Gorilla Monsoon
Interview mit Schlagzeuger Drumster zu "Firegod – Feeding The Beast"

Interview

Gorilla Monsoon

Viel zu lange war es still um GORILLA MONSOON, aber jetzt sind die Dresdener endlich mit einem fetten neuen Album namens „Firegod – Feeding The Beast“ zurück, welches erneut eine kraftvoll coole, Testosteron-geschwängerte Mischung aus Stoner Rock, Sludge, Southern und Doom Metal bietet. Es berichtet Schlagzeuger Drumster!

Offensichtliche Frage zuerst: Warum hat es 7 Jahre nach „Extermination Hammer“ gedauert, bis endlich mit „Firegod – Feeding The Beast“ der Nachfolger vorliegt? Was habt ihr in der Zeit alles gemacht?

Ja, berechtigte Frage. Eins vorweg; das war auf keinen Fall so geplant! Ich versuche es kurz zu machen: Nach dem Release der „Extermination Hammer“ im November 2008 spielten wir 2009/2010 erst mal Shows, wo auch eine Tour mit DISBELIEF und LAY DOWN ROTTEN darunter war. Im Herbst 2010 musste Phil (Gitarrist, Anmerk. d. Verf.) dann die Band verlassen. Was bedeutet, dass wir erst mal einen Neuen finden mussten. Das dauert, da Leute, die für uns in Frage kommen, entweder schon funktionierende Bands haben, Arschlöcher sind oder zu weit weg wohnen. Im Frühjahr 2011 fanden wir dann K.K. Natürlich musste der den Leuten vorgestellt werden, was wieder spielen, spielen und nochmals spielen bedeutete. Allerdings hat er sich wirklich schnell eingegroovt, so dass wir beizeiten mit dem Schreiben von neuen Songs beginnen konnten. Das war so Ende 2011.

Dann waren wir noch auf einer Tschechien/Österreich-Tour mit BEISSERT. Daraufhin haben wir uns 2012 ein bisschen mehr auf das Ausland konzentriert, was das Live Spielen anbelangt. Parallel dazu waren wir aber immer am Songs schreiben, so dass wir im November 2012 schon ins Studio gegangen sind. Da haben wir in der gebuchten Zeit aber nicht alles geschafft einzuspielen und weil schon andere Bands sich eingeloggt hatten, mussten wir bis März 2013 warten. Also, das Album war im März 2013 fertig eingespielt, ist immer noch eine lange Zeit aber…!

Dann haben wir ewig am Mastering rumgefeilt, weil wir es nach so langer Zeit natürlich extra gut machen wollten. Allerdings brauchten wir dann frische Ohren, weil wir es wirklich totgehört haben.. Deshalb haben wir das Album nochmal in einem anderen Studio, im Temple Of Disharmony, von Patrick W. Engel mastern lassen. So weit so gut. Jetzt fehlte bloß noch ein Label. Der Vertrag mit Wacken Records war abgelaufen, was nicht so schlimm war, da ihr Vertrieb, SPV, damals insolvent ging. Das war aber schon 2011, glaub ich. Was auch bedeutete, dass wir Kohle brauchten, da wir die Recordings selber finanzieren mussten. Also wieder spielen. Ich springe in den Zeiten hin und her… Tja und dann hatten Supreme Chaos Records Interesse – wir haben mittlerweile (wieder) 2014 – und schließlich dauert so ein Release Plan eines Labels auch so seine Zeit. Das will ja alles ordentlich vorbereitet sein, Promotion und so… Und Zack war’s 2015. 

In welchem Zeitraum entstanden die Songs und habt ihr irgendwas an eurer Herangehensweise geändert?

„Firegod“ ist der älteste Song, den hatten wir schon Ende 2008. Die anderen sind alle mit K.K. 2011/2012 entstanden. Die Herangehensweise war wie immer. Einer, meistens Jack (Sabbath, Gitarrist, Anmerk. d. Verf.), aber nicht immer, hat eine Riffidee und das wird dann gejammt, oder mit vorherigen Ideen zusammen probiert. Dann kann es sein, dass ein halber Song paar Monate auf Halde liegt, weil wir nicht weiter kommen. Irgendwann wird’s schon passen. Für das Album war es auch oft so, dass Jack und ich für manche Songs allein zusammen das grobe Gerüst schufen und wir später mit den anderen die Feinheiten ausarbeiteten. Wobei ausarbeiten in unserem Falle bedeutet, dass wir den Song immer wieder und wieder spielen und jeder immer mehr Details einbringt. Sprich der Song entsteht durchs ständige zocken.

