Clowns - Lucid Again

Review

Die Australier von CLOWNS präsentieren sich auf ihrem mittlerweile dritten Album „Lucid Again“ mit abgerundeten Kanten. Schon der Opener nimmt sich die Frechheit heraus, eben nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Ganz gemächlich krächzt sich Sänger Stevie Williams scheinbar träge und böse verkatert ins musikalische Geschehen, während der Rest der Truppe langsam aber vehement die Instrumente schützend um ihn herum arrangieren.

Punk ganz ohne Hintergedanken

CLOWNS sind weiterhin provokant subversiv, auch wenn sie dem Hörer auf „Lucid Again“ nicht mehr so ganz mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen. „Like A Knife At A Gunfight“ leistet sich einen langen instrumentalen Einstieg und kurbelt die Stimmung an. Den typischen Punk-Rock-Standard mit zwei Gitarren aufzuwerten ist und bleibt eben lohnenswert, „Lucid Again“ quillt über vor singenden Gitarren und die heftig gezockten Akkorde sind mindestens ebenso packend, wie die kreativen Soli.

Ohne jegliche Aggressivität fegen die CLOWNS mit ihrem frischen Wind durch die Anlage, es fällt wirklich schwer, bei „Lucid Again“ ruhig zu bleiben. Die Melbourner verfügen damit über eine nicht zu verachtende Stärke, die das Liveerlebnis noch leichter entzünden wird. Grundsätzlich klingt und riecht vieles auf „Lucid Again“ schon nach Konzert, es gibt zahlreiche traditionell rockende Szenen, die sich sicher gut feiern lassen. Ganz ohne sich anzubiedern, bieten CLOWNS zahlreiche Ankermöglichkeiten mithilfe von Hooks und musikalischen Höhepunkten.

CLOWNS erreichen größtenteils eine hohe Schlagzahl, das Album dreht sich wie ein flinkes Kettenkarussell und hält nur kurz an um Melodien aufzusammeln oder wegzuschleudern. Gutes Zusammenspiel, schnelle Reaktion und die Fähigkeit auch über lange Strecken instrumental auf hohem Niveau zu überzeugen, heben CLOWNS von anderen Bands ab. Das Schönste an dem Album ist aber, das es anscheinend keine Hintergedanken hegt und man das Gefühl hat, dass hier jemand einfach kraftvolle Rockmusik machen will und nicht an Werbedeals, das nächste Merchandisemotiv oder Chartplatzierungen denkt.

I want to believe … und spätestens bei „Not Coping“ entblößen CLOWNS ihr ganzes Talent und schließen mit einem überragenden Punk-Rock-Song ab, der sich ganz selbstverständlich einen akustischen Einstieg plus lange progressive Momente leistet und durch seine ungeschminkten authentischen Schreie komplett unter die Haut geht. Ab auf die Jahresbestenliste mit diesem über neun Minuten langen Hammersong!

Du schreist, wir tanzen!

Ohne hinderliches Instrument um den Hals, kann sich der Sänger komplett auf seinen melodischen Gesang konzentrieren, das zeigt sich durch die bemerkenswerten Intonationen seiner Schreie und seines Gesangs. Bei CLOWNS klingen auch die Chöre gleichzeitig poppig und intuitiv, häufig driften Bands etwas auf die eine oder andere Seite und nur wenige schaffen diese Gratwanderung.

Wer den räudigen Gitarrensound der ersten beiden KVELERTAK-Alben mochte, wird an Songs wie „Pickle“ seine große Freude haben. Kommt dann noch eine gewisse Affinität zum guten alten Grunge-Mief („Destroy Ze Evidence“, „Fifteen Minutes Of Infamy“) und Freude an ungewöhnlichen Songbauten der Marke LES SAVY FAV oder HOT SNAKES („Noise In The Night“) dazu, dann ist „Lucid Again“ von CLOWNS deine Platte. Grundsätzlich ist die retrospektive Entwicklung zu tanzbaren Punk mit Grunge-Schlagseite eine sehr gute.

Checkt die Tourdaten auf der Facebook-Seite von CLOWNS, denn sowas sollte man live erleben.

09.04.2017
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