Beyond The Black - Break The Silence

Review

Man kann BEYOND THE BLACK durchaus als Konstante der deutschen Rockmusik bezeichnen. Mittlerweile seit 12 Jahren aktiv, liefert die Band nach dem selbstbetitelten Vorgänger von 2023 mit „Break The Silence“ ihr sechstes Album ab. Dabei folgt die Gruppe um Sängerin Jennifer Haben, das letzte Gründungsmitglied, einem erzählerisch roten Faden.

„Break The Silence“ folgt einem roten Faden

BEYOND THE BLACK haben sich mit dem neuen Album bewusst auf ein lyrisches Konzept festgelegt. Es ist ein Konzeptalbum über das Schweigen und die Kraft der Kommunikation, über Isolation und das Wiederfinden von Verbindung in einer zerrissenen Welt voller gesellschaftlicher Gräben. Inhaltlich treffen BEYOND THE BLACK einen Nerv, aber überzeugt „Break The Silence“ auch musikalisch?

Musikalisch überzeugend?

BEYOND THE BLACK wandeln weiter auf ihren popmetallischen Pfaden. Bombastischer, hochmelodischer Symphonic Metal, mal dezent hardrockend krachend, dann wieder mittendrin im gefühlvollen Mainstream Poprock. Im Mittelpunkt der kompakten, eingängigen Songs natürlich die kraftvolle Stimme von Jennifer, einprägsame Hooks, epische Arrangements, klanglich makellos. Aber „Break The Silence“ geht einen Schritt weiter.

Ein Schritt weiter

Passend zum Konzept präsentiert sich die Band auf „Break The Silence“ mutiger, stilistisch offener, vielseitiger, der Sound dezent verfeinert. Reifer, erwachsener.

Das neue Album hat einen stärker erzählerischen Charakter als alle bisherigen Werke der Band. In Verbindung mit Ethno-Einflüssen gewinnen BEYOND THE BLACK an Atmosphäre.

Der etwas auf modern getrimmte, energiegeladene Opener „Rising High“ ist zunächst typisch BEYOND THE BLACK. Vertraute Strukturen mit treibenden Riffs und Schlagzeug, hymnischer Refrain, symphonische Elemente, Jennifer wechselt zwischen zarter Melancholie und kraftvoller Stimme. Gekonnt dargeboten, emotional aber leider nicht allzu zupackend.

„Break The Silence“ ist trotz des recht palaktiven Refrains stärker. Auf mitreißenden Hitsong getrimmt, getragen von der ausdruckstarken Stimme, kraftvollen Chören und orchestraler Breite. Das Gespür für Melodie und einprägsame Hooks wirkt kalkuliert und gleichzeitig in Verbindung mit rhythmischen Einflüssen der Weltmusik und exotischen Klangfarben atmosphärisch dicht. Hier kommt die Offenheit zutrage, die gemeinsam mit spannenden Kollaborationen den Sound von BEYOND THE BLACK erweitern.

Kollaborationen erweitern den Sound von BEYOND THE BLACK

In „The Art Of Being Alone“ gesellt sich Gastsänger Chris Harms von LORD OF THE LOST  dazu. Dessen dunkle, markante Stimme im kontrastreichen Duett mit Jennifer harmoniert spitze. Düster, melancholisch, einer der Höhepunkte des Albums.

„Let There Be Rain“ ist ebenso ein Highlight. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem bulgarischen Frauenchor THE MYSTERY OF THE BULGARIAN VOICES lebt das Stück von seiner sakralen Stimmung. Ethno-Elemente, orchestrale Arrangements, betörender Chor, wuchtige Gitarren, ein bewusstes Verschieben von Grenzen und bewährte Strukturen.

Der dritte Song mit Gastbeitrag, hier Sängerin Asami von der japanischen Power-Metal-Band LOVEBITES, ist „Can You Hear Me“. Starke Riffs in Kombination mit Pop- und Elektro-Elementen. Geht schnell ins Ohr, kann aber das Niveau der beiden anderen Stücke nicht halten. Es gleicht einem Wechselbad der Gefühle.

Ein Wechselbad der Gefühle

Da wären die Balladen „Ravens“ und „Weltschmerz“. Erstgenannte ist eine hymnische Pop-Rock-Ballade, super eingängige Melodien, gefühlvoll getragener Gesang. Weniger originell als vertraut, folgt der sicher arrangierte Song dem typischen BEYOND THE BLACK Muster, das der Band auch zum Erfolg verholfen hat. Ganz anders „Weltschmerz“, ein Finale mit Nachklang. Episch, melancholisch, berührend, zerbrechlich wie bombastisch, hat etwas von ENYA. Jennifer singt Deutsch wie Englisch, ein emotionaler wie atmosphärischer Abgesang auf die Welt.

Fazit

„Break The Silence“ ist das bisher reifste Werk von BEYOND THE BLACK. Einige herausragende, facettenreiche, emotional tiefe Stücke stechen heraus. Demgegenüber geht die Band aber an anderen Stellen kein Risiko ein und liefert vertraute, hymnenhaft eingängige Mainstream-Kost. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

09.01.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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