Isvind
Interview mit Goblin zu "Daumyra"

Interview

Isvind

Mit „Daumyra“ haben die Norweger ISVIND vor kurzem ihr drittes Album veröffentlicht – nachdem zwischen dem Debüt „Dark Waters Stir“ von 1996 und dem Zweitwerk „Intet Lever“ von 2011 ganze 15 Jahre lagen, ging’s diesmal also überraschend fix. In unserem Special haben Kollege Dammasch und ich uns dem Album bereits aus zwei verschiedenen Blickwinkeln genähert, mit Sänger/Drummer/Keyboarder Goblin kommt nun eine dritte Stimme dazu. Ladies and Gentlemen, „Daumyra“ und ein bisschen auch der Black Metal im Allgemeinen aus Sicht von ISVIND:

Moin Goblin, wie geht’s?
Gratulation zur Veröffentlichung eures dritten Albums „Daumyra“. Da das Album ja schon seit über einem Monat draußen ist, kannst du uns eine kleine Übersicht darüber geben, wie die Reaktionen darauf bisher ausgefallen sind?

Danke, danke, DANKE. Uns geht’s gut, alles bestens, keine großen Schmerzen oder Krankheiten, die es wert sind genannt zu werden. Alle Glieder und Gelenke arbeiten ziemlich gut. Regelmäßige Toilettengänge und Sehkraft wie immer. Was du bei dieser Frage natürlich wirklich wissen willst, ist, wie Presse und Fans auf die Veröffentlichung reagiert haben, „Daumyra“ … Nun, es hat Höhen und Tiefen gegeben, ist aber alles in allem ziemlich gut ausgefallen; zumindest das, was ich gelesen habe. Ich denke, die Reviews für dieses Album sind im Einklang mit unserer Meinung, denn auch wir halten es nicht für den Gipfel unseres Schaffens.

Zwischen euren letzten beiden Alben lagen 15 Jahre, in denen ihr gerade einmal die Split mit ORCRIST und eine Promo veröffentlicht habt – und nun gibt es nur zwei Jahre nach „Intet Lever“ schon „Daumyra“. Natürlich lag ISVIND zwischen den ersten beiden Alben auch ein paar Jahre auf Eis, aber trotzdem kommt „Daumyra“ unerwartet fix. Was war denn diesmal anders?

Der Unterschied ist, dass wir nicht mehr 500 Kilometer weit auseinander wohnen und wir beide Jobs und ein Privatleben haben, in dem es sich unterbringen lässt, dass wir uns treffen und neue Musik in akzeptablerem Tempo machen. Und nach dem Release von „Intet Lever“ und einem bisschen Touren waren wir inspiriert, mehr Musik zu machen und mit ISVIND weiterzumachen solange wir können. So war das auch ursprünglich mal gedacht.

Alles in allem finde ich, dass „Daumyra“ schon so klingt, wie eben ein ISVIND-Album klingt. Aber gleichzeitig denke ich, dass es ein bisschen weniger chaotisch und minimalistisch als seine Vorgänger ist, vor allem die Gitarre klingt für mich ein bisschen anspruchsvoller – würdest du da zustimmen? Und wenn ja, war das eine bewusste, absichtliche Entscheidung?

Wir würden zustimmen. Wir nahmen „Daumyra“ sehr sorgfältig auf, nahmen uns eine Menge Zeit als wir die Mikrophone platzierten und unsere Sessions durchplanten, damit es am Ende so klingen würde wie es sollte. Außerdem haben wir auch viel bei den Aufnahmen zu „Intet Lever“ gelernt, und wir adaptierten das bei „Daumyra“. Die Weise, auf die wir dieses Album gemacht haben, ist etwas, bei dem wir etwas tiefer bohren sollten, beim nächsten Album könnten wir es komplett richtig hinkriegen.

Dieser Eindruck, den ich von der Musik habe, wird auch ein bisschen vom Cover-Artwork des Albums bestätigt: Im Gegensatz zu den einfachen, zweifarbigen Artworks eurer ersten beiden Alben, ist das „Daumyra“-Artwork ja schon ziemlich farbig und komplex, obwohl auch das immer noch ‚typisch ISVIND‘ ist. Gab es einen bestimmten Grund, dass ihr diesmal etwas anderes probiert habt?

Ja, da gab es einen Grund. Wir fanden, dass wir den Leuten etwas schulden, die sich die Platten kaufen; mehr als nur ein Cover, um die Disc darin zu lagern. Wir hatten das Glück, uns mit Juha Vuorma verbünden zu können, der uns ein Cover malte, das zum Konzept des Albums passt. Ich persönlich mag es, durch Booklets zu blättern, die Texte und Auflistungen zu lesen, sehe also keinen Grund für uns, sowas nicht auch zu machen. Zwei unserer Cover waren jetzt simplistisch und minimalistisch, es war Zeit, unsere Musik auch in Bildern und Worten zu visualisieren.

Um dann auch ein bisschen über die Texte des Albums zu sprechen: Ihr habt diesmal mehr englische Texte benutzt, oder? Warum?

