Hellripper
Man würde denken, dass es bei einem Solo-Projekt weniger Diskussionen gibt.
Interview
Mit „Coronach“ steht das vierte Album von HELLRIPPER in den Startlöchern und konnte sowohl in der Rezension als auch im Soundcheck blendend abschneiden. Wir haben uns Mastermind und Sympathiebolzen James McBain zum auführlichen Plausch über das neue Album, seine Inspirationsquellen und seine Arbeitsweise als Solo-Kämpfer geschnappt.
Zunächst einmal danke für deine Zeit und entschuldige im Voraus, falls ich einige oder sogar alle Songtitel des neuen Albums verhunze.
Alles gut!
Lass uns mit einem kleinen Rückblick anfangen. Dein letztes Album „Warlocks Grim & Withered Hags“ ist überraschend auf Platz 11 der UK Rock- und Metal-Albumcharts eingestiegen und wurde allgemein sehr gut aufgenommen. Hat dich dieser Erfolg beim Schreiben von „Coronach“ unter großen Druck gesetzt?
Nicht wirklich, ich denke beim Schreiben von Musik eigentlich gar nicht so sehr an Erfolg oder so etwas. Ich mache einfach das, was sich für mich natürlich anfühlt, und was für mich gut klingt, ist das Wichtigste. Ja, Warlocks Grim ist in ein paar Charts eingestiegen, auch in einige amerikanische Charts und in die UK Rock- und Metal-Charts, was unglaublich war, weißt du – für ein Album, das ich allein zu Hause aufgenommen habe. Und für ein Projekt, das vor etwa zehn Jahren oder so in meinem Schlafzimmer angefangen hat, als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe. Es ist wirklich großartig, diese Unterstützung von den Leuten zu bekommen.
Aber ja, die Hauptsache beim Schreiben ist einfach, was ich finde, was gut klingt und da steckt nicht viel mehr dahinter. Der einzige Druck, den ich spüre, kommt von mir selbst, etwas zu machen, das ich für gut genug halte und man würde denken, dass es bei einem Solo-Projekt weniger Diskussionen gibt. Aber es gibt viel Hin und Her mit mir selbst, wenn ich entscheide, welche Version eines Tracks die beste ist, in welche Richtung ich gehen sollte und all solche Dinge.
Auf „Coronach“ hast du wieder ein paar Experimente eingebaut. Das Songwriting hat ein paar mehr Details, aber das Black-Thrash- und Black-Speed-Metal-Fundament deiner Musik bleibt erhalten. Legst du beim Schreiben deiner Songs großen Wert darauf, eine Balance zu finden zwischen einem gewissen Maß an Experimentierfreude und Weiterentwicklung einerseits und dem treu bleiben zum Kernerlebnis andererseits?
Es hängt wirklich davon ab – ich meine, ich versuche, mir beim Schreiben keine Einschränkungen aufzuerlegen, außer dass ich möchte, dass der Black-Thrash-Kernsound so bleibt, wie er ist, damit dieser HELLRIPPER-Vibe erhalten bleibt. Abgesehen davon setze ich mir eigentlich keine Grenzen bei dem, was mir einfällt. Das kann bedeuten, dass es davon abhängt, was ein Song verlangt und in welcher Stimmung ich beim Schreiben bin.
Wenn ein Song fertig ist und nur zwei Minuten lang ist, mit nur zwei Riffs, so im Punk-Stil oder so, und es keine wirklichen Experimente gibt – wenn da alles passt, dann ist das für mich perfekt. Und wenn ein Song am Ende neun Minuten lang ist, mit unterschiedlichen Gesangsstilen und verschiedenen Instrumenten, dann ist das für mich genauso gut, solange er diese HELLRIPPER-Essenz hat, was ich eigentlich erst wirklich beurteilen kann, wenn ich ihn aufgenommen oder ausprobiert habe.
