Highfield Festival One Last Dance: Episode 1 mit KAFVKA über Solidarität, Widerstand und Gemeinschaft

Special

Auf dem Highfield Festival haben Jonas, Philipp und Alessio von KAFVKA darüber gesprochen, warum kleine Kulturorte gesellschaftlich wichtig sind, weshalb Gemeinschaft für ihre Musik zentral ist und warum Reichweite mit Verantwortung einhergeht.

Seit ihrer Gründung 2013 ist KAFVKA Schritt für Schritt gewachsen. Mit „Alle hassen Nazis“ erreichte die Band 2018 ein deutlich breiteres Publikum. Inzwischen gehören Rock am Ring und Shows im Vorprogramm der Ärzte ebenso zu ihrer Geschichte wie jene kleinen Soli-Konzerte, mit denen sie begonnen haben.

Beide Welten existieren bis heute nebeneinander. Unmittelbar vor dem Highfield spielte die Band zwei Soli-Shows in Sachsen-Anhalt. Den Unterschied beschreibt sie deutlich: Auf dem Festival herrsche Ekstase, in den kleinen Räumen sei angesichts der politischen Situation vor Ort ein größerer Ernst zu spüren.

KAFVKA entscheiden sich bewusst für Regionen, in denen größere Bands seltener Halt machen. Sie wollen Menschen unterstützen, die sich dort für ein solidarisches Miteinander engagieren und ihnen zeigen, dass ihre Arbeit gesehen wird.

KAFVKA: Solidariät

Wirtschaftlich gesehen sind solche Konzerte kein Selbstläufer. Auf die entsprechende Frage antwortet die Band knapp: „Wir zahlen drauf.“

KAFVKA reist mit einer kleineren Crew, deren Mitglieder ebenfalls zu reduzierten Konditionen arbeiten. Die Kosten werden über die Festivalsaison hinweg mitgetragen. Auch die Clubs vor Ort investieren Arbeit und Ressourcen. Haltung wird damit praktisch: Sie beeinflusst Tourrouten, Kalkulationen und die Entscheidung darüber, welche Orte eine Band mit ihrer inzwischen gewachsenen Reichweite unterstützt.

Große Festivals haben darin eine eigene Funktion. Dort erreicht KAFVKA neben der eigenen Fanbase auch Menschen, die zunächst wegen der Musik oder des Festivals vor der Bühne stehen. KAFVKA versteht diese Reichweite als Möglichkeit, Werte wie Solidarität, Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme sichtbar zu machen und sie mit einem breiteren Publikum zu teilen.

Der Pit als gemeinsamer Raum

Awareness-Ansagen gehören fest zu den Shows. Wer im Pit viel Raum einnimmt, wird an seine Verantwortung gegenüber anderen erinnert. Marginalisierte Personen sollen wissen, dass ihre Sicherheit mitgedacht wird.

Die Ansagen setzen einen Rahmen für den gemeinsamen Raum: Rücksicht, Aufmerksamkeit und die Gewissheit, dass hingeschaut wird. Der Pit wird damit im Kleinen zu einem Ort, an dem ausgehandelt wird, wie Freiheit und Verantwortung miteinander funktionieren.

Dass Musik gemeinschaftlich weitergetragen werden kann, zeigt auch „Alle hassen Nazis“. Der Song läuft auf Demonstrationen und wurde inzwischen von anderen Künstlern aufgegriffen, unter anderem in einer Metalcore-Version. KAFVKA begrüßt das. Bei solchen Liedern, sagt die Band, sei es irgendwann so: „Die gehören dann einfach allen.“

Kleine Clubs als demokratische Infrastruktur

Mehrere Mitglieder von KAFVKA sind selbst in kleineren Städten aufgewachsen. Entsprechend nah ist ihnen die Situation von Clubs, Jugendzentren und Festivals außerhalb der großen Zentren.

Bei den jüngsten Soli-Shows standen hundert oder zweihundert Menschen in kleinen Räumen. Gerade diese Nähe verleiht der Band eine Energie, die sich auf großen Festivalbühnen kaum reproduzieren lässt. Gleichzeitig erlebt KAFVKA, wie solche Orte unter wirtschaftlichem und politischem Druck geraten. Kleine Clubs und Jugendzentren sind wichtige kulturelle Infrastruktur. Sie schaffen Treffpunkte und Schutzräume, ermöglichen jungen Szenen erste Erfahrungen und geben Menschen die Möglichkeit, selbst Veranstaltungen, Initiativen und Gemeinschaften zu organisieren.

Besonders außerhalb großer Städte können sie Orte gelebter Teilhabe sein. Doch auch kommunale Entscheidungen, Genehmigungen und Auflagen bestimmen darüber, welche Kultur vor Ort möglich bleibt, gibt die Band zu bedenken. Ihnen ist wichtig, dass sich die Menschen vor Ort nicht abgehängt oder alleingelassen fühlen. Kultur kann dazu beitragen, dass sichtbar bleibt, was eine Region selbst hervorbringt.

KAFVKA: Empathie als Ausgangspunkt

Dieser Blick prägt auch die Texte der Band. Jonas beschreibt Empathie als wesentlichen Ausgangspunkt seines Schreibens. Viele Erfahrungen, über die er schreibt, betreffen ihn selbst nicht unmittelbar. Durch Freundschaften, Demokratiearbeit und Begegnungen mit Menschen, die Ausgrenzung erfahren, werden gesellschaftliche Konflikte für ihn konkret.

Diese Nähe fließt in die Songs ein. Gleichzeitig erlebt die Band, was die Musik bei anderen auslösen kann. Menschen erzählen nach Konzerten oder in Nachrichten, dass ihnen Songs und Alben Kraft geben. Solche Rückmeldungen stärken wiederum KAFVKA selbst.

„Wir haben das Privileg, so laut gehört zu werden“

Die eigene Rolle beschreibt die Band dabei ohne großes Pathos. Jonas spricht von einem Privileg: „Wir haben das Privileg, so laut gehört zu werden und das wollen wir einfach nutzen.“

Daraus möchte sie keinen besonderen Mut ableiten. Eine linke Haltung sei für einen privilegierten weißen Mann kein Grund zur Selbstüberhöhung. Entscheidend sei, was mit der vorhandenen Reichweite geschieht.

Am 4. September erscheint mit „Widerstand“ die erste Single des kommenden Albums, das derzeit für Mai 2027 geplant ist. Teile des Videos entstanden während des Highfield-Auftritts gemeinsam mit dem Publikum. Für KAFVKA richtet sich der Song an Menschen, die sich für eine solidarische Gesellschaft engagieren. Seine zentrale Botschaft ist entsprechend einfach: Schön, dass ihr da seid. Wir müssen zusammenhalten.

Quelle: Interview Highfield 2026
02.09.2026

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