Da gibt’s keinen Grund. Die englische Sprache ist deutlich vielfältiger als die norwegische, und als ich „The Dark Traverse“ schrieb, war es für mich offensichtlich, dass Norwegisch hier versagen würde. Ich will nicht sagen, dass dieser Text gut ist, ich sage nur, dass er eher in Englisch geschrieben werden musste als in Norwegisch. Und ich muss dazusagen, dass ich seit 1985 englische Texte höre, mein Gehirn denkt manchmal einfach Englisch, wenn ich Lyrics schreibe. Das gilt übrigens auch, wenn ich mir Anmachsprüche für die Ladies ausdenke.

Und ganz generell: Kannst du vielleicht zusammenfassen, worum es in den Texten (vor allem den Norwegischen) geht? Und gibt es ein zugrundeliegendes Konzept?

Du kannst die Babys deiner Katze darauf verwetten, dass es ein lyrisches Konzept gibt! „Daumyra“ ist reiner, nautischer Nihilismus. Wir haben tief gegraben um ein paar raue Texte über die Verzweiflung auf See zu sammeln. Schade, dass die Mehrheit unserer Hörer kein Norwegisch versteht. Während des Schreibprozesses für „Daumyra“ habe ich zwei Wochen mit einem Seehundjäger verbracht, so einem richtig harten Kerl, und er war bei manchen Formulierungen und historischen Themen sehr hilfreich.

Von Artikeln zu eurem Album mal abgesehen, habe ich nur eine kleine Stadt in Südnorwegen gefunden, als ich nach dem Wort „Daumyra“ gegoogelt habe – kannst du vielleicht ausführen, warum dieser Name zum Albumtitel wurde? (Falls es überhaupt das ist, was der Titel meint.)

Ha! Das ist das zweite Mal, dass uns das jemand fragt. Wir waren uns dieses Orts in Norwegen überhaupt nicht bewusst. „Daumyra“ ist ein Ableger von einer Sache auf der „Nivelheimen“-Demo. Der Name ist nautisch, grimm and cold, ich glaube, er funktioniert für das Album richtig gut.

Ich erinnere mich daran, dass ein Freund von mir 2011 im Zuge von „Intet Lever“ sagte, ISVIND könnten eine der letzten ‚True Norwegian 90’s Underground BM-Bands‘ sein – und bis zu einem gewissen Grad kann ich ihm da sicherlich zustimmen (auch, wenn es wahrscheinlich so manche Band gibt, von der wir hier noch nie gehört haben). Aber wo seht ihr euch denn selbst? Und würdest du zustimmen, dass es wenige Bands aus den Neunzigern gibt, die ihren Stil nicht mittlerweile geöffnet haben?

Ich würde zustimmen, dass es weniger und weniger Bands gibt, die Non-Retro-Musik machen, und das ist ihre Entscheidung. Überlebende nicht wirklich, aber wenn ich DJEVEL und NETTLECARRIER höre, kriege ich Gänsehaut. Und ich bin mir sicher, dass es mir nicht möglich wäre, heutzutage Black Metal zu machen, der nicht wie ISVIND klingt, selbst wenn ich es versuchen würde.

Und zum Abschluss noch eine Frage zur Zukunft: Als ich im Netz ein paar Reviews zu „Daumyra“ gelesen habe, habe ich bereits jetzt ein paar Texte gefunden, die davon sprachen, dass ISVIND sich selbst kopieren – obwohl ich dem nicht zustimmen würde, kann ich verstehen, warum manche Leute das so empfinden. Ich hoffe, du verstehst diese Frage nicht als Beleidigung, ich meine das wirklich ernst und ohne Implikationen: Glaubst du, ihr werdet in der Lage sein, den Old-School-Black-Metal-Stil immer und immer wieder zu variieren? Fühlt ihr euch vielleicht manchmal sogar ein bisschen limitiert? Oder kümmert ihr euch um sowas gar nicht?

Nun, wenn wir uns selbst kopieren, dann ist das okay. Wie ich schon sagte, wir kennen keine andere Art, Black Metal zu machen. Das ist was wir tun, und Riffs und Songs zu schreiben, die in den ISVIND-Rahmen passen, funktioniert für uns auf persönlicher Ebene immer noch. Wenn das die Hörer langweilt, dann ist das eben so. Was das Finden von neuen Wegen, alten Black Metal zu machen angeht: Ich denke, dass wir die ganze Zeit schon versuchen, die Elemente zu optimieren, aber das muss unbemerkt geschehen. Wir wollen immer noch wie ISVIND klingen, aber trotzdem versuchen wir mit jedem Album ein bisschen voranzuschreiten. „Daumyra“ ist nicht so gut geworden, wie wir gehofft hatten, und deshalb schreiben wir schon an neuem Material.

Das wär’s dann schon von mir – danke dir! Die berühmten letzten Worte …

Skautroll (Bassist) und ich fordern jeden Leser zu einem Billardspiel heraus. Der Verlierer übernimmt die Getränkerechnung!

25.09.2013
Exit mobile version