Und das ist ein Vorteil davon, alles selbst zu Hause aufzunehmen, weißt du – ich habe gewissermaßen unbegrenzt Zeit, um viele verschiedene Dinge auszuprobieren und zu experimentieren, und wenn etwas nicht funktioniert, kann ich es einfach entfernen oder löschen oder ändern oder woanders verwenden und es geht nichts dabei verloren. Es ist einfach ein Experiment, und wenn es funktioniert, dann perfekt – es bringt dem Sound etwas Neues.
Es fühlt sich so an, als könnte es manchmal schwierig sein, diese Balance zu treffen, weil es viele Bands gibt, die entweder in die eine oder die andere Richtung gehen. Sie halten entweder streng an ihrer etablierten Formel fest oder sie übertreiben es mit den Experimenten und riskieren, ihre Fanbase zu vergraulen. Gibt es Bands, die dich speziell inspiriert haben, was diesen Balanceakt angeht?
Ähm, ich bin mir nicht ganz sicher, das ist nichts, worüber ich wirklich nachdenke. Es gibt so viele verschiedene Arten von Musik, die ich liebe, weißt du, und ich höre alles Mögliche – Metal, elektronische Musik, Indie-Pop und viele verschiedene Unterarten von Metal. Und es gibt Bands, die ihren Sound im Laufe der Jahre verändert haben, die ich liebe, selbst wenn es in eine völlig andere Richtung geht. Zum Beispiel TRIBULATION. Sie haben als Death-Metal-Band angefangen und dann all diese Gothic- und Rock’n’Roll-Elemente eingebaut und ich liebe all ihre Musik. Ich finde alles was sie gemacht haben, war großartig.
Sogar eine Band wie METALLICA – weißt du, sie haben ziemlich geradlinigen Speed Metal auf „Kill Em All“ gemacht und als sie bei „And Justice For All“ ankommen, sind es dann diese ausufernden Songstrukturen und 10-minütigen Songs mit mehr progressiven Elementen. Also denke ich, es ist ganz natürlich, dass sich Bands auf irgendeine Weise verändern und es gibt ein paar, die irgendwie bei derselben Formel bleiben.
Es ist Musik und es ist Kunst, also gibt es kein richtig oder falsch darin, wie man Dinge macht, solange ein Song gut ist. Weißt du, das ist so mein Maßstab: Wenn ein Song gut ist, höre ich ihn mir an. Es ist mir egal, ob die Band ihren Stil komplett verändert hat oder was auch immer, aber bei dem, was ich für HELLRIPPER mache, möchte ich die Essenz von HELLRIPPER beibehalten, mit diesem Black-Speed-Sound im Kern.
Lass uns über die Musik und einige der experimentellen Sachen sprechen. Zum Beispiel gibt es da diesen kleinen, synthesizergetriebenen… nun ja… fast schon tanzbaren Part am Ende von „Hunderprest“, der einen schönen Kontrast zum eher bösartigen Rest des Songs bildet. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Ja, es gibt sozusagen zwei Teile am Ende von „Hunderprest“ und ich denke, dieser Song ist eine gute Repräsentation dieses Albums und davon, wo HELLRIPPER im Moment steht. Er hat so viele verschiedene Elemente – von Punk und eher atmosphärischen Parts über Black Metal bis hin zu melodischen Soli und so weiter. Aber ja, dieser Klavierpart mit dem verstimmt klingenden Klavier, der, wie du sagst, ziemlich tanzbar ist – der wurde von Musik aus der Stummfilmära inspiriert. Mir gefiel die Idee, einen alten, unheimlichen Klang zu haben, der das Thrash-Riff begleitet, und das leicht verstimmte Klavier fühlte sich wie eine coole Ergänzung zum Song an und für das Thema des Songs hatte ich das Gefühl, dass es passt.
Da gibt es diesen Spoken-Word-Abschnitt mit den Synths darunter, die sich von Lautsprecher zu Lautsprecher bewegen und von Sachen wie TYPE O NEGATIVE oder TRIBULATION beeinflusst sind. Du weißt schon, passend für einen Song über einen Vampir, natürlich. Und ja, ich denke, da sind viele Goth- und Post-Punk-Einflüsse wie diese drin, vielleicht auch Sachen wie HEXVESSEL. Es geht einfach darum, Einflüsse aufzugreifen, die ich normalerweise nicht in die Musik von HELLRIPPER einbaue und zu versuchen, sie mir zu eigen zu machen und in diesen Stil einzupassen.
