Protest The Hero
Endlich selbst das Steuer in der Hand haben

Interview

PROTEST THE HERO aus Kanada haben gerade ihr sechstes Studioalbum „Within“ veröffentlicht. Vor ihrer Europatour mit Deutschlandterminen Anfang August stand Sänger Rody Walker uns Rede und Antwort. Wir sprachen über die stilistische Ausrichtung der Band, neue Einflüsse und darüber, wie es ist, plötzlich ohne Label zu arbeiten.

Hi Rody! Es ist inzwischen 15 Jahre her, seit wir das Interview zu „Scurrilous“ mit euch geführt haben. Seitdem gab es einige Besetzungswechsel und ihr habt weitere Alben veröffentlicht. Wo seht ihr euch heute als Band, im Vergleich zu 2011?

Rody: Heute ist alles ganz anders! Um 2011 herum wurden wir oft dafür gefeiert, dass wir seit der Gründung dieselben fünf Typen waren, und dann ist uns das Ganze ziemlich um die Ohren geflogen. PROTEST THE HERO ist heute mehr eine Community als je zuvor. Mittlerweile sind viele verschiedene Menschen in unterschiedlichsten Rollen beteiligt, und das macht alles sehr spannend. Im Kern sind es zwar immer noch Luke, Tim und ich, aber gleichzeitig fühlt es sich viel größer an.

Damals hast du gesagt, dass ihr euch keinen bestimmten Genres anpassen wollt. Gleichzeitig ist es interessant, dass unser Kollege in seiner Rezension zu „Palimpsest“ das Album gleich sieben Genres zugeordnet hat: Hard Rock, Hardcore, Mathcore, Modern Metal, Power Metal, Progressive Metal und Punk Rock. Wie würdest du die Einflüsse auf euren letzten Alben beschreiben?

Rody: Wir haben eine allgemeine Vorstellung davon, was wir wollen, und diese Vorstellung hat sich eigentlich nie geändert. Wir wollen schnelle, komplexe Songs, bei denen man mitsingen kann. Das ist im Grunde schon alles. Unsere Einflüsse sind definitiv breit gefächert, bewegen sich aber größtenteils innerhalb der härteren Musik. Wir versuchen nicht bewusst, irgendein bestimmtes Genre zu vermeiden; es ist uns einfach nicht wirklich wichtig. Wir wollen einfach Songs schreiben, die wir selbst cool finden.

(Der Kern von) Protest The Hero sind: Tim MacMillar (oben), Luke Hoskin (rechts) Rody Walker (links)

Ihr habt schon immer das Technische mit dem Melodischen kombiniert, und vielleicht das Nerdige mit dem Banalen. „Within“ behält zwar die technischen Elemente bei, wirkt insgesamt aber zugänglicher und leichter verdaulich. Würdest du dem zustimmen, und hat sich euer Ansatz beim Songwriting für dieses Album verändert?

Rody: Das ist seltsam, denn für mich hat sich unsere Musik nie besonders unzugänglich angefühlt. Aber es ist schwierig, objektiv zu sein! Meine Aufgabe war schon immer, eingängige Melodien über komplexe Musik zu schreiben. Vielleicht ist mir das diesmal einfach besser gelungen? Wer weiß!

Wenn wir den Rock- und Metalbereich einmal verlassen: Kannst du etwas über die anderen stilistischen Elemente erzählen, zum Beispiel die orchestralen Parts? In eurer Bio wird sogar Musical als Einfluss erwähnt, was man wahrscheinlich am deutlichsten in „The Mariner“ hört.

Rody: Einer der Songwriter für dieses Album war unser guter Freund und langjähriger Kollaborateur Milen Petzelt-Sorace. Er hat die komplette Orchestrierung auf „Palimpsest“ übernommen und bei „Within“ eine noch viel größere Rolle gespielt. Ich würde sagen, dass durch seinen Einfluss die Musical-Komponente stärker in den Vordergrund gerückt ist, denn das ist sein täglich Brot. Er hat mir auch „Dear Evan Hansen“ gezeigt, das ich wirklich liebe. Wenn man genau hinhört, kann man diesen Einfluss definitiv in den Gesangslinien erkennen.

Was war das Nervigste, das während des Songwritings, der Aufnahmen oder der Produktion dieses Albums passiert ist? Oder gibt es vielleicht eine lustige Anekdote?

Rody: Ich weiß gar nicht, ob es etwas besonders Nerviges gab. Irgendwann waren wir alle frustriert darüber, wie lange es gedauert hat, bis wir endlich im Ziel angekommen sind. Aber wir können nicht auf eine bestimmte Person oder einen konkreten Umstand zeigen, der der Grund für die Verzögerung war. Es hat einfach lange gedauert. Wir haben alle ein ziemlich volles Leben außerhalb der Band und haben alles, was wir hatten, in dieses Album gesteckt.

Protest The Hero – „Within“ Cover

Für die Texte habt ihr introspektive Themen gewählt, was sich auch im Titel „Within“ widerspiegelt. Welche Ereignisse oder Erfahrungen behandelt ihr?

Rody: Ich greife verschiedene Erfahrungen auf, die mich tief geprägt haben. Es gibt Songs über Trauer und Schmerz, aber genauso über Freude und Hoffnung. Ich hoffe, dass ich die Vielschichtigkeit menschlicher Erfahrungen eingefangen habe. Es gibt viele unterschiedliche Themen auf dem Album, aber eine der wichtigsten Erkenntnisse ist wohl, wie kompliziert es eigentlich ist, einfach nur zu existieren.

Nachdem ihr früher bei Labels unter Vertrag wart, seid ihr inzwischen independent. Wie hat sich diese Entscheidung bisher auf die Band ausgewirkt, und welche Vor- und Nachteile sollten Bands kennen, die einen ähnlichen Schritt in Erwägung ziehen?

Rody: Wir standen seit unserem 14. Lebensjahr unter irgendeiner Form von Vertrag. Es ist schwer zu beschreiben, wie großartig es sich anfühlt, endlich selbst das Steuer in der Hand zu haben. Es war ein bisschen beängstigend, mit sehr viel Arbeit verbunden und verdammt teuer. Ich glaube nicht, dass wir zu einem früheren Zeitpunkt unserer Karriere dafür bereit gewesen wären. Heute sind wir es, und das fühlt sich einfach fantastisch an.

Ihr steht kurz davor, einige Headliner-Shows in Deutschland zu spielen. Worauf freut ihr euch am meisten?

Rody: Es ist schon sehr lange her, dass wir in Deutschland gespielt haben, aber ich habe sehr schöne Erinnerungen daran. Ich freue mich riesig darauf, wiederzukommen und herauszufinden, ob sich überhaupt noch jemand für uns interessiert. Und selbst wenn nicht, freue ich mich trotzdem auf das großartige Bier.

Live-Termine August 2026:
04.08.26: Berlin, Metropol
07.08.26: Karlsruhe, Substage
08.08.26: München, Free & Easy

Möchtest du zum Schluss noch etwas hinzufügen?

Rody: Ich habe gestern Abend anderthalb Kilo Chicken Wings gegessen und sie mit sieben Pints beschissenem Fassbier runtergespült. Jetzt stinkt mein ganzes Haus und mein Arschloch tut weh.

Vielen Dank für das Interview!

Quelle: Rody, Protest The Hero
17.07.2026

headbanging herbivore with a camera

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