Mourning Rise
Mourning Rise

Interview

Eine sicherlich ziemlich außergewöhnliche Erscheinung in unserer Subkultur stellt die Leipziger Formation MOURNING RISE dar, deren Debüt-EP "Five Ways To Illuminate Silence" Anfang August über Supreme Chaos Records veröffentlicht wurde. In den progressiven, komplexen, experimentellen und höchst abwechslungsreichen Stücken wird so ziemlich alles miteinander vermischt, was man sich vorstellen kann, von (Death) Metal über Funk, Rock, Pop bis hin zu orientalischen Klängen. Natürlich verlangt dies vom geneigten Hörer eine gewisse Offenheit, denn MOURNING RISE betreten mit dieser eigenständigen Mischung, zu welcher auch der Verzicht eingefahrener Songstrukturen zählt, neues Terrain. Vom ersten Hör weg total begeistert, wollte ich mehr über die Hintergründe erfahren, Bassist J.Case gab sehr umfangreich und interessant Auskunft.

Vorab möchte ich dich bitten, kurz die Band sowie die einzelnen Bandmitglieder vorzustellen. Wie kam es im Spätsommer zur Bandgründung?

Die Band MOURNING RISE existiert als Idee eigentlich schon eine lange Zeit. Erste Anfänge gab es bereits in den von uns so genannten „Bunker & Grunge“ Jahren, die am Anfang des neuen Jahrtausends liegen und damit gefühlte Myriaden Jahre vorbei sind….Die Idee existierte dabei bereits, als wir noch nicht einmal in der Lage waren, unseren Wünschen und Vorstellungen, der Wille als Weg, adäquaten Ausdruck zu verleihen. Erst durch das Reifen des Einzelnen, durch eine kaum für möglich gehaltene Konsequenz und Konsistenz in der Geschichte der Gemeinschaft kam es zu dem, was jetzt gegeben ist. Damit fällt in den Spätsommer des Jahres 2006 nur die Gründung des nunmehr Bestehenden.

Bereits Jahre davor gab es schon eine Rhythmussektion, die sich aus den beiden Gründungsmitgliedern Nico am Schlagzeug und J.case am Bass, zusammensetzte. Diese Rhythmusgruppe war einst Teil eines in den Ruinen der Geschichte verlorenen Anfanges und überlebte die Zeit, als alles auseinanderbrach. Über ein Jahr haben wir quasi die rhythmischen Grundsteine in dieser Besetzung gelegt. Irgendwann im Frühsommer 2006 kam Stefan aka demK als Gitarrist hinzu, indem er plötzlich mitten in der Küche des Bassisten stand. Dadurch bekam die ganze Entwicklung, aufgrund des Hintergrunds von demK, einen ganz neuen Dreh. Und etwas später dann, als aus Fragmenten Konstrukte wurden, stieß Rika mit und am Klavier zu uns.

Max von NUKE EASTERN PLOT und Niko von DARK SUNS als Sänger kamen dann erst ummittelbar vor beziehungsweise während der Aufnahmen dazu und leisteten tatkräftige Unterstützung. Dadurch ist MOURNING RISE mit der Zeit gereift und wurde immer solider.

Ihr verwendet neben euren eigentlichen Namen auch lustige Pseudonyme in Form von alkoholischen Getränken. Wie kommt’s?

Wo hast du die denn noch gefunden? Das Ganze war nur als kleine Persiflage auf den Synonymwahn im extremen Metal Bereich zu verstehen. Eigentlich dachten wir aber, alle Spuren davon beseitigt zu haben…(hehe, ALLES hinterlässt im Internet seine Spuren, Anmerk. d. Verf.)

Natürlich sind diese Pseudonyme mit einem oder mehreren Augenzwinkern zu verstehen. Sie spiegeln zum einen die Vorlieben des Einzelnen wieder und damit zum anderen auch einen Teil der Persönlichkeit desjenigen. Auf der anderen Seite kann man die Pseudonyme auch als Anknüpfungspunkt einer serviceorientierten Projektionsfläche betrachten. Jeder, der die Seite besucht, hat damit zunächst auch die Möglichkeit, sich eine spezielle Figur auszusuchen. Die Idee dazu ist in der Zeit der Rhythmusgruppe entstanden (s.o.). In welcher seltenen Stimmung wir aber waren, kann ich inzwischen nur noch schwer rekonstruieren. Wir wollten neben dem nichtssagenden Namen, Namen sind Schall und Rauch, noch etwas Persönliches preisgeben.