Da gibt es diesen Klavierpart am Anfang von „The Art of Resurrection“, außerdem Dudelsäcke, die du ja schon früher verwendet hast, und sogar etwas Clean-Gesang im Titelsong. Musstest du dir dafür vorher neue Tricks beibringen oder waren das Dinge, auf deren Einsatz du schon länger gewartet hast?
Nein, ich musste absolut lernen und herausfinden, wie man diese Dinge richtig macht oder zumindest auf das Niveau bringt, das ich mir vorgestellt habe. Bei „The Art Of Resurrection“ gab es vorab beim Intro viel Experimentieren. Es durchlief mehrere verschiedene Versionen oder Klangvarianten.
Ursprünglich war die Idee, ein eher gitarrenbasiertes Intro mit einer psychedelisch wirbelnden Produktion im Stil von „Bleed The Freak“ von ALICE IN CHAINS zu haben. Das war meine ursprüngliche Vorstellung, aber es hat einfach nicht funktioniert. Dann habe ich einen Track von AGNES OBEL gehört, der auf Klavier und Cello basierte, und ich habe beschlossen, diesen Ansatz für das Intro zu versuchen. Das hat perfekt funktioniert und hat mich irgendwie dazu inspiriert, das Ganze mit dem lyrischen Thema des Edinburghs des 19. Jahrhunderts mit dunklen, nebligen, düsteren Straßen zu verbinden – das war ziemlich cool.
Und ja, es gibt ein paar verschiedene Clean-Gesangsparts auf dem Album, aber sie sind meist im Hintergrund, während sie beim Titelsong stärker im Vordergrund standen. Das hat lange gedauert, die richtige Balance zu finden. Ich hatte diese musikalische Idee und die Idee für den Clean-Gesang, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das umsetzen sollte und ob es überhaupt funktionieren würde. Und wieder war es einfach so ein Fall von: Ich musste es einfach aufnehmen und schauen, was funktioniert, ob es möglich ist und ob es Sinn ergibt.
Ich habe Clean-Gesang schon in anderen Projekten genutzt, aber nicht in diesem Stil und nicht in diesem Kontext. Also war es wirklich ein anderer Ansatz. Ich musste herausfinden, wie ich das umsetze, denn ich würde nicht sagen, dass ich ein natürlicher Sänger bin. Also hat es eine Weile gedauert, die Parts tatsächlich einzusingen, und dann kam natürlich noch das Mischen und die Produktion der Vocals, denn ich bin kein ausgebildeter Produzent, kein ausgebildeter Mixing- oder Recording-Ingenieur.
Und deshalb ist alles, was ich mache, irgendwie ein Experimentieren und Lernen im Prozess. Ich musste herausfinden, wie viele Vocal-Spuren ich aufnehmen sollte, wo ich sie platziere, sie mit verschiedenen Lautsprechern und bei unterschiedlichen Lautstärken mit verschiedenen Effekten testen. Nutze ich Harmonien? Ergibt das Sinn? Wie passt es zur Gitarre? Also gibt es viele verschiedene Dinge zu berücksichtigen und es hat eine Weile gedauert, bis dieser Teil fertig war. Aber am Ende war es wirklich lohnend, weil ich viel gelernt und etwas Neues gemacht habe, und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das hilft natürlich immer.
Teilweise wirkt das Songwriting etwas hymnischer und stärker von klassischem, epischem Heavy Metal inspiriert, zum Beispiel bei „The Art Of Resurrection“, in Teilen von „Baobhan Sith“ und natürlich beim Titeltrack. Was sind deine größten Einflüsse aus dieser speziellen Ecke des Metal-Kosmos, abgesehen von offensichtlichen Sachen wie IRON MAIDEN.
Okay, zum Beispiel wurde der Song „Coronach“ von Sachen wie BATHORY und Doom oder Epic Doom wie ATLANTEAN CODEX und CANDLEMASS inspiriert. „The Art Of Resurrection“ wurde stark von der Arbeit von Dan Swanö von EDGE OF SANITY, WITHERSCAPE und NIGHTINGALE beeinflusst, er macht ja sehr viele unterschiedliche Dinge.
