläufiges Thema, sondern ein zentraler Bezugspunkt. Fünf von sechs Personen im erweiterten Bandumfeld seien in Therapie, erzählt Maxi. BACKSTABBED sprechen offen darüber: auf der Bühne, am Merch-Stand und in ihren Texten.
Das ist nicht als Pose gemeint, sondern als Einladung. Die Band will Menschen ermutigen, über Belastungen zu sprechen, sich Hilfe zu suchen und psychische Krisen nicht als persönliches Scheitern zu werten. Dass nach Shows Menschen auf sie zukommen und erzählen, dass sie sich in den Lyrics wiederfinden, zeigt, wie wichtig solche Räume gerade im Hardcore sein können: nicht als therapeutischer Ersatz, sondern als Moment der Verbindung, des Wiedererkennens und der Enttabuisierung.
„Self-Fulfilling Tragedy“ und der Blick nach vorn
Die aktuelle EP „Self-Fulfilling Tragedy“ ist entsprechend persönlich geprägt. Maxi beschreibt sie als Verarbeitung einer schwierigen Lebensphase, in der Beziehungsthemen, Verluste und familiäre Einschnitte eine Rolle spielten. Die vier Songs lassen sich als unterschiedliche emotionale Phasen lesen, ohne sich dabei in der Dunkelheit zu verfangen. Auch hier bleibt die Botschaft der Band bodenständig: Nach einem Tief kann wieder ein Hoch kommen. Nicht sofort, nicht automatisch, aber möglich.
Diese Mischung aus Schwere und Zuversicht passt gut zu BACKSTABBED. Die Band sucht nicht den Pathosmoment, sondern bleibt nah an sich selbst: ernst, wenn es nötig ist; albern, wenn es gut tut und hart, wenn es musikalisch passt. Genau darin liegt ihre Stärke. BACKSTABBED steht für einen Hardcore, der Szene-Wurzeln respektiert, aber nicht vor ihnen erstarrt. Für eine Band, die lieber ehrlich aneckt, als sich sauber einsortieren zu lassen.
Beim Family & Friends Fest wirkt das folgerichtig. Zwischen befreundeten Bands, Jugendzentrums-Spirit und Festivalbühne passt BACKSTABBED in ein Umfeld, das von Gemeinschaft lebt. Und vielleicht beschreibt genau das diese Episode am besten: BACKSTABBED sind keine Band der großen Überhöhung. Sie sind eine Band, die Haltung zeigt, ohne dabei den Humor zu verlieren.
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