Ashbury - Endless Skies

Review

Es gibt ja so einige Bands, die in ihrer Prime Time nur wenig Beachtung fanden und im Laufe der Jahre zum Kult erklärt wurden – in Fachkreisen wird dieses Phänomen auch gern ‘MANILLA-ROAD-Effekt’ genannt. Vor allem das Internet sorgte hier für eine Barrierefreiheit, die in den Siebzigern und Achtzigern natürlich noch nicht gegeben war. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies bei der Band ASHBURY aus Tucson, Arizona um die Brüder Randy und Rob Davis. 1983 veröffentlichten diese auf ihrem eigenen ‘Label’ Ashbury Music ihr Debüt “Endless Skies”, das schon damals eher nach 1973 klang – und sowohl vorne als auch hinten so aussah. Denn die Wollfrisuren und Schnurrbärte auf dem Backcover machen zumindest einer Band wie den alten KANSAS ernstzunehmende Konkurrenz.

“Endless Skies” – Lange vergessenes Meisterwerk

Mit dem leicht infantilen, aber Fantasie anregenden Buntstift-Cover, den hübschen Bärten auf den Fotos und vor allem der melancholisch-verträumten Musik konnten ASHBURY ein paar Jahre nach der Jahrtausendwende allerdings eine ganz neue Generation Fans verzücken, die Fantasy-Rock-Meisterwerke wie “The Warning”, “Vengeance” oder das ausladende Titelstück mit größter Hingabe verehrten. Der einmalige Reiz dieses lange für sich allein stehenden Albums liegt dabei in der entrückten Atmosphäre, die merklich an Epic-Metal-Bands erinnert und somit anschlussfähig für Fans von Bands wie WARLORD oder MANILLA ROAD ist.

Dass dabei permanent eine folkige Akustikgitarre neben den streckenweise auch an BLACK SABBATH erinnernden Riffs mitläuft und der Gesang von Rob Davis an Ian Anderson von JETHRO TULL sowie den zumindest früher mal großartigen CAT STEVENS erinnert, sind weitere Alleinstellungsmerkmale eines Albums, das keinen einzigen schwachen Song und einige plump-naive Lyrics enthält. Obwohl “Endless Skies” lange Zeit ein absoluter Geheimtipp war, sorgten Neuauflagen für eine größere Popularität von ASHBURY. Vor allem die Auflage von High Roller kann als Standardwerk und definitive Ausgabe betrachtet werden.

ASHBURY sind nachhaltig einflussreich

Man kann anhand einiger deutlich jüngerer Bands feststellen, wie einflussreich diese 40 Minuten rückwärtsgewandter Rockmusik sind. Im Schaffen von Bands wie HÄLLAS, NIGHT oder WYTCH HAZEL finden sich einige Stilmittel, die ASHBURY seinerzeit kultiviert hatten. Obwohl selbst kein echtes Metal-Album, ist “Endless Skies” inzwischen zu einem der Kultalben der Epic-Metal-Szene schlechthin geworden und sollte von jeder Person mit Sword-&-Sorcery-Affinität mindestens ein Mal gehört worden sein. Der Suchtfaktor dieser Platte wird euch ein Leben lang nicht verlassen. Was die Band danach veranstaltet hat, ist übrigens zu einhundert Prozent nicht der Rede wert.

16.09.2026

Redakteur

Exit mobile version