„Baobhan Sith“ wurde von Melodic Death Metal wie THE BLACK DAHLIA MURDER, CHILDREN OF BODOM, NECROPHAGIST, OBSCURA und REVOCATION beeinflusst. Die Melodien auf diesem Track waren irgendwie von KING DIAMOND und MERCYFUL FATE inspiriert, aber man kann es vielleicht nicht erkennen, weil es ein völlig anderer Kontext ist. Und dann gibt es natürlich Bands, die ich liebe, wie VENOM, TANK, RUNNING WILD und MOTÖRHEAD, eher rauerer Heavy Metal.
„Kinchyle“ ist der traditionelle Schlachtruf des McBain-Clans. Ist das in deiner Familie allgemein bekannt oder musstest du dafür tief in die Geschichte eintauchen?
Ich glaube nicht, dass es wirklich allgemein bekannt ist, weißt du, es ist heutzutage nicht mehr wirklich ein Thema, aber ich habe eigentlich nie wirklich jemanden danach gefragt. Aber es ist etwas, das ich schon eine Weile weiß und es ist ein Titel und eine Idee, die ich seit ein paar Jahren habe, aber ich wusste nicht, in welchem Kontext ich sie wirklich verwenden könnte.
Und ja, es war wirklich cool, das für einen Song mit einem persönlicherem Text verwenden zu können, der auf meinen eigenen Erfahrungen basiert. Das ist wiederum etwas Neues auf dem Album, weißt du, ich habe noch nie wirklich aus einer persönlichen Perspektive geschrieben. Alles basiert normalerweise auf Legenden, Folklore, Literatur und solchen Dingen. Also ja, das war etwas Cooles, etwas anderes.
Der Song soll deine Jugend in Aberdeen beschreiben und ist eine ziemlich wilde Mischung aus MOTÖRHEAD-Rock’n’Roll, Punk-Vibes und klassischen MEGADETH-Riffs. Er verbindet eine rohe Straßenattitüde mit ausgelassener Party-Stimmung. Hängt dieses Gefühl direkt mit deinen Erfahrungen beim Aufwachsen zusammen?
Irgendwie ja, ich meine, ich habe meine Zeit in Aberdeen genossen und ich habe es genossen, dort aufzuwachsen, ich habe viele gute Erinnerungen und ich hatte eine gute Kindheit. Aber ich lebe schon eine Weile nicht mehr in Aberdeen und über die Jahre hatte ich das Gefühl, dass der Stadt irgendwie das Leben ausgesaugt wird. Weißt du, jedes Mal, wenn ich zurückkomme, sehe ich, dass es viele Drogenprobleme gibt, und ich kenne viele Menschen mit psychischen Problemen, und viele Leute sind unglücklich.
Wenn man über Schottland spricht, stellen sich die Leute im Grunde die Highlands mit Bäumen und Bergen vor und ich schätze auch Burgen und Grün und Wasser und solche Dinge. Während die Stadt Aberdeen, weißt du, es gibt coole Dinge dort, aber ja, es ist die Granite City. Also ist es sehr grau, das Wetter in Schottland ist auch sehr düster, windig und regnerisch. Also war es irgendwie eine Möglichkeit, eine andere Seite von Schottland zu zeigen, an die die Leute vielleicht nicht denken würden.
Und die Musik spiegelt das wider, sie hat eher eine fröhliche Party-Stimmung, weil ich meine Zeit dort genossen habe und Aberdeen mag und meine Erfahrungen beim Aufwachsen dort geschätzt habe. Und dann gibt es den Mittelteil, der etwas unheilvoller oder finsterer und düsterer ist, was einen Kontrast zu allem bildet. Ich denke, viele Menschen haben ähnliche Erfahrungen mit vielen verschiedenen Städten auf der ganzen Welt.
Du meinst so eine Art Hassliebe?