Würdest du MOURNING RISE eher als Band oder Projekt bezeichnen? Welchen Stellenwert haben MOURNING RISE für euch verglichen mit euren anderen Betätigungsfeldern?

Nun, in erster Linie ist MOURNING RISE beides. Auf der einen Seite sind wir eine Band, in dem Sinne, dass es eine feste Besetzung gibt, die regelmäßig probt, die die Lieder komponiert und ähnliches. Auf der anderen Seite besteht MOURNING RISE darüber hinaus aber aus Grafikern und Musikern, die anlassbezogen hinzukommen, sich Einbringen und die Arbeit mitgestalten. Da die Anzahl und der Kreis der Personen hier stetig im Wandel ist, und ebenso geplant ist, dieses Konzept fortzuführen, könnte man auch von einem Projektansatz sprechen.

Nun, wir sind alle keine Profimusiker, zumindest der Kern nicht. Aber die Musik lässt uns den Raum, eigene Gedanken und Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen. Damit hat MOURNING RISE schon eine zentrale Bedeutung in unserem Leben. Wobei wir dabei aber stets von der Idee ausgehen. Jeder von uns hat dabei noch andere Tätigkeitsfelder, aber auch diese dienen mitunter nur dazu, neue Ideen aufzunehmen und in die Arbeit bei MOURNING RISE einfließen zu lassen.

Welche Ziele verfolgt ihr mit MOURNING RISE, was möchtet ihr erreichen?

Die Grundfrage hierbei ist doch: Was kann ich wollen (frei nach Kant). Was wir wollten ist dabei Musik zu entwickeln, zu schaffen, die die Vorstellungen und Ideen eines jeden von uns widerspiegelt und verarbeitet und sich zu einer Einheit zusammenfügt. Der Ansatz war und ist also Musik zu schaffen, die wir mit Freude auch zu Hause hören würden. Dabei ist mit der ersten EP dieser Ansatz noch lange nicht ausgereizt. Wir haben neue Ideen, die wir umsetzen wollen und auch Dinge gefunden, die sich verbessern lassen. Im Mittelpunkt steht also die Entwicklung der zugrundeliegenden Idee.

Abseits der Frage, was wir erreichen wollen, freuen wir uns auch darüber, was wir erreicht haben. Dabei sei insbesondere der Labeldeal mit Supreme Chaos Records angesprochen. Dieses Label hat schon die legendären NOCTE OBDUCTA herausgebracht und für uns ist es eine große Ehre, dort untergekommen zu sein.

Dass andere dazu kommen und uns mit Glückwünschen bedenken, erfreut uns, macht uns in gewisser Art und Weise stolz, und war doch nie Grund des Arbeitens. Was wir damit erreichen können ist klar, eine Entwicklung, ein Weiterdenken….

Euer erstes Werk, die EP „Five Ways To Illuminate Silence“ ist ja nun schon seit Anfang August draußen. Wie waren denn die bisherigen Reaktionen seitens der Presse und der Fans?

Die bisherigen Reaktionen waren kontrovers, aber dennoch überwiegend positiv. Es gibt bei vielen den Grundtenor, dass es kein leicht zu verdauendes Werk ist, und sich seine Hörer gewissermaßen aussucht. Eine Reaktion, die wir so nicht ganz erwartet haben. Wir waren da eher etwas zurückhaltender. Zur Wahrheit gehört aber natürlich auch, dass wir schon Verrisse bekommen haben.

Dort kann man dann die Divergenz zwischen dem Rezipienten und Rezensenten als Subjekt und der Musik als missgedeutete Projektionsfläche gut nachvollziehen. Wir haben nicht den Geschmack von jedem getroffen, wobei ja auch nicht unser Ziel war, „gefällige“ Musik zu machen. Daher ist jedem zunächst Dank zu sagen, der sich die Zeit genommen hat, sich mit dem Resultat unseres Schaffens auseinander zu setzen, egal ob er es nun mag oder nicht.

Ja, ich könnte mir gut vorstellen, dass gerade solch eine progressive, komplexe, schräge, teils in sich vordergründlich widersprüchliche, gleichzeitig aber dennoch songdienliche EP für viele recht schwer zu verdauen ist. Ihr vermischt ja allerhand miteinander. Da ertönen folkige, jazzige, orientalische, balladeske, extreme Töne, gehen miteinander Hand in Hand in dieser experimentellen, musikalischen Reise. Wie kommt man eigentlich dazu, solche Stücke zu komponieren?

