Dödsrit - Mortal Coil

Review

Christoffer Öster ist ein fleißiger Mann: 2013 und 2015 noch zwei hervorragende Alben mit der empfehlenswerten schwedischen Hardcore-/Crust-Band TOTEM SKIN aufgenommen, zudem regelmäßige DIY-Tourneen und 2017 der Split. Während Teile der Band in der Death-Metal/Crust-Formation VARDAGSHAT ihr Unwesen trieben, gründete Öster noch im selben Jahr sein Solo-Projekt DÖDSRIT. Für diese Band liegt sogar nun mit “Mortal Coil” bereits das dritte Album vor. Kreative Sackgasse? Fehlanzeige …

DÖDSRIT in jeder Hinsicht voll auf Linie

… vorausgesetzt, man kann mit dem häufig innovationsarmen Gemisch aus Black Metal, Post Metal und Crust Punk, das inzwischen nicht wenige Bands zusammenbrauen, generell etwas anfangen: Stichwort ANCST. Die Berliner sind sicher die beste Referenz für den Sound von DÖDSRIT, weil sich die desperaten Vocals, HM2-schwangeren Gitarren und die D-Beat-Drums bei beiden Bands sehr ähnlich sind. Wohingegen ANCST aber punkig auf den Punkt kommende Hymnen für die Straßenfeste dieser Welt schreiben, kommt bei DÖDSRIT noch ein starker Anteil atmosphärischer Elemente, wie wir sie vor allem von WOLVES IN THE THRONE ROOM, aber zum Teil auch von CULT OF LUNA kennen, hinzu. Das liest sich in der Theorie weiterhin nicht gerade fortschrittlich und ist es im Prinzip auch nicht, wären da nicht zwei weitere Faktoren, die “Mortal Coil” zu seiner wahren Klasse verhelfen. Erstens wäre das eine sehr angenehme und subtile Würdigung einiger schwedischer Death-Metal-Klassiker (vor allem DISMEMBER und UNANIMATED) in den geschmackvollen Gitarren-Leads von “Shallow Graves” und “Mortal Coil”. Zweitens ist es die unverschämte Kompetenz, mit der Öster seine vier überlangen Stücke komponiert hat.

Die Songs geraten nämlich trotz ihrer Spielzeit nie aus den Fugen und sind außerordentlich abwechslungsreich. Dadurch ist die unfreiwillige Monotonie vieler Bands mit einem “Post” vor dem Genre für DÖDSRIT kein Problem. Atmosphärische Parts gehen in punkiges Gehämmer über; Black-Metal-Riffs in gefühlvolle Soli – und alles wirkt wie aus einem Guss. Möglicherweise ist es ein Vorteil für DÖDSRIT, dass Christoffer Öster inzwischen nicht mehr jedes Instrument selbst bedient, sondern drei Mitmusiker um sich versammeln konnte. Zudem verfügt er über ein ausgezeichnetes Gespür für unaufdringliche, einprägsame Hooklines und Melodien.

“Mortal Coil” reiht sich in die Perlen des Genres ein

Somit ist der schwedisch-niederländischen Truppe ein von vorn bis hinten rundes Album gelungen, das trotz überlanger Songs keinerlei Längen aufweist. Zwar ist der zwischen ANCST und DOWNFALL OF GAIA rangierende Stil an sich heuer nicht mehr originell; in Anbetracht der überzeugenden Leistung fällt das jedoch nicht ins Gewicht. Fans des Genres und der genannten Bands sollten diesem Album unbedingt eine Chance geben.

21.05.2021

Redakteur | Koordination Themenplanung & Interviews

Exit mobile version