Genau das. Und ich denke, die Gefühle, die ich für Aberdeen habe, sowie die Probleme und die positiven Seiten, lassen sich auf verschiedene Städte auf der ganzen Welt übertragen. Es ist nur so, dass das meine Erfahrung ist und ich in Aberdeen aufgewachsen bin. Deshalb schreibe ich zwar aus persönlicher Sicht darüber, aber ich denke, die Leute können sich wahrscheinlich damit identifizieren.
Meistens schöpfst du deine Inspiration aus schottischer Literatur und Folklore, die voller Hexen, Monster und anderer übernatürlicher oder okkulter Themen ist, die sich perfekt für Metal-Texte eignen. Ist das auch dein Hauptgrund, diese Themen zu erkunden, oder geht dein Interesse weit darüber hinaus?
Beides. Für mich ist das Wichtigste, dass die Texte zur Stimmung der Musik passen und zur Ästhetik der Band. Mein Musikstil ist sehr stark vom Horror geprägt und handelt von Gut und Böse. Und als ich vor sechs oder sieben Jahren in die Highlands gezogen bin, hat mich das dazu inspiriert, mich mehr mit schottischer Folklore und schottischer Geschichte zu beschäftigen.
Ich habe erkannt, dass viele dieser Dinge perfekt zur Musik von HELLRIPPER passen würden. Es ergab absolut Sinn, das zu verwenden, und wie ich schon sagte, haben viele der Texte, die ich schreibe, ähnliche Themen – es geht um Gut und Böse und Horrorgeschichten und Folklore und wahre historische Ereignisse, nur dass es dieses Mal durch eine schottische Linse betrachtet wird. Es hat mich inspiriert gehalten, ich konnte über verschiedene Dinge schreiben und unterschiedliche Atmosphären erschaffen. Ich konnte verschiedene Schauplätze beschreiben. Ich konnte unterschiedliche Worte verwenden, einfach basierend auf der Natur der Themen. Es hat mich kreativ gehalten und es ist immer interessant, wenn ich Geschichten und Folklore recherchieren kann.
Es ist ein unterhaltsamer Prozess und verleiht der Band gewissermaßen auch eine eigene Identität, besonders innerhalb der Thrash- und Speed-Metal-Szene. Es gibt nicht viele Bands, die über schottische Folklore und schottische Themen singen oder schreiben, und es ist auch cool, die Leute auf diese Dinge aufmerksam zu machen, weil sie nicht oft behandelt werden. Leute, die HELLRIPPER hören, hören vielleicht zum ersten Mal von solchen Dingen wie „Hunderprest“ oder der „Baobhan Sith“.
Ich finde es ziemlich komisch, dass nicht viel mehr Metalbands, insbesondere schottische Metalbands, diese Themen tatsächlich prominent in ihren Texten verwenden, weil sie sich meistens eher mit Geschichte und historischen Schlachten und solchen Dingen beschäftigen.
Ich denke, das kommt darauf an – es gibt ein paar Bands in Schottland, die über solche Themen singen, eine der größeren Bands ist natürlich SAOR, die eher atmosphärischen Black Metal machen. Sie gehen anders an die Texte heran, weil es die Natur der Musik so vorgibt – sie können Dinge auf eine atmosphärische Weise besingen, weil sie so zu ihrer Musik passen, während meine Texte von Slasher-Horrorfilmen beeinflusst sind, um zur Musik zu passen.
Und viele der Geschichten eignen sich irgendwie gut dafür. Über schottische Geschichte und Schlachten und solche Dinge zu sprechen, ist nichts, was zur HELLRIPPER-Musik passen würde, deshalb halte ich mich davon fern.
Gibt es eine Legende oder ein Stück Literatur, das dir besonders wichtig ist und gibt es vielleicht auch etwas, worüber du gerne schreiben würdest, aber bisher noch nicht dazu gekommen bist?