Ehrlich gesagt frage ich mich das auch immer. Kalkuliert war das alles nicht. Die Songs spiegeln die unterschiedlichen Leidenschaften und Inspirationen der Beteiligten wieder, welche in einem organischen Schaffensprozess zueinander fanden. Der Ansatz, dass wir keinen Hauptsongschreiber haben, sondern wirklich alle zu etwa gleichen Teilen in den Entstehungsprozess involviert sind, in diesem Zusammenhang sprechen wir gern auch von einer grundsätzlich anarchosyndikalistischen Haltung, findet sich dann eben auch in der Musik wieder.

Dazu kommt, dass wir uns von den bekannten Songschemen lösen und etwas Neues, Spannendes kreieren wollten, dass zunächst einmal auch durch steten Wandel besticht. Dadurch sind viele Teile zum Beispiel nur einmal zu hören. Dazu kommen gemeinsame Erlebnisse, die zum Teil in der Musik wiederzufinden sind. Beispielsweise haben wir eine Nacht durchmusiziert, um im Dämmerlicht gegen halb drei Nachts das Gelände einer alten Fabrik zu betreten, und dort auf einem weiten Feld dem Bellen der Hunde zu lauschen…was sich auch für mich jetzt etwas seltsam anhört.

Hehe, Wau Wau! Wie entstanden eure komplexen, höchst abwechslungsreichen Songs? Wie oft trefft ihr euch im Proberaum?

Der Prozess des Entstehens war eigentlich von Song zu Song unterschiedlich und doch ähnlich. Meist ist es so, dass irgendjemand mit einer kurzen Linie kommt, und diese entwickeln wir dann weiter. Dabei entstehen auch während der Sessions teilweise neue Stücke oder Passagen, die wir dann später wieder einpassen oder weglassen.

Aber letztlich feilen wir solange daran rum, bis es den Konsens gibt, dass es so geht und genauso auch gut klingt. Und diese Meinung muss von allen getragen werden. „Dead Notes“ zum Beispiel war ursprünglich eine reine auf Bass und Schlagzeug basierende Verarbeitung und Improvisation über A-Moll.

Probezeiten sind unterschiedlich, direkt vor den Aufnahmen waren wir täglich im Proberaum, momentan eher weniger, und im Schnitt zwei bis dreimal die Woche.

Nun gibt es auf „Five Ways To Illuminate Silence“ sehr viele illustre Gäste zu hören. Von wem stammt denn welcher Beitrag, welchen Einfluss hatten diese Gäste auf das endgültige Resultat und wie gestaltete sich der Aufnahmeprozess mit diesen vielen Leuten im Studio?

Der Aufnahmeprozess hat sich vollkommen unkompliziert entfaltet. Schließlich stand uns mit Andy von DISILLUSION auch ein hervorragender Produzent an der Seite, der quasi wie ein Dirigent das Einzelne zum großen Ganzen zusammengefügt, und sich dabei doch immer als Person zugunsten der Idee zurückgehalten hat. Andy hat dabei in den 25 Minuten an einer Stelle ganz besonders intensiv mitgearbeitet…

Dabei kamen die Gäste erst nach und nach ins Studio und hatten dann teils einen oder mehrere Tage Zeit, ihren Teil einzustreuen. Die Idee dazu ist beim Schreiben der einzelnen Songs entstanden. Die Überlegung war, wie können wir etwas verbessern, wie können wir anderen Dank sagen. Im Ergebnis haben wir die Genannten eingeladen ihren Teil zum Gelingen beizutragen.

Als erstes kam Max von NUKE EASTERN PLOT dazu. Kurz vor den Aufnahmen waren wir noch auf der Suche nach einem Sänger und Max hat durch seinen an Mike Patton (u. a. Ex-FAITH NO MORE, FANTOMAS) erinnernden Gesangstil sofort gepasst. Außerdem hat es auch menschlich perfekt harmoniert.

Die Zusammenarbeit mit Torsten und Niko von DARK SUNS lag fast auf der Hand, da wir Proberaumnachbarn sind, eine enge Freundschaft pflegen und dazu noch absolute Fans ihrer Musik sind. Niko hat dabei die ruhigen, klaren Gesangsparts übernommen, während sich Torsten für das einzige Gitarrensolo verantwortlich zeichnete.

Bei „Katharsis“ hört man dann ein Cello, welches von David von NEUN WELTEN übernommen wurde. Wir kennen David und NEUN WELTEN schon recht lange. Irgendwann war dann halt die Idee geboren, dass wir ein Cello einbauen. Zudem ist David ein außergewöhnlicher Musiker und Mensch.

