65daysofstatic - Wild Light

Review

Die vier Herrschaften aus Sheffield sind sicherlich eine der meist unterschätzten Formationen im Post-Rock-Segment. Dabei treiben 65DAYSOFSTATIC bereits seit über zehn Jahren in der Szene ihr Unwesen und haben mittlerweile einen qualitativ wie quantitativ beeindruckenden Veröffentlichungskatalog vorzuweisen. Mit „Wild Light“ legt das Quartett nun das fünfte Studiowerk vor – und fügt seiner facettenreichen musikalischen Geschichte ein weiteres, spannendes Kapitel hinzu.

Waren die frühen Releases der Band noch wesentlich Gitarren-lastiger, ist man anno 2013 irgendwo im Spannungsfeld zwischen Post-Rock, Ambient und Trip-Hop angekommen, die klassische Rock-Instrumentierung ist noch weiter in den Hintergrund gewichen, es dominieren pumpende Break-Beats und wabernde Synthie-Flächen, angereichert mit gelegentlichen, teils bis zur Unkenntlichkeit verwaschenen Gitarren-Delays und minimalistisch bedienten Drums. Dabei wirkt es fast schon ironisch, dass man auf „Wild Light“ mit den großartigen „The Undertow“ und „Taipei“ zwei nahezu reinrassige Post-Rock-Nummern im Gepäck hat, die viele andere Vertreter des Genres in dieser Qualität wahrscheinlich nie schreiben werden. Anders gesagt: 65DAYSOFSTATIC hätten es sich einfach machen und mit einem „klassischen“ Post-Rock-Album die Konkurrenz mühelos in die Schranken weisen können. Die Band entschied sich jedoch für ein cineastisches, viel breiter angelegtes Konzept. Das Resultat ist ein packendes Opus mit viel Tiefgang und großen Emotionen.

Während der Auftakt der Platte mit dem Opener „Heat Death Infinity Splitter“ und dem grandiosen „Prisms“ noch vorwiegend elektronisch-sphärisch gehalten ist, treten die Gitarren bei den folgenden Songs behutsam, aber stetig fordernder an die Oberfläche. Seinen ersten, dynamischen Ausschlag erfährt das Album dann mit dem intensiven, merklich flotter dargebotenen „Blackspots“: Hier gewinnen Drums und Saiteninstrumente erstmals vollständig die Oberhand über Samples und Synthie-Spuren – eine Entwicklung, die im weiteren Verlauf und mit dem Schlusstrack, dem effekt-verhangenem „Safe Passage“ schließlich wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückgeführt wird.

Zwischendurch gibt es allerdings noch viele weitere hochklassige Momente, neben dem bereits genannten, fragil inszenierten „Taipei“ und dem hypnotisch anmutenden „Sleepwalk City“ wird die zweite Albumhälfte von dem fesselnden Post-Electro-Hybrid „Unmake The Wild Light“ überstrahlt – eine unglaublich dynamische Nummer, bei der Elektronik und traditionelle Instrumente eine beeindruckend homogene Symbiose eingehen.

Man könnte sicher einigen Tracks („Sleepwalk City“, „Safe Passage“) diverse Längen ankreiden. Man kann sich aber auch einfach zurücklehnen und sich in den ausufernden Kompositionen der Engländer verlieren. Und so bleibt festzuhalten: „Wild Light“ ist ein ganz heißer Anwärter auf den Genre-Thron 2013 und  – darauf möchte ich speziell hinweisen – insbesondere ein Pflichtkauf für Fans der ebenfalls großartigen VESSELS.

17.09.2013
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