Was besagt genau das „Law Of The Riff“?

Bei uns steht IMMER zuerst das Riff. Keine Melodielinie, kein Konzept, obwohl das vielleicht auch mal ein Versuch wert wäre… Jedenfalls entsteht der ganze Rest um das Riff herum. Es bestimmt den ganzen restlichen Song. Und ja, wir stehen halt auf diese fetten Grooveschweine. Um diese herauszustellen, bedarf es manchmal eines stillen Moments, den ja das Urriff quasi dann auch bestimmt hat. Oder eben „Deeper, Harder, Louder“. Das geht natürlich auch, hähä.

Welche Bedeutung steckt hinter dem Albumtitel „Firegod – Feeding The Beast“?

Hm, also der Firegod ist Satan. Der wird ja, im übertragenen Sinne, ständig gefüttert. Von allen! Angefangen von einer kleinen alltäglichen Lüge über Selbstbetrug, ungerechte Entscheidungen, Verbrechen… Solange die Menschheit existiert, wird es das geben. Jeder sollte das bekommen, was er verdient. Aber das sind jetzt nur meine Ansichten. Der Titel steht frei, von jedem auf seine Art und Weise interpretiert zu werden.

Worin seht ihr selbst die Unterschiede zwischen „Firegod – Feeding The Beast“ und euren vorherigen Veröffentlichungen?

Ich selbst sehe ehrlich gesagt keine sooo großen Unterschiede, was allerdings einer gewissen Betriebsblindheit geschuldet sein kann. Wir haben unseren Stil nicht groß verändert, jedoch bereichert. Über die Jahre entwickelt man sich schließlich. Wir nehmen jetzt eben auch mal Druck raus, um eine Dynamik zu erschaffen. K.K.s Solos sind eine Bereicherung, außerdem kann er gut singen, was wir gleich für Backingvocals ausgenutzt haben. Definitiv eine Neuerung. Und ich glaube, wir sind auch noch Metal-lastiger geworden als wir eh schon waren. Wir machen uns auch mehr Gedanken um die Songs. Bis da einer abgesegnet ist, kann das schon eine Weile dauern. Nennt man das jetzt reifer?

In eurer Musik findet sich diese sumpfige New Orleans Atmosphäre. Woher kommt sie?

Wir stehen auf diese ganze Southern Clique. Sprich CROWBAR, C.O.C., EYEHATEGOD etc. Da kommen wir alle auf einen Nenner. Nun ist es aber nicht so, dass wir das bewusst konstruieren. Jack hört z. B. auch sehr viel alten Blues, was ja auch ein Einfluss o.g. Bands ist. Ebenso wie BLACK SABBATH –  immer noch die Band aller Bands. Vielleicht ist auch unsere Attitüde ähnlich wie dort. Ich habe mir diese N.O.L.A. Doku angeschaut und viele Parallelen zu uns entdeckt, was so Persönlichkeiten und Einstellungen angeht. Aber um ehrlich zu sein, habe ich auf diese Frage keine befriedigende Antwort. Das entsteht einfach so.

Wie kam der Vertrag mit Supreme Chaos Records zustande?

Wir hatten mit le Chef Robby schon vorher ab und zu Kontakt. Er hatte uns ein paar Mal live gebucht. Stalin, unser langjähriger Booker, meinte, dass wir uns doch mal bei ihm melden sollten. Wir trafen uns dann auf einem kleinen Festival, wo auch unsere jetzigen Labelkumpels UNDERTOW spielten. Da haben wir die Konditionen bequatscht, gekannt und für gut befunden hatte er uns ja schon. Wir konnten uns einigen und das war’s dann. Wir mussten mit Blut unterschreiben, unsere Frauen verkaufen und essen nur noch Würmer aus der Erde, unsere Seelen waren ja schon irgendwo für einen Kasten Bier flöten gegangen. Jetzt wird er steinreich, hähähähä.

Ihr habt erneut in den Absurd Studios in Hamburg aufgenommen. Never change a winning team? Was kannst du uns von den Aufnahmen erzählen?

