Persecution
Persecution

Interview

Das Chemnitzer Quintett {Persecution} hat es mit seinem 2002 im heimischem Kinderzimmer produzierten Erstling fertiggebracht, der untergrundigen Konkurrenz ein beachtliche Wurfweite in Sachen Homerecording vorzugeben. Die opulente Instrumentierung wie die professionelle Handhabe dieser, ebenso wie das talentierte kompositorische Händchen haben mich neugierig auf diese Band gemacht, was mich zu einem Interview mit Sänger und Bassist Steffen verleitete… here we go!

Ihr beschreibt Eure Musik mittlerweile als „Melodic Death Metal?“ (mit Fragezeichen!) – Stell Dir vor, ich sei etwa ein kirgisischer Ziegenhirte und Du müsstest mir erklären, wie sich Eure Musik anhört.

Da würde ich gar nicht erst anfangen mich um Kopf und Kragen zu reden, zumal mir auch völlig egal wäre, ob ein kirgisischer Ziegenhirte sich unsere Musik vorstellen kann! Fakt ist, daß jeder, der mit Metal der etwas härteren Art etwas anfangen kann, wohl hier und da etwas für sich auf unserem Album finden wird. An Leute dieses, für Metal-Verhältnisse ja immer noch breiten Gebiets, ist unsere Musik gerichtet. Für schwarz-weiß angemalte Keyboard- und Melodieallergiker wird es wohl etwas schwerer, für Leute die auf Aggression mit Melodie und den ein oder anderen Abdriftungen in die Metal-Peripherie stehen, wohl etwas leichter zu verdauen sein!

Was waren Eure Ambitionen, als Ihr Euch zum ersten Mal zusammen gesetzt habt, die Umwelt mit Eurer Musik zu beglücken?

Die gleichen Ambitionen, die wohl jeder Metalfan hat wenn er sich entschließt selbst mal zu versuchen strukturierte Geräusche zu produzieren: wir wollten anfangs so wie die Bands klingen, die wir anhörten.
Glücklicher Weise haben wir dann recht schnell den Sprung hin zu einem eigenen Stil geschafft (hoffe ich doch zumindest). Wirklich funktioniert hat es aber erst als wir uns in der aktuellen Besetzung gefunden hatten.

Persecution haben sich erst vor bald vier Jahren formiert – was habt ihr vor dieser Zeit getrieben? Gibt es Banderfahrungen, die die heutige Melange Persecutions gefärbt haben?

Ja. Jeder hat auch vorher schon Musik in Bands gemacht, so das wir alle unsere Instrumente schon einigermaßen beherrschten, bevor wir uns zu dem jetzigen Line-up fanden.
Ob unsere vorherigen Aktivitäten großen Einfluß auf den Sound Persecutions hatten glaube ich nicht, denn es war für alle ein gewisser Neuanfang, wenngleich natürlich jeder seinen Stil spielt. Die Mischung jedenfalls bestimmt unseren Sound.

Ist Euer anfänglicher Idealismus angesichts des Feedbacks auf die beiden bislang erschienenen Demos bis heute eher verstärkt oder eher enttäuscht worden?

Rückblickend auf die Reaktionen zu unseren Demos muss man sagen, daß wir im Großen und Ganzen immer fair behandelt wurden. Wir hatten ja auch auf unser letztes Demo „Nightfall of mind“ schon sehr positive Resonanzen bekommen. Es ist aber natürlich klar, das frühere Aufnahmen nicht so ausgereift klingen konnten wie unser Debut-Album. Alles andere wäre auch verwunderlich. Wir haben ja bewußt nicht schon vor 2 Jahren unser Demo als Debut veröffentlicht. Jetzt haben wir uns so weit entwickelt, was unsere technischen aber auch kompositorischen Fähigkeiten angeht, das wir mit ruhigen Gewissen unser Debut-Album aufnehmen konnten. Ich hatte von vornherein eine bestimmte Vorstellung, wie hoch die Qualität sein sollte und mit „Mental Chaos“ haben wir diese auch erreicht. Wir wollten den Leuten ein ausgereiftes Debut-Album bieten und kein überlanges Demo-Tape mit Schülerband-Rumpel-Metal und beschissenen Sound und Aufmachung. Soll heißen, an unserem Idealismus hat sich nichts geändert!

In Songs wie dem Opener „Shine“ wohnen bleiernes Death-Riffing mit eindringlichen, eher aus dem Powermetal Vertrauten Gitarren-Powerplay plus Keys und Black Metal-klassische Blasts Tür an Tür nebeneinander. Gibt es im Probenraum regelmäßig Keilerei um die einzuschlagende Stilrichtung?

Nein eigentlich nicht. Es kommt zwar vor das wir uns manchmal fragen, ob wir den Leuten an der ein oder anderen Stelle etwas viel zumuten was Themenwechsel angeht, aber da uns selbst diese Progressivität meistens gefällt, kommen wir immer zu einem, für alle annehmbaren, Kompromiß.
Diese Vielschichtigkeit spiegelt nur unsere teilweise sehr verschiedenen musikalischen Einflüsse wieder. Wir haben dann diese Not einfach zu einer Tugend gemacht und bezeichnen nun diese Songstrukturen als unseren Stil.

Seit Ihr mit Eurem jüngsten Baby „Mental Chaos“ eigentlich zufrieden, oder seit Ihr wie fast alle Musiker Meister der Selbst-Benörgelei?