Als wir dann bei den Gesangsspuren waren, kam die Idee, dass wir zumindest an einer Stelle akzentuierten weiblichen Gesang und an einer anderen Stelle spanische Parts einstreuen. Der Kontakt lief dann über Max, der die richtige Telefonnummern hatte und uns Leo von EMPTY DAYS für die spoken female vocals in „Dead Notes“ und Carlos für den spanischen Teil in „Scouting Highways“ organisierte.

Letztlich sollte dann noch als Reminiszenz ein Black Metal Scream drauf. Da lag es nah, die Leipziger Helden von GRABAK mit ins Boot zu hieven und Jan den einzigen echten Black Metal Scream einsingen zu lassen. Bei „Scouting Highways“ kam dann auch noch Markus, seines Zeichens Inhaber der Leipziger Szene Kneipe „Helheim“, mit einem winzigen aber für uns sehr wichtigen Part an der Maultrommel zum Einsatz.

Im Ergebnis muss man sich dass vielleicht wie ein Bild vorstellen. Wir haben den Rahmen und die Skizze geliefert und zum Teil auch die Farben vorgegeben. Andy hat das Bild dann entsprechend korrigiert und entschlackt und die Konturen deutlicher herausgearbeitet. Die Gäste haben dem ganzen die Feinheiten verpasst. Dadurch hat jeder seine ganz eigene Überlegung beigetragen.

Wie viel Zeit habt ihr eigentlich im Studio verbracht? Wurden im Studio noch Songs umgeschrieben oder stand da schon alles fest?

Insgesamt haben wir knapp drei Wochen gebraucht. Wobei die Zeit gesplittet war. Das Material stand schon fest, als wir ins Studio gegangen sind. An ein, zwei Stellen mussten Parts korrigiert werden oder andere fielen weg, da sie nicht mehr ins Gesamtkonzept passten.

Wäre „Five Ways To Illuminate Silence“ ein Film, wie wäre die Handlung, und wer würde Regie führen?

Wahrscheinlich würde eine Mischung aus Jim Jarmusch, David Lynch und Peter Jackson Regie führen. Das verschrobene Element, dass willkürliche anmutende, welches den roten Faden fast vergessen lässt, kommt durch Lynch. Jackson streut das Pompöse, das Aufbrausende und das Gemetzel ein. Jarmusch konzentriert sich auf die Ruhe, auf das Elegische, fast schon Magische in der Einfachheit. Die Handlung würde dann entsprechend aussehen. Die Texte zeugen jeweils sehr stark von einer inneren Auseinandersetzung und von Selbsterkenntnis. Die Handlung wäre also in zeitlich nicht chronologisch ablaufenden Kapiteln erzählt, die sich zum einen mit dem Schmerz der Liebe, der Idiotie der Anderen und der Reue auseinandersetzen. Dabei würden immer wieder Teile eines Road Movies auftauchen.

Am Ende würde der Protagonist über komplett leere Straßen (wie in der „Omega Mann“) in die Dunkelheit der Wüste („Lost Highway“) fahren und vor einem Hotel halten und dort irgendwo im Nichts einen letzten Kaffee trinken. Das Auto inkl. Inhalt würde dabei an „Fear And Loathing In Las Vegas“ erinnern. Dabei würde der Rahmen in einer Art Arena stattfinden und immer wieder von einem Erzähler unterbrochen werden, der das Geschehene reflektiert und sich direkt an den Hörer/Zuschauer wendet (hier liegt der Vergleich zu „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann nahe), dann Schnitt und Aus.

Welche Werke, egal ob musikalisch, lyrisch, filmisch etc. haben euch maßgeblich beeinflusst?

Wie bereits mehrmals angedeutet, ist die Anzahl der Werke, die uns beeinflusst haben, sehr weit gefächert und differenziert nach dem einzelnen Subjekt. Die Gemeinsamkeit, die uns alle eint, ist daher der Pluralismus. Daher kann ich diese Frage leider auch nur teilweise beantworten. Bei mir sind es im literarischen Bereich die Werke der Spätromantik, welche eine Rolle gespielt haben, also etwa E.T.A. Hoffmann oder Novalis, aber im Gegensatz dazu auch Mattias Faldbaken mit „Macht und Rebell“, bei demK liegt der Fokus sehr stark auf englischer Geschichte und Literatur, Nico hat ein Hang zu Werken von Tolkien, Baudelaire, Gaultier und ähnlichen und Rika zum Expressionismus wie bspw. Else Lasker – Schüler. DemK hat zudem eine starke Neigung für das Theater eingebracht.