Ich weiß nicht. Ich recherchiere zwar gern, aber mir fällt nichts ein, was mir wirklich persönlich wichtig ist, obwohl ich ein paar Dinge sehr mag. „Hunderprest“ von diesem Album ist eine großartige Legende und „The Nuckelavee“ vom letzten Album ist auch eine tolle Geschichte. Ein halb Mensch, halb Pferd Monster-Hybrid, der einen fauligen, schrecklichen Atem hat und Vieh tötet…
Ja, ich erinnere mich, dass ich die Hintergrundinformationen dazu gelesen habe und mir dachte: „Das ist schrecklich und perfekt für HELLRIPPER.“
Genau, das passt perfekt zu HELLRIPPER. Und ja, es gibt eine ganze Menge verschiedener Dinge, die ich noch nicht erforscht habe. Ich habe unfertige Werke oder verschiedene Songs in Arbeit, die es nicht aufs Album geschafft haben, wie zum Beispiel ein Song über den Bowhead Saint, der irgendwann überarbeitet und in irgendeiner Form veröffentlicht wird. Und dann gibt es die Geschichte von Tam O‘Shanter, die vielleicht bekannter ist und von der ich glaube, dass sie auch „The Number Of The Beast“ von Iron Maiden inspiriert hat. Es ist eine coole Geschichte, mit der man in viele verschiedene Richtungen gehen kann.
Meine Pläne für das nächste Album sind im Moment, mein eigenes Konzeptalbum auf Basis meiner eigenen Geschichte zu machen, aber inspiriert von vielen verschiedenen schottischen Geschichten und schottischen Themen, anstatt wie bei diesem Album und vielen meiner Arbeiten Geschichten direkt zu erzählen. Ich denke, ich werde etwas Neues ausprobieren. Das wird Spaß machen, weißt du, ich versuche immer, kreativ und inspiriert zu bleiben. Mal sehen, wie das läuft. Weißt du, es könnte schiefgehen. Es könnte furchtbar werden, aber es wird cool sein, das zu versuchen.
Ihr habt nach der Veröffentlichung von „Warlocks“ ziemlich viel getourt. Wie gut seid ihr als Band zusammengewachsen und kannst du dir vorstellen, die Jungs eines Tages mit ins Studio zu nehmen, oder wird das Schreiben und Aufnehmen neuer Musik für HELLRIPPER auf absehbare Zeit dein Solo-Ding bleiben?
Wir hatten in den letzten Jahren ein paar Veränderungen, einfach wegen Prioritäten, Jobs, Zeitplänen und solchen Dingen. Also gab es ein paar Wechsel, aber das Wichtigste ist, dass ich – abgesehen davon, dass sie die Songs spielen können – Leute in der Band haben möchte, die miteinander klarkommen, und ja, wir haben eine gute Zeit. Weißt du, wir genießen es immer.
Wir spielen viele Shows, viele Festivals und sind viel zusammen unterwegs. Wir verbringen viel Zeit in Vans und an Flughäfen und in Locations und Backstage und schreiben online miteinander, also wäre es schwierig, wenn wir uns nicht mögen würden. Das ist mir also wirklich wichtig, und ich denke, wir sind alle gute Freunde. Wir haben Spaß und es ist eine richtig gute Zeit.
Was die Studioseite angeht, sehe ich das fast wie eine andere Band. Ich genieße es einfach sehr, es so zu machen. Allein zu arbeiten, weißt du, ich habe unbegrenzt Zeit zum Experimentieren, ich kann jederzeit an Dingen arbeiten, ohne Deadlines, ohne mir Sorgen über die Zeitpläne und Meinungen anderer Leute machen zu müssen. Wenn ich ein Riff oder einen Part habe, den ich wirklich mag oder wirklich liebe, gibt es niemanden, der das abschmettert und ändert, und ich habe das Gefühl, dass ich die besten Ergebnisse erziele, wenn ich allein arbeite. Das Wichtigste ist der Spaß daran, es ist mein Hobby.
Wenn ich von einer Tour nach Hause komme, erhole ich mich, indem ich Musik schreibe und aufnehme. Ich genieße das einfach sehr, und ich habe früher auch in Bandumgebungen mit anderen Leuten gearbeitet, was mir auch gefallen hat, aber im Laufe der Jahre habe ich einfach gemerkt, dass ich diese Arbeitsweise bevorzuge. Aber weißt du, ich würde niemals nie sagen – wenn ich aufhöre, es zu genießen, oder wenn ich das Gefühl habe, dass ich eine Veränderung brauche oder die Ergebnisse nicht das sind, was ich mir erhofft habe, dann habe ich kein Problem damit, Dinge zu ändern und andere Leute in den Prozess einzubeziehen, aber im Moment bin ich sehr zufrieden, also bleibt es so.