Das Album ist jetzt seit ca.3 Monaten fertig und bis jetzt sind wir alle noch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Letztendlich haben wir ja auch alles selbstgemacht und hätten sowieso niemanden dem wir Schwachstellen in die Schuhe schieben könnten. Außerdem hatten wir so auch die Möglichkeit so lange an dem Album zu feilen bis wir zufrieden waren. Spätestens mit den nächsten Aufnahmen werden sich aber so langsam dann die Erkenntnisse einstellen, was wir hätten noch besser machen können – wir sind halt doch nur Musiker.

Kannst Du mir einen Einblick in jene Geheimnisse geben, wie man in Eigenregie einen solch stämmigen Sound zu fahren vermag? Machst Du das zufällig beruflich, oder hast Du vielleicht ‘nen unscheinbaren Mitbewohner namens Pete Tätgren?

Peter hat sich schon tagelang nicht mehr sehen lassen, so das ich wiedermal alles allein machen mußte! Aber im Ernst, ich beschäftige mich schon immer neben dem Problem Musik selbst zu machen auch damit sie irgendwie auf Konserve zu bannen. Scheinbar habe ich da ein glückliches Händchen. Die CD habe ich in meinem „Kellerstudio“ aufgenommen. Dabei hat natürlich der Computer etwas mitgeholfen. Sonst benutze ich nur wenige, aber sinnvolle und gute Geräte, die ich dafür bedienen kann. Der Rest war viel Zeit, Gehirnschmalz und „schlechte“ Erfahrungen aus früheren Produktionen!

Spürt Ihr überhaupt das Bestreben, mal mit einem renommierten Produzenten zusammen zu arbeiten? Was könnte so eine sicher nicht umsonst arbeitende Kraft noch besser machen?

Ich würde schon mal mit einem erfahrenen Produzenten zusammen arbeiten. Allerdings müßte da auch alles passen, denn besser als bei mir muss es natürlich dann werden. Außerdem bräuchten wir dazu ein Label, was uns finanziell unterstützt. Mich würde auch interessieren, in wieweit man noch mehr aus unseren Ideen und spielerischen Umsetzungen rausholen kann. Ich denke da wäre mit einem renommierten Produzenten noch einiges zu machen. Natürlich würde ich am laufenden Band alles abgucken was der Typ soundtechnisch werkelt um es selbst zu machen. An so einem inoffiziellen Produzentenworkshop würde ich gern teilnehmen!

Eure Texte beschreiben zumeist einen ziemlich düsteren Ist-Zustand. In „Trinity in Man“ wird aus der Offenbarung zitiert, „The Towers Of Barad-Dùr“ thematisiert – wie unschwer zu erkennen – den Herrn der Ringe. Gibt es einen lyrischen roten Faden durch „Mental Chaos“, oder spiegelt sich etwa die Struktur im Titel des Albums?

Da spiegelt sich eher der Titel des Albums wieder. Die Texte (wie auch die Songs) sind über einen langen Zeitraum entstanden, so das ein roter Faden oder ein übergreifendes Konzept in dem Sinne nicht besteht. Mit der Idee eines Konzeptalbums kann ich mich aber durchaus anfreunden – schau mer mal !?

Bislang beschränkte sich Eure Live-Aktivität ja weitgehend auf Euer Herkunftsgebiet – Gibt es einen funktionierenden Underground rund um Chemnitz?

Es ist nicht gerade so ,dass einem hier tagtäglich ein euphorischer und unüberschaubarer Metal-Untergrund aufgedrängt wird. So etwas wäre mir neu! Es gibt in der Umgebung einige befreundete Bands, aber anstatt zu einem funktionierenden Untergrund zusammenzuwachsen wurde in den letzten Jahren alles im Keim erstickt. Jedes Kaff hat mehrere Kaninchenvereine und Heimattreffs, aber wenn man als Band einen Proberaum sucht kommt man sich vor als hätte man Fäkalien an der Backe (was überwiegend falsch ist).

Darf denn mit dem Release der Debüt-CD nun auch der Rest Deutschlands auf eine Ausweitung Eures Aktionsradius‘ hoffen?

Da bin ich mir nicht sicher. Es ist nicht einfach aus eigener Kraft eine Tour zu organisieren bei der am Ende auch noch was übrigbleibt. Ich glaube fast da werden wir wohl auf Helfer warten müssen. Einzelne Abstecher kann es natürlich dennoch geben.

Bislang steht Ihr ohne Label da – was sich mit einem solchen „Demo“ jedoch schlagartig ändern könnte. Wie sehen Eure Vorstellungen hinsichtlich jener Dinge aus, die sich mit einem Plattenvertrag ändern könnten/sollten?

Tja, eigentlich wäre ein Label vor der Produktion nützlich gewesen, denn nun ist der Kraftakt finanziell von uns bewältigt worden. Dennoch wären wir vernünftigen Angeboten, die uns weiterbringen könnten nicht abgeneigt. Schließlich steht irgendwann die nächste CD an und wie du schon sagtest könnten wir auch mal deutschlandweit zum Tanz bitten.

Und wenn es nun nichts mit dem Deal wird?

Dann eröffnen wir in einem Kaff in der Nähe einen Kaninchenverein oder einen Heimattreff und von dem Geld was uns von allen Seiten reingedrückt wird gründen wir ein eigenes Label !!

Okay, eine Frage muss noch sein: Eine liebe Kollegin möchte wissen, ob ihr eine Wunschvorstellung von Eurem Publikum habt (ich sagte: KollegIN, Vorsicht: sicher eine Fangfrage mit fundamentalistisch-feministischem Hintergrund! Hehe…)?

Wenn das so ist: nein.

13.02.2003
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