Musikalisch sieht es ähnlich aus, von feinstem Metal bis zu Free Jazz oder Electronica, nicht zu vergessen Funk, diffundieren da die Einflüsse. Um Namen zu nennen sage ich mal: KOOL AND THE GANG, TOOL, BOHREN AND THE CLUB OF GORE, EMPEROR, EPHEL DUATH, OPETH, PINK FLOYD, AMON TOBIN, DILLINGER ESCAPE PLAN oder ALEC EMPIRE. Filmisch ist ein gewisser Einfluss von Lynchs Werken sicherlich nur schwer zu leugnen.

Wie wichtig ist für dich der Blick über den Tellerrand? In diesem Zusammenhang, was bedeutet das Schlagwort „Szene“ für dich und wie weit ist dein persönlicher Musikgeschmack gefächert?

Der Blick über den Tellerrand impliziert ja, dass man sich irgendwo zugehörig fühlt. Bei uns ist es so, dass wir unsere Wurzeln zum Großteil sicherlich im Rock und Metallbereich haben. Daneben geht es mir aber so, dass ich mich inzwischen keiner Szene mehr als solcher zugehörig fühle, sondern Teil eines eigenen Ansatzes bin. Das ist aber keineswegs die Negierung der Idee einer Subkultur oder Szene, sondern nur ein streng subjektiver Blickwinkel.

Der Blick über den Tellerrand ist daher gewissermaßen a priori vorhanden. Das spiegelt sich dann auch in meinem Musikgeschmack wieder. Der eben von Sachen wie JESU und ISIS, über SOLEFALD und OPETH, ATARI TEENAGE RIOT, AMON TOBIN und dem ENSEMBLE MODERN wechselt.

Szene ist dabei dennoch eine nicht zu unterschätzende Sache. Die Szene stellt ja eine Gruppe dar, die durch einen gemeinsamen Nenner gekennzeichnet ist. In Leipzig wimmelt es da inzwischen von aufgeschlossenen, innovativen Bands. Der gemeinsame Nenner hier wäre also, die Gemeinschaft unter Freuden und mit Freunden, die sich gegenseitig unterstützen.

Wird es eine Live-Umsetzung der Stücke geben? Falls ja, wie wollt ihr das komplexe Material umsetzen, in der Kernbesetzung?

Es ist etwas schwierig, das Ganze so umzusetzen, wie wir uns das vorstellen. Wir wollen eigentlich den Rahmen eines kommerziellen Konzerts hinter uns lassen, da uns dieser Ansatz verstört und von uns als zu eng empfunden wird, und etwas anderes machen. Bei der Umsetzung soll es also nicht nur um die Musik gehen, sonder auch um den Rest. Wie das genau gestaltet wird, ist aber noch offen. Fest steht, dass es nicht sehr viele Möglichkeiten geben wird, uns live zu sehen. Dies hängt auch damit zusammen, dass wir lieber an neuen Ideen arbeiten und es schwierig ist, die Vielzahl der Beteiligten zeitlich zusammen zu bringen. Vielleicht treten wir auch unter einem anderen Namen spontan auf oder ähnliches. Warten wir mal ab was passiert.

Was ist als Nächstes bei MOURNING RISE geplant? Gibt es schon weitere, neue Stücke?

Nun, wir haben gerade die Renovierungsarbeiten an unserem Proberaum abgeschlossen und stehen in Verhandlung darüber, dass ein bildender Künstler mit seinem Atelier hinzukommt.
Wir arbeiten also an den Grundlagen des nächsten Entwicklungsschrittes. Dabei gibt es auch schon die ersten Ansätze und Ideen für neue Stücke. Ohne zuviel zu verraten, kann ich sagen, dass im musikalischen Bereich das Schlagwort Veränderung heißt. Dabei orientieren wir uns gerade ein bisschen gen Osten.

Hui, ich bin gespannt! Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Ich bedanke mich im Namen von MOURNING RISE bei Dir und allen Lesern; die bis hierhin mitgegangen sind. Jeder der aufgeschlossen ist und Lust hat, ist eingeladen unsere Ideen zu verfolgen, in die Welt einzutauchen und sich selber einzubringen.
In diesem Sinne
Never new will ever be told, deconstruct the old is what we do.

28.08.2008

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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