Gibt es noch andere Projekte, an denen du arbeitest, über die du sprechen möchtest oder kannst, oder liegt dein alleiniger Fokus auf HELLRIPPER?
Mein Hauptfokus liegt auf HELLRIPPER. Aber im Laufe der Jahre mache ich langsame Fortschritte an einer Million verschiedener Projekte aus ganz unterschiedlichen Musikrichtungen. Von akustisch-folkig beeinflusster Musik über Post-Punk und Death Metal bis hin zu eher geradlinigem Punk Rock – es gibt viele Dinge, an denen ich arbeite und ich habe einen Ordner auf meinem Computer voller Ideen für etwa 10 oder 15 verschiedene Projekte mit unterschiedlichen Stimmungen.
Und oft mache ich es so, dass ich zuerst schaue, ob diese Dinge zu HELLRIPPER passen, weil ich denke, dass das eine Möglichkeit ist, einen einzigartigeren Sound für mich selbst zu entwickeln und mehr Elemente einzubringen, um die Musik interessanter zu machen. Auf diesem Album zum Beispiel stammen viele Dinge aus Ideen, die ich für andere Projekte hatte und sie haben einfach zum HELLRIPPER-Sound gepasst. Zum Beispiel war „The Art Of Resurrection“ größtenteils für etwas anderes gedacht, wie ein Post-Punk-Projekt, aber ich habe mich entschieden, ihm die HELLRIPPER-Behandlung zu geben.
Und alles, was nicht zu HELLRIPPER passt, bleibt in Ordnern liegen und ich arbeite langsam daran und entwickle die Ideen weiter. Irgendwann wird es Veröffentlichungen geben, ich habe nur keine Ahnung, wann. Ich könnte einen großen Inspirationsschub haben und es nächste Woche machen, oder es könnte erst in Jahren passieren – ich weiß es nie. Ich erzwinge nichts. Ich schreibe einfach, was mir in den Sinn kommt, speichere es ab und mit der Zeit werden die Dinge irgendwie von selbst zu Songs.
Wie sieht es im Live-Bereich aus? Ich habe gehört, dass ihr plant, eure Live-Aktivitäten zu intensivieren?
Ja, wir haben unsere UK-/Europa-Tour im März und April mit SCHIZOPHRENIA und SARCATOR, was großartig wird. Das ist unsere bisher größte Headliner-Tour und es wird richtig Spaß machen, einige der neuen Songs zu spielen.
Im Mai gehen wir für ein paar Shows nach Mexiko und über das Jahr verteilt haben wir eine Menge Festivals. Außerdem spielen wir ein paar Shows mit TESTAMENT in Spanien und Frankreich, was richtig cool ist, weil sie eine meiner Lieblingsbands sind.
Und später in diesem Jahr – es ist noch nichts vollständig bestätigt – arbeiten wir daran, zum ersten Mal für eine Tour in die USA und nach Kanada zu kommen. Und wir planen auch schon für nächstes Jahr. Wir denken an Südamerika, Asien und noch mehr Europa-Termine. Also ja, wir planen, in den nächsten paar Jahren ziemlich beschäftigt zu sein.
Das klingt nach einem vollen Zeitplan. Das war’s im Grunde von mir. Nochmals vielen Dank für deine Zeit, und ich wünsche dir alles Gute für die kommende Veröffentlichung. Du hast das letzte Wort.
Ja, vielen Dank für deine Zeit, das weiß ich wirklich zu schätzen, und danke an alle für ihre Unterstützung – ohne die Unterstützung der Fans und der Leute, die HELLRIPPERs Musik hören, könnte ich das nicht machen. Ich hoffe, wir sehen uns live, und ich hoffe, den Leuten gefällt das neue Album.
