Haggefugg: Zehn Jahre Wahnsinn, Rock und Dudelsack

Special

Beim Rockharz Festival sprachen Tim und David von HAGGEFUGG über den langen Weg von der Spaßkanone zur ernstzunehmenden Live-Band und darüber, warum hinter Dudelsack-Partyriffs mehr steckt, als man ahnt.

Von der Vorband zur Headliner-Tour

Jahrelang war HAGGEFUGG das, was Festivalplaner gerne für die frühen Slots buchen: eine dreißigminütige Energiebombe, die das Publikum aufwärmt. Das hat sich geändert. Im Frühjahr 2026 absolvierte die Band ihre erste eigene Headline-Tour. Rund 75 Prozent der Shows waren ausverkauft, und im Publikum standen Menschen, die die Band seit Jahren begleiten. „Das war quasi eine Reminiszenz an die letzten zehn Jahre“, sagt David im Interview. Für 2027 ist bereits das nächste Album in Planung: möglicherweise unter demselben Titel wie die anstehende Tour: Wahnsinn, Rock & Dudelsack

HAGGEFUGG: Mehr als plumpe Saufsongs

HAGGEFUGG verpackt ernste Themen bewusst in eingängige Melodien. Das war nicht immer so, doch über die Jahre und mit wachsender Öffentlichkeit ist auch das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung gestiegen. Ihr Song „Lasterkahn“ wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Trinkgesang, thematisiert bei näherer Betrachtung jedoch Alkoholmissbrauch. „Brennende Welt“ handelt von Depressionen und mentaler Gesundheit. „Spieglein“ übt Kritik an Social-Media-Konsum und Cybermobbing, und „Märchenwald“ – derzeit der meistgestreamte Track der Band – entstand in der Corona-Zeit als humoristische Aufforderung zum kritischen Denken gegen eine Flut an Fehlinformationen.

„Ich mag es nicht, die ganze Zeit Moralapostel auf der Bühne zu spielen, aber ich mag es, solche Botschaften zu verpacken und den Leuten zu erlauben, einfach abzufeiern. Und wenn man genauer hinhört, findet man den doppelten Boden“, erklärt David.

Die Haggevollen: Eine Community, die trägt

Ein besonderes Kapitel in der Bandgeschichte ist die Fanbase, die sich während der Pandemie formiert hat. Über einen Discord-Server, auf dem die Band wöchentliche Online-Spieleabende veranstaltete, entstand ein enger Kern treuer Unterstützer, die sogenannten Haggevollen, ein Name, den die Fans selbst gewählt haben. Sie helfen beim Merch-Stand, organisieren gemeinsame Anreisen und unterstützen Konzertbesuche von Fans mit kleinem Budget. „Wir haben den Discord-Channel seit vier Jahren. Wir mussten erst einmal eine Nachricht wegmoderieren“, berichtet Tim, ein beeindruckendes Zeugnis für die Qualität dieser Community.

Hexenkessel: Vom Musiker zum Veranstalter

Zum zehnjährigen Jubiläum gründeten HAGGEFUGG das eigene Festival Hexenkessel in Köln. Ein ausverkaufter Erfolg, der nun zur festen Institution werden soll. Am 29. August findet die zweite Ausgabe im Bürgerhaus Stollwerck statt.

HAGGEFUGG Leidenschaft ohne Lohn – noch

Was das Gespräch besonders ehrlich macht: HAGGEFUGG spricht offen über die finanzielle Realität des Bandlebens. Erst seit diesem Jahr zahlen sie sich nach Konzerten überhaupt etwas aus. Nach zehn Jahren, in denen jeder Euro zuerst in Crew, Proberaum und Equipment floss. Tims Wunsch für die Zukunft formuliert er schlicht: mehr – mehr Bühnen, mehr Fans, mehr Reichweite. Davids Wunsch fällt nüchterner aus: finanzielle Freiheit, um endlich die Leidenschaft zum Beruf machen zu können.

HAGGEFUGG ist eine Band, die zeigt, dass nachhaltige Karrieren nicht über Nacht entstehen, sondern durch Konsequenz, Gemeinschaft und den Mut, hinter Partyriffs echte Botschaften zu verbergen.

Quelle: Haggefugg Interview Rockharz 2026
12.08.2026

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