Blind Channel - Painstream
Review
Mit „Painstream“ haben BLIND CHANNEL einen extrasmarten Titel für ihr sechstes Studioalbum gefunden. Doch obwohl die finnnischen Modern-Metaller den Schmerz als verbindendes Element des menschlichen Zusammenlebens erkannt haben, wollen sie sich zugleich vom geradezu nihilistischen Welktbild ihres bisherigen Schaffens entfernen und einer neugewonnenen Hoffnung in ihren Stücke Ausdruck verleihen. Schluss also mit der „Edgy Teenager-Attitüde“ und auf zu neuen, inhaltlich vielschichtigeren Ufern – es wurde ja auch langsam Zeit!
BLIND CHANNEL sind zum Quintett geschrumpft
Fünfeinhalb Jahre nach ihrer Teilnahme beim „Eurovision Song Contest“ im niederländischen Rotterdam halten BLIND CHANNEL „Poppigkeit“ noch immer nicht für ein Schimpfwort und zelebrieren unverschämt eingängigen Ohrwurm-Melodien mit ungebremstem Enthusiasmus. Nach dem Ausstieg von Co-Sänger/Gitarrist Joel Hokka sind die Finnen zwar zum Quintett geschrumpft, die Kompositionen profitieren aber letztlich sogar davon. Anstatt das gesangliche Wechselspiel (und womöglich auch die Egos) zweier Frontmänner berücksichtigen zu müssen, setzt „Painstream“ auf eine geradlinigere Harangehensweise und klarere Strukturen.
Für Abwechslung ist dennoch gesorgt, BLIND CHANNEL haben ihre knapp zweijährige Pause genutzt und die Batterien hörbar aufgeladen. Insbeonsdere die erste Hälfte wirkt unheimlich modern und verleiht jedem Song einen starken Eigencharakter, der auch nach mehreren Hördurchgängen noch so frisch wie beim Erstkontakt wirkt. Da kann man sich kaum entscheiden, ob der fetzige Opener „Messiah“ oder das von einem eher ungewohnt-schrägen Walzertakt unterlegte „Into The Void“ mit Gastsänger Aaron Pauley (OF MICE & MEN) nun das eigentliche Albumhighlight ist. Oder doch „Types Of Killing“? „Stars We See“? „Me Versus Me“?
Der Druck auf dem Kessel entweicht an der falschen Stelle
Ein Hit jagt den nächsten und wo im hinteren Teil bei „Vilain In Your Story“ oder „No Encores In A Swan Song“ das Tempo gedrosselt und mit etwas weniger Druck auf dem Kessel eher nachdenkliche Töne angeschlagen werden, bleibt die kompositorische Qualität dennoch durchgängig hoch. Und trotzdem leidet „Painstream“ unter einem fundamentalen Problem, das die Chancen auf höchste Wertungsregionen zunichte macht.
Mit einer ultrafetten Produktion wollen BLIND CHANNEL den Zuhörer absichtsvoll komplett überrollen und dabei keine Gefangenen machen. Darunter leidet dann allerdings die Dynamik und die übermäßige Klangkompression dämpft die Schalldruckspitzen auf ziemlich unanagenehme Weise immer dann ab, wenn es eigentlich so richtig knallen müsste. Zugegeben, solche Kompressionsartefakte wirken eher subtil, hat man sie jedoch einmal bemerkt, wird es ein absolutes Ding der Unmöglichkeit, diese jemals wieder zu ignorieren. Dagegen verkommen die überpräsenten Autotune-Effekte zur echten Lappalie, zumal es sich hierbei um eine bewusste Entscheidung der Künstler und damit eine reine Geschmacksfrage handeln dürfte.
Blind Channel - Painstream
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Modern Metal |
| Anzahl Songs | 12 |
| Spieldauer | 37:36 |
| Release | 30.10.2026 |
| Label | Century Media Records |
| Trackliste | 1. Messiah 2. Youthanasia 3. Stars We See 4. Into The Void (feat. Aaron Pauley) 5. Types Of Killing 6. Revolution: Now 7. Me Versus Me 8. Scapegoat 9. Villain In Your Story 10. Diana 11. No Encores In A Swan Song 12. Ache |
