Bodyfarm - Ultimate Abomination

Review

Die Niederländer von BODYFARM dürfen sicherlich als krisengeschüttelte Band bezeichnet werden. Noch bevor deren viertes Album „Dreadlord“ im Jahr 2019 über die Ladentheke gehen konnte, starb deren erst 31 Jahre junger Frontmann und Gründungsmitglied Thomas Wouters an Krebs – ein schwerer Schlag. Im Nachgang folgte eine lange Phase der personellen Neujustierung, sodass nun im Jahr 2023 mit Gitarrist und Hauptsongwriter Bram Hilhorst nur noch ein Mitglied aus der vorherigen Besetzung in altem Auftrag vorhanden ist. Unter diesem Stern darf man es durchaus als mutig werten, dass die Jungs mit ihrem Fünftwerk „Ultimate Abomination“ zurückkehren, und das qualitativ auf eine Art und Weise, als wäre nichts passiert.

Krise zwingt zum Umschwung

Würde am Doppelpass-Stammtisch auf Sport1 am Sonntagmorgen über die aktuelle Besetzung von BODYFARM diskutiert, würfe eine versierte Stimme eine gelungene Transferpolitik der Niederländer ein. David Scherman an den Drums verfügt sowohl als Live-Drummer sowie auf Platte über eine Menge Erfahrung, genauso wie Neufronter Ralph de Boer, dessen Vocals insbesondere bei DEAD HEAD zu hören sind. „Ultimate Abomination“ hört man einerseits an, dass Hilhorst hier noch immer seine Feder schwingt, doch auf der anderen Seite kommen auch neue Einflüsse zum Tragen, die dem Quartett ganz offensichtlich guttun.

Während der Opener „Torment“ noch als klassischer Death-/Thrash-Killer gewohnten Formates durchgeht, bei dem de Boer bereits seine Qualitäten harscher Gesangskunst vorzeigt, zeigt „Symbolical Warfare“ bereits eine gewisse Verschärfung des Stils. Neben fürstlichem Geballer, das erneut mit hervorragend organischer Produktion ausgestattet ist, deuten die Leads auf verstärkte Einflüsse aus dem melodischen Black Metal, die sich durch das komplette Album ziehen. Dabei gelingt es BODYFARM unheimlich gut, bestialische Headbanger, dunkle Melodielinien und thrashige Killerpassagen zu kombinieren.

„Ultimate Abomination“ offenbart neue Einflüsse und alte Klasse

Den Höhepunkt findet „Ultimate Abomination“ schließlich in der Mitte des Albums, wo man mit „The Swamp“ einen der intensivsten Huldiger zwischen ASPHYX und BOLT THROWER seit langem geschrieben und performt hat. Unheilvoll bereiten hier melancholische Cello-Töne auf die wahnwitzige Urkraft vor, mit der BODYFARM quälend langsam über den Hörer hinwegrollen. Hervorragend! Nach hinten heraus kann dieses Niveau zwar nicht in aller Gänze bestätigt werden, das ist allerdings auch überhaupt nicht notwendig.

Mit „Ultimate Abomination“ kreieren BODYFARM ein Biest, das seine Nische zwischen neuen Einflüssen und – nicht unbedingt erwartbar – alter Klasse bedenkenlos findet. Ein Bastard aus Death-, Thrash- und Black-Metal mit bewährten Zutaten europäischer Machart, und doch herrlich erfrischend. Ja, das ist nach wie vor großes Kino und eine beachtliche Leistung.

 

21.02.2023
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