KOCHKRAFT DURCH KMA: Wut, Widerstand und die Magie des Gemeinsamseins

Special

Zwischen Elektropunk, Hardcore und Rave macht KOCHKRAFT DURCH KMA aus gesellschaftlicher Wut tanzbare Musik. Mit „Olympia“ wird Widerstand zur sportlichen Disziplin, mit „Cock am Ring“ aus Kritik an Festival-Line-ups ein eigenes Projekt. Wie die Band musikalisch und organisatorisch zusammenarbeitet und was das Tourleben ihr abverlangt, erzählen Lana und Ole bei „Metal Minds: The Pit Unplugged“.

Steinewerfen als olympische Disziplin? Mit ihrer Single „Olympia“ verwandeln KOCHKRAFT DURCH KMA politischen Widerstand in einen Wettbewerb. Die Idee entstand beim Songwriting aus Lanas Wunsch, erneut über Protest zu schreiben, ohne die bekannten Bilder zu wiederholen. Die sportliche Überzeichnung schafft Distanz und verleiht dem Thema zugleich eine spielerische Note. Doch hinter dem Humor steckt eine ernsthafte Überlegung: Was geschieht mit gesellschaftlicher Wut, wenn sie keinen Ausdruck findet?

Lana betrachtet Wut als möglichen Ausgangspunkt für Veränderung. Ihr geht es darum, aufzustehen, die eigene Stimme zu erheben und aktiv zu werden. „Ich möchte nicht, dass diese Energie verpufft, sondern sie nutzen, damit daraus etwas Besseres wird.“ Die Steine in „Olympia“ bleiben deshalb ein Sinnbild. Der Song fordert zum Widerstand auf, ohne reale Gewalt zum Ziel zu erklären.

Im Band-Hamsterrad: Wenn Leidenschaft an ihre Grenzen stößt

Dass Veränderung Ausdauer erfordert, weiß die Band auch aus dem eigenen Alltag. Auf der vergangenen Tour standen rund 23 Konzerte, dazu kamen Festivalauftritte, Supportshows und Veröffentlichungen. Lana arbeitet bewusst nur vier Tage pro Woche, um Zeit für KOCHKRAFT zu schaffen. Zwischen Anreise, Aufbau, Soundcheck und nächtlicher Weiterfahrt bleibt wenig Raum für Erholung.

Ole kennt diese Belastungen auch aus seiner Arbeit hinter den Kulissen anderer Konzertproduktionen. Er beobachtet, wie Bands trotz aller Leidenschaft an ihre Grenzen stoßen: „Nicht, weil sie’s nicht wollen, sondern weil’s einfach nicht mehr geht.“ Was häufig als mangelndes Durchhaltevermögen erscheint, kann ebenso das Ergebnis wirtschaftlicher und körperlicher Überlastung sein. Viel zu spielen bedeutet schließlich noch lange nicht, von der Musik leben zu können.

KOCHKRAFT begegnet diesen Anforderungen mit klar verteilten Aufgaben und einem eingespielten Team. Beray produziert, Nicki organisiert und entwickelt musikalische Ideen, Lana kümmert sich unter anderem um das Merchandise. Ole findet als neues Mitglied seinen Platz in diesen Abläufen. Dazu kommt eine Crew für Tourmanagement, Ton, Licht und Backline. Oles Beschreibung der gemeinsamen Superkraft fällt entsprechend nüchtern aus: Resilienz und Teamwork.

Diese Zusammenarbeit prägt auch die Musik. Nickis klassische Ausbildung trifft auf Punk- und Metalwurzeln, elektronische Klänge auf tief gestimmte Gitarren. Entscheidend bleibt der Song. Ein Instrument darf zurücktreten, wenn ein anderes die musikalische Idee besser trägt. Das bedeutet auch, Vorschläge zu verwerfen und unterschiedliche Vorstellungen zu tolerieren. Lana kennt die Enttäuschung, wenn ein vermeintlich großartiger Text innerhalb der Band keine Zustimmung findet. **Solche Entscheidungen können wehtun, gehören für sie aber zum gemeinsamen Songwriting: Die eigene Idee muss sich am Ende gegen die Vorstellungen der anderen behaupten können.**

Inzwischen setzt KOCHKRAFT stärker auf stimmige Arrangements und eine bewusst gestaltete Live-Dramaturgie. Früher hat die Band mitunter absichtlich gegen musikalische Erwartungen gearbeitet. Heute sieht Lana das gelassener: „Irgendwann ist es auch ausgespielt, nur Anti zu sein.“

KOCHKRAFT durch KMA und Cock am Ring: Sichtbarkeit beginnt vor dem Festivalplakat

Wie aus Haltung praktisches Handeln entstehen kann, zeigt „Cock am Ring“. KOCHKRAFT wollte auf die ungleiche Geschlechterverteilung auf Festivalbühnen aufmerksam machen. Dafür initiierte die Band einen Sampler, auf dem 24 FLINTA+-Acts Songs von männlich besetzten Bands aus dem Rock-am-Ring-Line-up coverten. Gemeinsam mit dem Label Ladies & Ladys entstand 2022 daraus ein Festival.

Die Initiative stellt ein verbreitetes Argument infrage: Angeblich gebe es zu wenige geeignete Acts. Lana sieht das Problem vielmehr in mangelnder Suche, mangelnder Unterstützung und mangelnder Sichtbarkeit. Ihre eigene Geschichte verdeutlicht, wie früh solche Hürden entstehen. Als Jugendliche konnte sie sich kaum vorstellen, selbst in einer Band zu spielen. Erst eine zufällige Begegnung eröffnete ihr diese Möglichkeit.

Wer sich auf Bühnen wiederfindet, erkennt leichter die eigenen Möglichkeiten. Deshalb reicht es nicht, erst beim fertigen Festival-Line-up über Gleichberechtigung zu sprechen. Nachwuchsförderung, Zugänge zu musikalischen Netzwerken und Vorbilder entscheiden mit darüber, wer später überhaupt für ein Booking infrage kommt.

Auf der Bühne kommen diese Gedanken wieder zusammen. KOCHKRAFT will Räume schaffen, in denen Menschen für einen Abend ihre Sorgen abschütteln können. Ole erzählt von Nachrichten aus dem Publikum, in denen Menschen schildern, wie sehr ihnen ein Konzert nach einem schwierigen Tag geholfen hat. Auch die Band schöpft daraus Kraft.

Eine olympische Disziplin verlangt Training, Ausdauer und ein eingespieltes Team. All das bringt KOCHKRAFT mit auf die Bühne. Ihre eigentliche Superpower entfaltet sich jedoch erst im Zusammenspiel mit dem Publikum: Wenn aus der Wut in den Songs gemeinsame Energie wird und sich am Ende alle miteinander in eine bessere Verfassung getanzt haben.

Quelle: Interview Lana und Ole
08.11.2026

Musik ist mehr als Klang: Sie erzählt von Leben, Leidenschaft, Aufbruch und Ankommen. Sie ist Kunst: roh, echt und einzigartig. Ihre Bedeutung entfaltet sich im Resonanzraum zwischen uns und der Welt. Come as you are!

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