Schrödey, DER Mann hinter dem Absurd Studio,  wollte unbedingt noch ein Album mit uns machen. Und da wir mit der „Extermination Hammer“ sehr zufrieden waren und wir uns auch mit ihm sehr gut verstehen, sind wir nochmal hoch zu ihm gefahren. Außerdem ist da eine Truckerkneipe gegenüber, die wirklich geiles Essen auftischt. Party kann man mit Schrödey auch sehr gut feiern. Alles wichtige Kriterien…

Die Aufnahmen an sich liefen relativ klassisch ab. Zuerst die Drums, wobei Jack mir live auf die Ohren spielte. Ohne Klick und nichts zusammengestückelt, keine Trigger. Danach kam der Bass, die Rhythmusklampfen, paar Solos, Gesang, fertig. In der Reihenfolge. Die längste Zeit haben wir eigentlich immer mit Soundfindung und –tüfteleien vertrödelt. Wir hatten auch einen Gast. Knypsi, ein alter Blueser und Kumpel von uns kam zu Besuch und hat die Mundharmonika bei „Shotgun Justice“ eingespielt. Alles in allem war es sehr entspannt und trotzdem kreativ. Von morgens bis abends geht’s nur um die Musik, kein Bullshit der stört. Fucking Magic!

Wie kam es eigentlich zur Trennung von eurem Gitarristen Phil? Und wie kam K.K. an Bord? Wie ist das Bandfeeling heutzutage?

Phil konnte einfach die Zeit und vor allem den Enthusiasmus nicht mehr aufbringen, den die Band GORILLA MONSOON erfordert. Wir sind keine Profiband, die von der Musik leben muss, dennoch sollten alle an einem Strang ziehen. Eine Band sollte ein Team, eine Mannschaft, vier Freunde sein. Wir haben ja auch lange Zeit, d.h. bestimmt ein ganzes Jahr uns das angeguckt und gehofft, dass das sich alles wieder einrenkt. Wir sind Kumpels, die in erster Linie auf die Hood zählen. Hat aber nicht funktioniert. Somit musste er die Band verlassen. Dann machten wir uns auf die Suche. Der erste Versuch war nicht so das Gelbe vom Ei. Dann erinnerte ich mich an K.K. Wir hatten ihn mal bei einem Gig im Vogtland (wo er her ist) getroffen. Ich checkte das Kollektivgedächtnis und auf Myspace fand ich eine ALICE IN CHAINS Coverversion von ihm, die mich umgehauen hat. Sie zeugte von sehr viel Feeling, das war der Punkt! Dieses hab ich dann den anderen gezeigt und die fanden die Idee gut. Daraufhin hab ich ihn einfach kontaktiert.

Er sollte sich, ich glaube „Codeine Commander“, „My Way“, „Damage King“ und „Death Revolution“ draufdrücken. Er hat sich das rausgehört und bei der nächsten Probe mit uns gezockt. Nahezu tadellos. Jack musste nur zweimal (insgesamt) einen Tipp geben.

Auch menschlich ist K.K. ein absoluter Glücksgriff, ein richtig feiner Kerl. Er hat uns auch wieder dieses „jetzt geht’s los“ Feeling gegeben. Wir sind jetzt tatsächlich das Ideal einer Band, wie sie sein sollte. Ich rede nur für mich als Drumster: Es war immer mein Ziel, Musik zu erschaffen, die ich in meinem scheiß Regal nicht finde, aber auf die ich grad Bock hab. Wenn ich mit den Jungs unterwegs bin, ist das das Größte für mich. Über die Jahre kennen wir die ganzen scheiß Macken von uns, und speziell ich bin bestimmt manchmal kein Geschenk. Aber es läuft, weil wir alle wissen, wie wir uns zu nehmen haben. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen „hippiejesk“, aber ich ich liebe diese Typen, diese Band, diese Musik, die wir erschaffen über alles. Ich wäre nicht mehr derselbe, wenn das irgendwann nicht mehr ist.

Was habt ihr in nächster Zukunft alles geplant?

Natürlich spielen, spielen, spielen. Ist heutzutage nicht mehr so einfach, wie’s früher mal war, aber drauf geschissen. Das ist jetzt unser Job. Wir müssen die „Alten“ ablösen. Wir (und ein paar andere) sind die scheiß Zukunft!

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Denkt nach und lasst euch nicht verarschen!

30.03.2015

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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